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Kritik:
Projekt X
Die Party, von der du niemals zu träumen wagst


von Christian Mester

PROJECT X (2012)
Regie: Nima Nourizadeh
Cast: Thomas Mann, Kirby Blanton

Story:
Um endlich als cool zu gelten, veranstaltet der halbstarke Costa (Oliver Cooper) eine Hausparty für seinen schüchternen besten Freund Tom (Thomas Mann): Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst. Eine Party, zu der schlichtweg jeder eingeladen wird, und jedem erlaubt ist, noch weitere Gäste mitzubringen. Als plötzlich hundertmal soviel Gäste wie erwartet erscheinen, droht ein Desaster - oder die beste Party ever...

Kritik:
Es ist der Traum eines jeden Außenseiters in der Schule: einmal eine Party schmeißen, zu der alle kommen, die einen sonst keines Blickes würdigen. Dass einem die älteren Coolen erstmals respektvoll zunicken, dass die Mädels gern vorbeisehen und - besser noch - sich lüstern auf einen stürzen; dass krasse Ereignisse Erinnerungen für spätere gemeinsame Geschichten schaffen und am nächsten Tag dann endlich alles anders ist. Der Freifahrtschein zur Anerkennung, zum Selbstbewusstsein, zum Coolsein... bestenfalls auch aus der lästigen Jungfräulichkeit.

In Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst sieht Schüler Tom diese Fantasie plötzlich umgesetzt - im Extrem. Es kommen nicht die erträumten Hundert, es kommen weit über tausend Gäste zu seiner Party, die zum Michael Bay der Hausparties zu werden droht. Es erscheinen nicht nur Mädels, viele von ihnen springen gar nackt in den Pool; es wird randaliert, verwüstet und Zeug in Flammen gesteckt - und spätestens wenn die gerufene Polizei wieder abrücken muss, weil sie der Meute nicht Herr wird, ist Toms Legendenstatus godlike - er schafft eine Party, auf der sich 50 Cent wohlfühlen würde. Das heißeste Mädel seiner Schule schleift ihn gar ins Schlafzimmer und der angesagteste Junge lässt draußen seinen Namen feiern - so weit, so gut. Die Party nimmt ihren Lauf und fällt so aus, wie der andernorts nie eingeladene Tom es sich immer vorstellte. Dem Konzept kommt die gewählte Found-Footage-Optik sehr zu Gute, die Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst wie ein Spin-Off Chronicles aussehen lässt und dokumentarischen Charakter entwirft. Man hat so sehr das Gefühl, mittendrin zu sein, dass man glatt mit anstoßen könnte.

Das Trio hinterlässt anfangs einen eher wenig zufriedenstellenden Eindruck, da Tom und seine beiden Freunde nur wenig Charisma ausstrahlen, keine brauchbaren Hauptfiguren abgeben. Als Stifler-Imitat ist Costa laut und aufdringlich, aber nervig statt sympathisch, nach Klischee F gibt es einen dicken Freund, dem keiner zutraut, eine Frau abzukriegen, der aber die Ausstrahlung einer Zimmerpflanze behält und keinen zweiten Jonah Hill emporholt. Einzig Tom fällt durch seine zentrale Rolle näher ins Auge, jedoch bleibt die Kamera auch bei ihm extra auf Abstand, um es nie zu persönlich werden zu lassen. Der Film, der ohne Wendungen oder Handlungsabzweigungen auskommt und sich von den Einladungen bis zum Abbruch der Party linear aufbaut, ist, als Hangover-Verschnitt mit 17jährigen gesehen, ein Fehlschlag. Neben brauchbaren Figuren fehlt es an lustigen Szenen, Sprüchen und filmhaften Elementen wie die Penetration eines Apfelkuchens. Obgleich alles für Muttersöhnchen Tom selbst überkrass ist, ist es das generell eher nicht - die Party ist wild und destruktiv, für regelmäßige Besucher größerer Parties und Festivalbesucher allerdings eben nicht der absolut unfassbare Ausnahmezustand. Was dem Film ebenfalls fehlt: Herz. Wo ein Superbad und ein American Pie neben derben Sprüchen und Ekel-Spaß Emotion besaßen, hat das Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst lediglich Promille.

Erst nach der Hälfte wird dann allmählich bewusst, dass es gar nicht mal um die Figuren und die Intensität der Party geht, sondern um diese und Toms aufkommende Selbsterkenntnis. Ihm macht der Abend Spaß, aber es dämmert ihm, dass er das nicht ist. In der Folgezeit des Films wäre er weiterhin der liebenswerte Außenseiter, nicht der tätowierte, coole Partygänger, der mit dem Quarterback beim Eimersaufen mitmacht und die Cheerleader-Pyramide durcharbeitet (auch wenn er in der Party munter alles ausprobiert). Er mag nun öfters gegrüßt werden und den Mumm gewonnen haben, auf einer Party selbst mal einen roten Becher mit Bier aufzutreiben, doch er bleibt der liebenswerte, harmlose Typ, der mit Familien-Van statt Musclecar zur Schule fährt. Dies fasst der Film überraschend gelungen, auch ist der unscheinbare Wandel des unsicheren, dann übermutigen, dann bangenden, dann gefassten, später erwachseneren Toms ein Erfolg.
Interessant ist, dass Regisseur Nourizadeh niemals zur elterlichen Moralkeule greift und das Sodom & Gomorrha in Teilen oder im Ganzen verdammt: egal ob die Kids Ecstasy schlucken oder mit Papas Auto in den Pool fahren, egal ob die Jungs den Mädels bloß an die Wäsche wollen, der Film lässt ihnen die jugendliche Naivität und Unbekümmertheit, den Spaß, so zu feiern. 17 zu sein (inwiefern der Zuschauer das Verhalten beurteilt, ob man es schulterzuckend gutheißt oder Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst als kritische Vorbildsgeschichte - nach US-Veröffentlichung gab es übrigens einige Nachahmer-Partys mit hoch Verschuldeten, Verletzten und auch Toten - sieht, muss jeder für sich empfinden). Aus Sicht der Kamera sind sie nicht schlecht, leben bloß in einer anderen Welt, in die Tom nicht gehört. Schade ist, dass diese Erkenntnis äußerst subtil bleibt und mit einer kleinen Love-Story verknüpft wird, die leider recht holprig integriert ist. Sieht man das nicht, mag der Rest schnell wie ein neunzigminütiges Musikvideo wirken, aus dem der Star-Rapper herausgeschnitten wurde und in dem sich drei Halbstarke mit Erstaunen zwischen Bitches und Party verlaufen haben. Die Regie an sich macht einen soliden Job damit, das Geschehen stets gut einzufangen, deutlich zu machen, wo und wann man gerade ist. Musikalisch fällt der Film jedoch deutlich ab - wer sich eindrucksvolle Teenfilmklassikmusik vom Format eines Don't You (Forget About Me), wenn auch in Dubstep oder anderem angesagten Stil, erwartet, Fehlanzeige. Project X ist ein Film des Moments, keiner Zeit.

Fazit:
Projekt X - Die Party von der du nicht zu träumen wagst ist eine kleine, als Party-Zelebrierungsgeschichte getarnte Jugendgeschichte, die als leerer, kurzweiliger Abendspaß für beide Interessenseiten funktionieren dürfte. Wer Partys gern wilder mag, grinst über den ausgelassenen Spaß (brennende Hecken und Metallica) und holt sich gar Inspirationen; wer anders tickt, erlebt einen nicht uninteressanten kleinen Einblick, der aber leider zu oberflächlich bleibt und mehr hätte sein können, mehr hätte sein müssen. Gemeinsam haben beide, dass Projekt X - Die Party von dessen elendig langem Untertitel du nicht träumen magst Kaugummi ist: okay, aber nicht wirklich lecker, kaubar aber schlecht verdaubar. Hat man Lust drauf, her damit.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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