hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Real Steel
- Stahlharte Gegner


von Christian Mester

REAL STEEL (2011)
Regie: Shawn Levy
Cast: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly

Story:
Charlie (Hugh Jackman) ist ein herunter gekommener Robo-Boxer, der regelmäßig Wettkämpfe verliert. Er stiehlt alte Ersatzteile von Schrottplätzen und baut sich notdürftig Kämpfer zusammen, die nie lange halten. Als er einmal mehr vor seinen Gläubigern flieht, erhält er eine überraschende Nachricht. Die Mutter seines Kindes Max kam bei einem Unfall ums Leben. Charlie kreuzt widerwillig zur Sorgerechtsfrage auf und will nichts mit dem Kind zu tun haben. Als er jedoch sieht, dass ein Verwandter, der Max' Sorgerecht haben möchte sehr wohlhabend ist, bietet er diesem an, für 100.000 Dollar eine Weile auf den Jungen aufzupassen. Geld, dass der ständig mittellose Charlie dringend benötigt.

Vater und Sohn halten anfangs nicht viel voneinander. Charlie hält ihn für eine Last, Max seinen Vater für einen gefühlskalten Versager. Sie werden zu einem Team, als Max ihm zeigt, dass er sich mit Robo-Boxing auskennt. Charlie nimmt ihn auf seine Wettkampf-Tour mit. Gemeinsam finden sie einen neuen Kampfroboter namens Atom, der die seltene Funktion hat, Bewegungen nachzuahmen. Charlie hält ihn für einen nichtsnutzigen weiteren Verlierer, doch Max überzeugt ihn vom Gegenteil. Atom ist kein besonders guter Kämpfer, jedoch in der Lage, ungeheuer viel einzustecken. Mit Atom bezwingen die beiden zahlreiche Gegner, bis eines Tages ein Titelkampf gegen den ungeschlagenen Champion Zeus ansteht.

Kritik:
Während der sechste Auftritt Wolverines noch immer auf sich warten lässt, meldet sich Hugh Jackman in dieser Woche mit einem Sportfilm zurück. In Real Steel - Stahlharte Gegner geht es um die wohl meistverfilmte Sportart: den Boxsport. Im Gegensatz zu bekannten Themenfilmen wie Rocky, Million Dollar Baby und The Fighter ist Shawn Levys Film jedoch ausnahmsweise weit in der Zukunft angesiedelt. Jackman spielt einen ehemaligen Boxer, der mittlerweile nur noch indirekt kämpft. Anstatt selbst in den Ring zu steigen, steuert er einen massiven Kampfroboter per Fernsteuerung, der sich mit anderen Bots prügeln darf.

Die futuristische Handlung basiert auf der Kurzgeschichte Steel von Richard Mathison, der auch schon die Vorlage für Will Smiths I Am Legend schrieb. Obwohl das grundlegende Konzept boxender Roboter zunächst albern erscheinen mag, überraschte Jackmans Film bereits in den USA und begeisterte die Zuschauer. Der Film kam sogar so gut an, dass schon von einem zweiten Teil gesprochen wird. Einen berechtigten Grund zur Skepsis darf man zweifelsohne haben: Regisseur Shawn Levy inszenierte mit Filmen wie Nachts im Museum, Voll verheiratet und Im Dutzend billiger bislang lediglich seichte Familientitel. Ob es ihm gelang, Real Steel zu einem packenden Knockout zu verhelfen?

Blechwarrior
So neuartig Robo-Boxing im Film Real Steel erscheinen mag, ist es letzten Endes bloß eine Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Sports. Im Robot Wars Turnier kämpfen Väter und Söhne bereits ebenfalls mit gebastelten Robotern gegen die Bots anderer Teams. Im Vergleich zu denen im Film sind die gegenwärtigen simpelste Maschinen, die eher an etwas bessere ferngesteuerte Autos erinnern. Die High-Tech-Roboter im Film sind dagegen menschenähnlich, rund drei Meter groß und äußerst beweglich, womit die Kämpfe gleich wesentlich interessanter werden. Die Maschinen sind ein Highlight des Films, da sie alle eigene Charakteristika haben und sich in den Kämpfen jeweils unterschiedlich verhalten. Die Roboter wurden mit viel Liebe zum Detail entworfen - so ist jeder von ihnen mit unzähligen Schrammen und Abnutzungserscheinungen übersäht.

Die Kämpfe selbst sind sehr actionreich inszeniert. Levy schafft es dabei, das Gewicht und die Kraft der Maschinen gut zu vermitteln. Dass die Maschinen einen hervorragenden Eindruck machen, ist der Wahl zu verdanken, dass man sich nicht zu sehr auf CGI verlassen hat. In den dynamischeren Szenen griff man zwar weitestgehend zum Computer, doch die extra für den Film gebauten Animatronics sorgen dafür, dass sie greifbar und authentisch wirken. Die Robo-Boxkämpfe sind unterhaltsam, insbesondere im spannenden Finale, das nicht von Ungefähr an Stallones Kultfilm Rocky erinnert.

Iron Men
Insgeheim geht es Levy wie Stallone nicht bloß um Action. Im Mittelpunkt stehen Selbstfindung und verlorene Zugehörigkeit, denn beide Hauptfiguren müssen zu sich selbst und zueinander finden. Die gemeinsame Arbeit an den Wettkämpfen schweißt sie zusammen und das angeknackste Familienbild fügt sich zwischen Kolben und Transistoren. In den Hauptrollen überzeugen Hugh Jackman und seinem Filmsohn Dakota Goyo, die toll harmonieren und sich ständig Kontra geben. Jackmans Figur wird als starrköpfiger Macho vorgestellt, der auf eine exakte Junior-Fassung seiner selbst trifft. Dass auch die emotionalen Momente funktionieren, ist ihrem Spiel zu verdanken, dass es nie zu kitschig wird, dem zurückhaltenden Drehbuch.

In weiteren Rollen sind Kevin Durand aus Legion, Evangeline Lilly aus Lost und Bond-Bösewicht Karl Yune aus Stirb an einem anderen Tag zu sehen. Sie alle spielen jedoch nur unwichtige Randfiguren und fallen demnach nicht weiter auf. Dies ist besonders schade hinsichtlich des Bösewichts, der nahezu nichts sagt, nur kurz auftaucht und damit völlig identitätslos bleibt. Ebenso unauffällig ist der Score von Meisterkomponist Danny Elfman, der hier fast vollständig von Songs von Limp Bizkit und anderen Bands übertönt wird.

Rocky Botboa
Wie die meisten Sportfilme durchläuft auch Real Steel das selbte altbekannte Muster. Underdogs kämpfen sich von tief unten herauf, holen sich ersten Respekt und stellen sich später einem überlegenden Gegner. Levys Sci-Fi-Sportfilm weicht davon nicht ab, womit der Verlauf und der Ausgang der Geschichte schon früh absehbar wird. Es ist aber nicht ohne Grund eine oft kopierte Struktur, da sie immer wieder funktioniert. Auch hier fiebert man mit, wenn ein zutiefst angeschlagener Atom ausgezählt wird und sich mühsam doch noch wieder auf die Beine hievt. Während eine Love-Story gänzlich außen vor bleibt, drückt der Film jedoch kräftig - und mit Erfolg - auf die Tränendrüse.

Was Real Steel am Ende von der nachhaltigen Wirkung eines Rocky abhält, ist das letzte Quentchen Feingefühl. Levy streckt sein bisher eher geringes Talent und liefert seinen bisher besten Film ab. Real Steel bleibt jedoch immer sehr kurzweilig. Ruhige Momente gibt es nur wenige, und bis auf die gelungene Vater-Sohn-Geschichte erscheint alles andere oberflächlich und knapp abgearbeitet. Dementsprechend dürfte es schwierig werden, einen vergleichbar unterhaltsamen zweiten Teil zu gestalten, da das beste am ersten - die aufkeimende Freundschaft der beiden - dann nicht mehr das Thema sein kann..


Fazit:
DeJa Vu? Real Steel - Stahlharte Gegner ist ein Amalgam aus drei bekannten Sylvester Stallone Filmen. Man nehme den Roboter aus Judge Dredd, Rockys Sportart und die Vater-Sohn-Geschichte aus seinem Armdrücken-Epos Over the Top. Das Ergebnis ist kein neuer Rocky, aber ein durchaus unterhaltsamer, rührender und auch gut gemachter Sci-Fi-Sportfilm.

7 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich