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Kritik:
Real Steel


von Christian Westhus

REAL STEEL (2011)
Regie: Shawn Levy
Cast: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly

Story:
Im Jahr 2020 sind ferngesteuerte Kampfroboter, die im Ring gegeneinander antreten, der absolute Publikumshit für die Massen und haben Boxen mit realen Menschen abgelöst. Der ehemalige Boxer Charlie Kenton versucht nun als Robo-Lenker sein Geld zu machen, jedoch mit wenig Erfolg. Der egoistische Charlie steht kurz vor dem Ruin und dann wird ihm auch noch sein 11-jähriger Sohn Max aufs Auge gedrückt, den Charlie wenn überhaupt nur als finanzielle Absicherung sieht. Als der technikbegabte Max einen alten Sparringsroboter auftreibt und sich in den Kopf setzt, ihn zum Kampfroboter zu machen, wendet sich das Blatt.

Kritik:
Wo ist Sylvester Stallone, wenn man ihn zur Abwechslung mal braucht? Genosse Sly dürfte sich hier nämlich abgesehen von der übertechnisierten Umsetzung pudelwohl fühlen, funktioniert „Real Steel“ doch insgeheim wie zwei seiner Filme. Wir haben den Underdog, der in einem Kampfwettbewerb eine Chance erhält, mit dabei natürlich eine Frau – nicht ganz so wichtig – und der väterlich befreundete Trainer. Und weil aus der Grundformel von „Rocky“ irgendwann „Over the Top“ destilliert wurde, mit Sohn statt Freundin und Trainer, sowie Armdrücken statt Boxen, fasst „Real Steel“ all diese Komponenten zusammen. Nur eben mit Robotern, die einander auf die Rübe hauen. Ein Film fürs ganz große Publikum, für Familien, die den Aufstieg des kleinen Mannes (und Roboters) gegen die große Übermacht verfolgen und bejubeln. Derartige Underdog-Storys funktionieren nicht nur in den USA, obwohl der Film nimmermüde den viel zitierten American Dream heraufbeschwört und tief verinnerlicht hat. Es ist der Glaube an familiären Zusammenhalt, an die eine Chance im Leben, die man nutzen muss und die sich mit viel Fleiß, Anstrengungen und Aufrichtigkeit zum Guten wenden lässt. Ein Optimismus-Panorama, einseitig heroisierend und überschwänglich bis zur Ohnmächtigkeit. 

Man muss kein beinharter Zyniker sein, um davon einen leichten Brechreiz zu bekommen. Genauso wenig braucht es einen weltfremden Naivling, um sich von der „Vater, Sohn und Roboter“ Geschichte um den Finger wickeln zu lassen. Dafür macht Shawn Levys Film mit seinem berechenbaren Script zu viel richtig und dafür ist das ganze Roboter-Brimborium viel zu harmlos, als dass man alle Viere von sich strecken müsste, um vom optimistischen Kitsch und Pathos nicht verschluckt zu werden. „Real Steel“ ist ein unterhaltsamer Gute-Laune-Film, dem natürlich auch bewusst ist, auf welch ausgetretenen Wegen er sich inhaltlich bewegt. Mit Hugh Jackman hat man dann auch einen Charmebolzen größten Kalibers zur Unterstützung, der die bisweilen durchaus (und erfreulich) ruppige Figur des Charlie Kenton jedes Mal wieder auf den Boden der Tatsachen holt, wenn er droht, den Bogen mit übereifrigen Fehlentscheidungen und Wutanfällen zu überspannen. Da unterzeichnet Charlie mal eben einen lukrativen Deal seinen Sohn betreffend. Ein Monster, möchte man schreien, doch Jackman macht mit seinem „Ach, komm schon“ Dackelblick selbst dem stärksten Robo weiche Knie.

Wesentlich schwerwiegender da vielleicht schon die Grundprämisse, denn die Sache mit dem Roboter-Boxkampf will nicht so recht funktionieren. Die Dinger sind natürlich eh nur Mittel zum Zweck, das Ausdrucks- und Verbindungsmedium für die brüchige Beziehung zwischen Vater und Sohn. Entsprechend nimmt man die ziemlich ansehnlich und schnittig gemachten Blechhaufen immer besser an, je mehr man bei Charlie und Sohnemann Max involviert ist. Bisweilen fehlen jedoch Spaß und Logik, warum ausgerechnet solche Kämpfe reales Boxen als Massen-Gewaltspektakel abgelöst haben. Wenn man schon technologisch hochgerüstete Kampfmaschinen hat, dürfen die gerne auch ein bisschen mehr zeigen, als Sprünge und Schläge. Die Albernheiten rund um Anstand und Regelwerk der auch im Untergrund florierenden Kämpfe nehmen mitunter urige Formen an. Es passt einfach nicht zusammen und wahrscheinlich wäre ein Flammenwerfer hier, eine Schweißgerät dort und eine versteckte Kreissäge im Anschlag von Vorteil gewesen, die Roboter-Kämpfe nicht nur als ferngesteuerte Videospiel-Sequenzen eines streng reglementierten Boxkampfes zu erleben. Die Kämpfer kosten ja nur Geld, ohne Blut, Schmerz und echtes Leben. 

Der alte, klapprige und längst vergessene Sparringsroboter verkörpert natürlich all das, was den Underdog ausmacht. Mit Dickköpfigkeit und Liebe wird er wieder flott gemacht und mischt bald bei den ganz Großen mit. Doch im Prinzip fiebern wir mit Atom nur mit, weil sich in ihm sowohl Vater als auch Sohn spiegeln. Charlie sitzt selbst vergessen in der Patsche, als ehemaliger Beinahe-Champion im echten Boxsport, nun abgebrannt, glücklos und hoch verschuldet. Und Max ist der vergessene Sohn, vom Vater als Wertgegenstand behandelt, von Verwandten nur als Kind-Trophäe gewollt, die man sich in den Schrank stellt, von allen unterschätzt und nicht ernst genommen. Diese beiden Persönlichkeiten werden im sagenhaften Aufstieg des kleinen Robos lebendig und sorgen dafür, dass zumindest der Blech-Held im Ring irgendwie von Belang ist. Anders geht es ja auch nicht, wenn man den Kisten schon kein eigenes Leben einhaucht. Atom ist kein Wall-E. Auf der Gegenseite natürlich die eindimensionale böse Macht, in Form eines Konzerns, eines Designers und eines übermächtigen Super-Roboters, gegen den angeblich kein Kraut gewachsen ist. Dass es bald heißt „Atom vs. Zeus“ dürfte kaum überraschen, denn sobald Atom das erste Mal in den Ring steigt, kann man die Geschichte quasi mitsprechen. 

Technisch legt sich Shawn Levy bei den Kampfszenen durchaus ins Zeug, die zumeist per Motion-Capture Verfahren animierten Blechklopper wirken im Ring glaubwürdig real und sind im Kampf durch Publikumsjubel, Sounds und Jackmans Gebrüll auf den totalen Dröhn-Effekt getrimmt. Mit aller Macht soll der Radau mitreißend sein und ist das unerhörterweise häufig auch. Dass Charlie alles, was er am Steuermodul macht, auch für die ganz Langsamen noch mal verbal erklärt, stört irgendwann. Kostet doch nur Zeit. Auch gehen mit dem kleinen Max bald schon die Pferde durch, als sich erste Erfolge einstellen und der kleine Lausbub einfach mal übereifrig Millionäre und Publikum natzt. Der Erfolg steigt dem Jungen, der ja sonst nichts hat (*schnief), schnell zu Kopf. Nebenbei noch ein paar Nebenhandlungen, damit es auch so richtig schön menschelt. Kevin Durand unterhält mal wieder als grimassierender Fiesling, Anthony Mackie ist als unwichtiger Kumpel sympathisch genug, Hope Davis als Alternativmama für Max glaubwürdig genug. Sie alle spielen eigentlich keine wirklich große Rolle. Ebenfalls nett und überzeugend Evangeline Lilly als Charlies Pendant zu Rockys Adrian, auch wenn sie irgendwann nur noch das TV-Gerät anschreit. 

Den Hauptteil übernehmen Charlie, Max und Atom, die ganz in der Tradition von „Over the Top“ im LKW unterwegs sind, ihre persönlichen Probleme irgendwie ansprechen und wohl auch lösen werden, bis die ganz große Bewährungsprobe bevorsteht. Da fühlen wir uns dann an selig-alberne „Rocky IV“ Zeiten erinnert, die hier zu einem emotional überdrehten und herzlichen Ganzen vermengt werden. So sympathisch wie naiv; so unterhaltsam wie unoriginell. Aber berechnende Familien-Unterhaltungsabenteuer können auch ganz schnell ganz finster aussehen, weshalb man für diesen schmerzfreien Pausensnack fast schon dankbar sein kann.

Fazit:
Ein wenig origineller Mix aus „Rocky“, „Over the Top“ und Roboterfilm XY, der mit seiner eigentlich banalen Vater-Sohn-Geschichte gar nicht erst versucht, Neues zu erzählen. Aber Hugh Jackman ist sympathisch wie immer, die übrigen Darsteller sind auch nicht schlecht, die Kämpfe sind technisch tadellos und so ist man mit etwas Glück vielleicht sogar emotional dabei.

5 / 10

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