hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Resident Evil 5:
Retribution


von Christian Mester

RESIDENT EVIL: RETRIBUTION
(2012)
Regie: Paul WS Anderson
Cast: Milla Jovovich, Sienna Guillory

Story:
...

Kritik:
Vier Filme ist die Resident Evil Reihe bisher stark, das allerdings... nicht allzu stark, denn abseits einer durchaus passablen ersten Hälfte des Ersten endeten alle Vier als maue Sci-Fi-Horror-Actioner mit belangloser Sci-Fi, ineffektivem Horror und angestrengt auf spektakulär versuchten, aber nur selten überzeugenden Actionszenen. Ohnehin ein Grauen für jeden Oldschool-Fan der ersten Spielvorlagen, schien jede Entwicklung gleichgültig: ob durch eine horrible Sienna Guillory, Extinctions fader Mad-Max-Verschnitte oder 4's unspektakulärer Jovovich-Klonarmee - nichts konnte Andersons Schöpfung davon abhalten, mit jedem Teil noch erfolgreicher zu werden und damit noch einen weiteren, statt eines Endes oder einer kreativen Neuausrichtung zu erwirken.

Dabei sind die Filme im Ansatz kein völliges Versagen: gefüllt mit zahlreichen interessanten Elementen der laufenden Spielreihe, sind Ideen darunter, die auf ein, zwei Weisen funktionieren könnten. 1 bewies, dass der spannende Ansatz bei all den Untoten, Mutationen und Mysterien funktionieren kann; stattdessen aber entschied man sich für Extravaganza-Action im Stile der Matrix-Filme. Das jedoch, ohne ein Gespür für gutes Action-Timing oder brauchbare Helden zu entwickeln (die zuweilen soliden Actionszenen in Aliens vs Predator und Mortal Kombat scheint Anderson hier verlernt zu haben). Emotionsleere? Selbst nach 4 Filmen kann man Hauptaktrice Alice noch immer nicht charakterisieren oder einordnen, da sie bloß blanke Kriegeramazone ohne Sinn oder Ziel, auch ohne Spaßempfinden bleibt. Fast brauchbar wären unterschiedliche Identifikationsfragen, da man oft nicht weiß, wer wer ist, wer auf welcher Seite steht, wer Original oder Klon ist, und wer von den Dezimierten längst nicht das letzte Mal gesehen ward. Während 5 am generellen Allerlei weiterhin nichts ändert und bei Schusters Rappen bleibt, nimmt es sich die letzte Idee und wirft sie im Wahn lachend im Kreis: alles geht.

Die unsinnige Eröffnung des dritten Films - eine Klon-Alice wacht in einem Nachbau der Teil-1-Umgebung auf, wird durch Waffentests geschickt und stirbt; Ziel? man will herausfinden, wodurch in ihren Genen Superkräfte entstehen... oder irgendwie so - wird in 5 nun zum ganzen Filminhalt gemacht, denn Alice darf dieses Mal durch gleich mehrere bekannt aussehenden Level, in denen die gleichen Kreaturen wie schon zuvor zum Duell auftauchen - vom Hirnrindenlutscher bis zum Kartoffelsackmann mit der Riesenjäte. Wieder wird sich also in Zeitlupe abgeseilt, durchgekloppt und Magazine in Slow-Motion geleert; zwar alles in allem wieder ein klein wenig aufwendiger und teurer als im Vorgänger, doch nach wie vor will das gesamte Actioninferno einfach nicht mitreißen oder großflächig unterhalten - was nach wie vor an den unsäglich uninteressanten Charakteren liegt.

5 nimmt da sogar eine ambitionierte Sonderrolle ein, da neben neuen Gesichtern (Ada Wong, Barry Burton, Leon Kennedy) nun völliger Salat aufkommt: zuvor Böse (Albert Wesker) sind nun gut, zuvor Gute (Jill Valentine) böse, zuvor Tote (Rain Ocampo, Carlos Olivera) dank Klontechnik wieder zurück, und zuvor anwesende (Claire+Chris Redfield) nicht mehr dabei. Um es noch etwas verwirrender zu machen, gibt es darüber hinaus Klone von Guten, die nun böse sind, mitunter aber gleichzeitig gut existieren, sodass Michelle Rodriguez beispielsweise gleich in drei Rollen zu sehen ist. Wo sich nun ein Christopher Nolan gen der Möglichkeiten die Finger reiben mag, macht Paul WS Anderson wie erwartet nichts daraus: es bleibt belanglos, wer wann wie auftaucht, was gesagt wird oder worin es endet, denn letzten Endes ist es wieder nur emotionslose, spaßlose Dauerballerei mit aussageloser* Regie. Zu befürchten war es, zu erhoffen nicht; wirklich enttäuschend ist folglich nur der neue Score von tomandandy: nachdem ihre Musik zum Vierten noch merklich hervorstechen konnte, ist sie hier nichts Besonderes mehr.

*Oder ist es das?  Zynische Stimmen könnten unterstellen, die Tatsache, dass die Figuren im Filmuniversum immer wieder neu geklont werden, der Überkonzern Umbrella scheinbar nie zu schlagen ist und es merkwürdigerweise dann doch immer wieder relativ ideenlos und qualitätsarm zur Unterhaltung des Publikums mit gleichen Gesichtern fortgeht (in diesem Film gibt es sogar Figuren von einem Massenfertigungsband), sei Andersons leise Hollywood-Kritik, dass ein einmal etablierter Franchise niemals ruhen kann und endlos immer neue, aber gleiche Hürden bewältigen muss, und dass der Stoff prinzipiell auch hochwertig sein könnte, er aber extra als göttliche Bestrafung derart veranstaltet wird. Kämpft Milla eigentlich gegen das obligatorische kommende Remake an? Oder ist ein Stoff manchmal so offensichtlich einsilbig, dass man illusorisch verzweifelt, einen tieferen Sinn zu halluzinieren? Es wäre alles augenscheinlicher, wäre Andersons Die drei Musketiere nicht tatsächlich amüsant gewesen. Rätsel, die zu denken geben.

Fazit:
Mochte man die Filmteile 2-4, so wird man Resident Evil 5 vermutlich lieben. Mehr Budget - mehr Action, alles mehr oder größer: so gibt es dieses Mal gleich zwei Axemen und einen noch größeren Licker. Mit ehrfürchtiger Konsequenz schließt Anderson an seine Erfolgsreihe an und liefert präzise, was trotz Fragwürdigkeit gefragt ist, so wie schon Bay aus Transformers 3 das machte, was sich Mehrfachfans von 2 gewünscht hatten. Wie bei Bay trotzt Anderson mit eiserner Kontinuität sämtlicher Kritik Außenstehender, die die Resident Evil Originalspiele, oder generell die Potentiale der Reihe sehen und erwägen, dass man durchaus gute, spannende, unterhaltsame oder spektakuläre Filme draus machen könnte. Sie sind es weiterhin nicht.

3,5 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich