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Kritik:
Prisoners


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

PRISONERS
(2013)
Regie: Denis Villeneuve
Cast: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Paul Dano, Maria Bello

Story:
Als die kleine Tochter von Keller Dover (Jackman) entführt wird, nimmt der verzweifelte Vater die Dinge selbst in die Hand. Die Polizei, u.a. der ermittelnde Detective Loki (Gyllenhaal), tun aus Dovers Sicht zu wenig. Wie weit ist der Familienvater bereit zu gehen?

Kritik:
Kindesentführungen erwecken immer großes Medieninteresse und auch im Filmbereich hat es zuletzt Ben Affleck mit seinem „Gone Baby Gone“ sehr gekonnt auch auf der Leinwand zur Sprache gebracht. Die Thematik von „Prisoners“ ist also nicht neu, aber die Herangehensweise, weicht ab einem bestimmten Punkt von den bisherigen filmischen Expeditionen zu diesem Thema klar ab. Seit 2009 geisterte schon das Skript zu „Prisoners“ in den verschiedensten Schubladen herum. So stand zum Beispiel kurz mal Bryan Singer („X-Men“, „Valkyrie“) als Regisseur fest und Mark Wahlberg (der den Film jetzt noch mitproduziert hat) und Christian Bale waren für die Hauptrollen eingeplant. Schließlich gelang die Realisierung aber nun dem Kanadier Denis Villeneuve, der damit auch gleichzeitig sein US- bzw. Hollywooddebüt gibt, nachdem sein letzter Film „Die Frau, die singt“ (oder im Original „Incendies“) 2010 u.a. für den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars nominiert war und er spätestens damit auf dem Radar der US-Studios auftauchte. Mit Roger Deakins hinter der Kamera und Joel Cox und Gary Roach am Schneidetisch, die dies normalerweise nur noch für Clint Eastwood machen, hat er sich dann auch hinter, wie vor der Kamera namhaftes Personal sichern können. 

Nach einer gemeinsam Thanksgivingfeier vermissen die benachbarten Familien Dover (Hugh Jackman und Maria Bello) und Birch (Terrence Howard und Viola Davis) jeweils ihre jüngste Tochter. Mit Alex Jones (Paul Dano), scheint Polizist Loki (Jake Gyllenhaal) auch schnell den richitgen Mann festgenommen zu haben. Als man ihm aber wieder freilassen muss, da ihm nichts nachgewiesen werden kann, will sich der Familienvater Keller Dover nicht zufrieden geben und nimmt die Sache selbst in die Hand. Bevor das nun gleich jemand direkt als Selbstjustizdrama abstempelt, sei gesagt, dass das der Film auf eine Art und Weise schon ist, aber auch so clever inszeniert, dass er da mehrere Möglichkeiten zur Wahl gibt ohne de Zuschauer die Wahl nach richtig oder falsch zu erleichtern. Auch beginnt der Film und ist auch erst mal längere Zeit ein klassisches Entführungsdrama mit Polizeiarbeit und ähnlichem, dabei aber (verdammt) gut gespielt. Nach und nach entfalten sich dann die Konflikte und Abgründe immer mehr und mehr. Da tut dem Film auch die fürstliche Lauflänge von 2 ½ Stunden keinen Abbruch, da die Spannungsschraube immer mehr und mehr angezogen wird und dann einen Punkt erreicht, wo sie quasi auf Dauerspannung ist und jegliches Zeitgefühl verloren geht. Das sind dann Szenen wie man sie zum Beispiel aus David Finchers „Zodiac“-Verfilmung kennt, welcher übrigens auch mit Jake Gyllenhaal besetzt war, aber in einer völlig anderen Rolle.

So eine Entführungs- und Tätergeschichte mag für viele mit den Wendungen und Auflösungen stehen und fallen. Oft hängt es auch davon ab, wie früh der Zuschauer selbst dem Ganzen auf die Fährte kommt und wann die auf der Leinwand handelnden Kommissare. In diesem Fall sind mit Absicht hier und da Fährten mehr oder weniger offensichtlich gelegt und es wird dem Zuschauer ein Wissensvorsprung vereinzelt gegeben, die es dem Zuschauer so dann ermöglichen immer einen Schritt voraus zu sein bzw. etwas zu ahnen bevor es die Charaktere im Film können. Das ist aber nicht immer so der Fall und wenn dann ist oft die Absicht dahinter, die Spannung ein Stück weit für den Zuschauer zu steigern, wenn er sich darauf einlässt. Es kommt trotz allem auch mal zu den genre- oder besser gesagt filmtypischen „Fehlern“, dass eben eine Person mal nicht ganz nachvollziehbar oder in seinem Denken etwas behäbig agiert, besonders darf dabei die Polizeiarbeit etwas in Frage gestellt werden, die bei gründlicher Arbeitsweise auch hier und da sich einiges hätte ersparen können. 

Das Ensemble des Films ist bis in die Nebenrollen sehr gut besetzt und jeder kostet die Vorlage bei so einer Thematik mehr als aus. Heimlicher Star ist dabei ganz klar Jake Gyllenhaal. Mit so kleinen Dingen, wie einem dauerhaft, obsessiven Blinzeln, zieht er den Zuschauer, trotz bei seiner weiten nicht vorhandenen Unfehlbarkeit als Charakter in seinen Bann. Einer der bei den kommenden Preisverleihungen eine große Rolle spielen könnte und eigentlich sollte. Man könnte sich nur streiten, ob nun nur als Nebendarsteller oder Hauptdarsteller, wobei zweiteres gemessen am Film nur nachvollziehbar wäre, aber er dann wohl bei der Konkurrenz in der Kategorie droht unterzugehen. Ähnliches gilt für Hugh Jackman, der aber vielleicht die etwas undankbarere Rolle hat, die schnell einen Wandel durchleben muss und dann auf einem gewissen Handlungsniveau stecken bleibt und erst gegen Ende eine Art Läuterung erfährt. Aber auch hier ist das Spiel gerade zu elektrisierend. Und das sind nur die beiden Hauptdarsteller. Ein Terrence Howard zum Beispiel, auch wenn nur verhältnismäßig wenige Szenen, hat in diesen große Höhepunkte. Die Schauspielergilde muss dieses Schauspiel ernsthaft für ihren Ensemblepreis in Betracht ziehen. Das ist schon ungemein gut, was Villeneuve da an Darstellern zusammen bekam und was er aus ihnen herausholt. 

Getragen wird das Ganze von einem sehr ruhigen und sensiblen Score von Johann Johannsson und den Bildern von Kameragenie Roger Deakins , der hier überraschenderweise nur in Breitwand gefilmt hat, anstatt Cinemascope, aber zum Beispiel viel mit Regen und Licht spielt und so auch beispielsweise einer der aufregendsten Autofahrten bei Regen auf Zelluloid bzw. die Festplatte bannt.

Fazit:
Intensives, spannendes und aufreibendes Kino. Eines der Highlights dieses Kinoherbstes. Superb gespielt, gibt es nur Abzüge in der B-Note für eine zu formelhafte erste Hälfte und ein paar zu große dramaturgische Konstruktionen. Tendenz stark steigend.

8 / 10

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