BG Kritik:

Rick & Morty: Staffel 1


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

Diese Kritik erschien im Rahmen der Kritikenreihe 'Treasure Monday'. Was ist 'Treasure Monday'?

Rick & Morty (USA 2013 - ?)
Erfinder: Dan Harmon, Justin Roiland
Cast: Justin Roiland, Chris Parnell, Sarah Chalke, Spencer Grammer

Story:
Supergenie und Erfinder Rick erlebt mit seinem Enkel Morty verrückte Abenteuer mit Robotern, Aliens und interdimensionalen Wesen.

„Zurück in die Zukunft“ für die Generation von „South Park“, „Spongebob“ und „Adventure Time“. Oder so ähnlich.

Als britischer Region 2/B Import erhältlich.


Film kann nahezu alles, Fernsehen kann zunehmend mehr, doch wahre Grenzenlosigkeit beweist ein ums andere Mal die Animationskunst, egal ob in Kurz- oder Langform. Zur Abwechslung muss man mal nicht bis Japan schauen, um hautnah miterleben zu können wie kreative Menschen ihren voll entfesselten Einfallsreichtum ausleben. „Rick & Morty“ begann, als Dan Harmon, Erfinder der Sitcom „Community“, von eben dieser Serie entlassen wurde. Er traf auf Justin Roiland, einen Synchronsprecher (u.a. „Adventure Time“), der schon längere Zeit seine Idee einer grellen, wilden und unberechenbaren Version von „Zurück in die Zukunft“ an einen Sender verkaufen wollte. Harmon und Roiland fusionierten ihre Ideen, fügten ein Sitcom-artiges Familienszenario hinzu, aus den Doc Brown und Marty McFly Parodien wurden Opa Rick und Enkel Morty, und schließlich fand man auf Adult Swim, der etwas erwachseneren Nachtausgabe von Cartoon Network, einen Abnehmer. Innerhalb weniger Folgen wurde die erste Staffel „Rick & Morty“ zu einer kreativen Sensation.

Harmon und Roiland (der Rick und Morty mit faszinierend eigenwilligen Stimmen ausstattet) fackeln mit ihrem Autorenteam jede Folge mehr Ideen ab, als andere Serien in einer gesamten Staffel unterbringen. Natürlich aber schoss auch „Rick & Morty“ von 0 auf 100 innerhalb der ersten Folge. Der Pilot ist noch nicht der ganz große Wurf. Die Querverweise sind noch etwas plump, die Ideen noch etwas bodenständiger, der Humor noch etwas derber und dominanter, statt clever-vulgär und hintersinnig, wie in späteren Folgen. Die Pilotfolge ist noch genau das – die Einleitung von Figuren, Konzept und Stil. Wenn unsere Helden, mit ihren eigenartigen schwarzen Farbkleksen im Auge, einen fremden Planeten erkunden, um an ganz besondere Pflanzenkerne zu kommen, könnte man „Rick & Morty“ noch für einen Hybriden aus „South Park“ und „Futurama“ halten, was so oder so schon ein großes Kompliment ist. Genie Rick, der Alkoholiker, Enkel Morty, ein vierzehnjähriger Teenager und zumeist emotionaler Waschlappen, Star Trek Anspielungen hier, quasi-sexuelle Anzüglichkeiten dort – alles noch nicht vollständig ausgereift. Doch bald schon betreten Dan Harmon und Justin Roiland Welten, die selbst „South Park“ zu absurd wären und nehmen sich Themen an, die selbst in „Futurama“ zu groß und komplex waren.

Roiland inszenierte 2015 einen Couch Gag für die Simpsons.


Zumeist sind die Episoden zweigeteilt. In der Haupthandlung erleben Rick und Morty ein Abenteuer, während in den mal größeren, meistens kleineren Nebenhandlungssträngen die üblichen Familienmitglieder ihre überwiegend bodenständigen eigenen Abenteuer erleben. Obwohl jede Episode für sich steht, etabliert sich schnell eine Kontinuität der Ereignisse, insbesondere in der Ehe von Mortys Eltern, Jerry und Ricks Tochter Beth. Fast schon kann man sich bildlich vorstellen, wie Dan Harmon und Justin Roiland vor, nein, in ihrer kunterbunten Ideenwühlkiste sitzen und selbst überwältigt sind von der Grenzenlosigkeit ihrer Idee. So ist auch Folge #2, mit der etwas forcierten (und mehrfach betonten) „Inception“ Parodie, die zu einer „Nightmare on Elm Street“ Parodie wird, noch eher Spielerei. Es scheint passend, dass die familiäre Familienhandlung mit dem Haushund deutlich interessanter ist. Im Anschluss ist Folge #3 erneut eine Parodie, eine grelle, verrückte und surreale Version von „Die Reise ins Ich“, doch schon die Kombination mit anderen Elementen der Popkultur zeigt, dass Querverweise und Anspielungen auch mehr sein können als nur ein rhetorischer Wink mit dem Zaunpfahl. Doch der eigentliche Reiz von „Rick & Morty“ hat wenig mit Umkehrungen und grotesken Versionen popkultureller Welten zu tun, als vielmehr mit den radikal ins Extrem gedachten High Concept Geschichten späterer Folgen.

Obwohl es in der Pilotfolge schon zur Handlung gehört, spielt „Rick & Morty“ seinen effektivsten Trumpf erst etwa zur Halbzeit aus. Mit Ricks Erfindungen kann man schon praktisch alles machen und durchspielen, auch den Weltraum mit fremden Planeten und den dazugehörigen Bewohnern. Doch die unendlichen Weiten des Weltalls werden um eine unendliche Anzahl hochgradig absurder Paralleldimensionen erweitert, die nicht nur unendlich viele Versionen von Rick & Morty beinhalten, sondern auch … na ja, eben alles, was man sich nur irgendwie vorstellen kann. Eine Folge, in der Rick einen Dimensionsreceiver ans Fernsehgerät anschließt und so TV-Sendungen aus anderen Dimensionen empfangen kann, spielt diese Grenzenlosigkeit schon einmal durch und dennoch hat man damit noch nicht mal die Hälfte dessen gesehen, was hier möglich ist. Da werden die ganz großen, existentialistischen Fragen in einem kleinen Randgag rausgehauen, wenn z.B. ein Frühstücksroboter die Leere seiner Existenz erkennt.

Ab Folge #5 ist quasi jede weitere Folge ein absoluter Homerun. Helferfiguren gehen an der Unerfüllbarkeit eines Auftrags zu Grunde, ein Sex-Roboter hat unerwartete Zusatzfunktionen, Satan höchstpersönlich tritt auf, und nach „Rick & Morty“ braucht es nie wieder eine Geschichte über Liebeszauber, denn hier wird dieses Konzept schrill und überdreht in die n-te Dimension gedacht und lässt uns mit einem dieser unerwartet emotionalen und mental kaum zu verarbeitenden Schläge in die Magengrube zurück, zu der diese Serie in regelmäßigen Abständen immer mal wieder fähig ist. Der Schlüssel zum Erfolg sind nämlich nicht nur die Grenzenlosigkeit der Ideen und Konzepte, sondern auch die Figuren. Dem ewig rülpsenden Rick und dem schüchternen Morty kommen wir durch ihre Abenteuer erstaunlich nahe. Das Ende von Episode #10 wirkt wie der Auftakt zu einer epischen, mehrteiligen Saga, als sei Captain Picard plötzlich ein Mitglied der Borg, doch „Rick & Morty“ lässt damit nicht mal die Staffel enden, denn Episode #11 ist mit seiner interdimensionalen Party auf der Erde ganz zentral daran gelegen, die faszinierend komplizierte Psyche von Rick Sanchez, dem klügsten Menschen des Planeten, weiter zu ergründen.

Fazit:

Was anderen Serien innerhalb von zwei, drei Staffeln gelingt, gelingt „Rick & Morty“ innerhalb weniger Episoden. Grenzenlose Kreativität, verrückter Humor und große Ideen, die tatsächlich Spuren hinterlassen.

9 / 10

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