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KRITIK:

ROBIN HOOD


von Christian Mester

ROBIN HOOD (2010)
Regie: Ridley Scott
Cast: Russell Crowe, Cate Blanchett

Story:
Als Soldat Robin Longstride (Russell Crowe) sich eines Tages mit Verbündeten aus einer Schlacht entfernt, stößt er unterwegs auf einen Hinterhalt, in dem der Edelmann Robin von Locksley tödlich verletzt wurde. Robin schwört dem Sterbenden, dessen Schwert seinem Vater zu übergeben. Sie plündern die Toten, reisen zurück nach England und reiten zur kleinen Stadt Nottingham um ihr Versprechen zu halten. Indes droht Unheil, denn der durchtriebene Sir Godfrey (Mark Strong) inszeniert eine Invasion der französischen Armee…

Blanchetts Marian sollte erste von
Sienna Miller gespielt werden

Kritik:
„Gladiator II“? Das dürfte man sich in Folge der erfolgten Trailer und Previews wohl am ehesten erwarten, da der Film unweigerlich spezielle Vermutungen auslöst. Regisseur und Hauptdarsteller aus dem erfolgreichen und Oscar prämierten Meisterwerk „Gladiator“ (10/10), beide gemeinsam vereint in einem neuen aufwendigen Epochenfilm über mutige Krieger, Armeen und wackeren Heldenmut.

Was das mit dem Mythos Robin Hood zu tun hat? Nicht viel. Es gibt zwar eine kleinere Szene, die daran erinnert, doch Scotts Film ist eigentlich nur Prolog der eigentlichen berühmten Robin Hood Geschichte. Crowes Figur landet sogar erst kurz vor Abspann als Gesetzloser in den Wäldern; an dem Punkt, an dem Hoods Legende beginnt, endet der Film. Eigentlich müsste er demnach „Robin Hood Begins“ oder gar „Robin Longstride“ heißen, da er keineswegs von der Legende des gutherzigen, charmanten Räubers erzählt, dessen Folklore mit Kevin Costner verfilmt wurde und die heutzutage jeder kennt. Das muss aber nicht stören, da der gewählte Prolog inhaltlich ebenfalls interessant ist.

Scotts Film kostete angeblich sogar weit über
200 Millionen Dollar

Es ist eine typische Heldengeschichte. Hood selbst und seine Freunde sind anfangs noch irrelevante niemande, die sich später der großen Verantwortung annehmen, ganz England vor der Invasion der fürchterlichen Franzosen zu bewahren. Wie Maximus ist auch Hood ein bodenständiger, ehrlicher Kerl und großartiger Kampfgefährte, den seine Leute bewundern und der mit besten Absichten ein tolles Vorbild abgibt. Das Problem ist, dass Hood im Vergleich zu Sandalenträger Maximus ein relativ langweiliger Recke ist. Maximus hatte seine geliebte Familie, seinen besten Freund und seinen Stand als angesehenen General verloren. Er hatte viel erleiden müssen und war ein aufgebrachter, gebrochener, emotionaler Charakter, der sich von Grundauf ein letztes Mal hoch kämpfen musste. Hood dagegen ist einer von vielen, der durch Zufall überaus wohlhabend wird und sich erst später bei drohender Gefahr, dieses wieder zu verlieren, erhebt. Zwar faselt er den ganzen Film über immer wieder von einer speziellen Phrase, die sein Leben berühren soll, doch bis zur letzten halben Stunde ist er ein stumpfer, unbeweglicher Klotz, dessen Rolle über lange Strecken ähnlich gut von einem Sack Mehl gespielt werden könnte (Crowe ist nicht schlecht, aber schrecklich starr und monoton, was an der gewählten, dominierenden Bescheidenheit Hoods liegt). Enttäuschend: war der Soundtrack in „Gladiator“ maßgeblich bewegend und großartige musikalische Darstellung der aufbrausenden Emotionskaskaden, ist die Untermalung hier allenfalls okay, nie bewegend.

Erst nach gut 100-110 Minuten wacht Crowe aus seinen Spinnweben auf und zeigt sich urplötzlich als mitreißender Redner und gewitzter Kriegsstratege (auch wenn es an jener Stelle schier unsinnig ist, dass der dahergelaufene Vagabund Hood königliche Armeen anführt) (Orlando Bloom war in „Königreich der Himmel“ (8/10) übrigens merklich besser, nicht wesentlich, aber merklich). Andere Charaktere sind besser, aber recht einsilbig und kommen zu kurz. Cate Blanchett kann nur wenig zeigen, Strong spielt nach „Kick-Ass“ und „Sherlock Holmes“ erneut den finster dreinblickenden Bösewicht (gut, jedoch droht er allmählich, auf diese eine Art Rolle festgelegt zu werden) und Kevin Durand („Legion“) kommt als lustiger Little John wie auch der zuweilen funktionierende, eingestreute Humor selbst wesentlich zu knapp. Schwach ist der Darsteller des Königs John (Matthew MacFayden), der als jämmerliches Würstchen Faust fuchtelnd überhaupt nichts gebacken kriegt
.

Dass es erst in der letzten halben Stunde wirklich aufwühlend wird, liest sich wie zuvor erfolgte Langeweile; gewiss nicht. Ridley Scott greift hier maßlos in die Vollen und macht seinen „Robin Hood“ zu einem stetig dynamischen Riesenepos, das sich abwechslungsreich von Schlacht zu königlichen Konflikten zu bäuerlichen Kleinproblem begibt und in allen Gefilden zu unterhalten weiß. Der Film selbst ist nicht so öde wie seine zentrale Hauptfigur; ständig wechselt Scott zwischen verschiedenen Parteien, bleibt trotz 140 Minuten Lauflänge immer bei Tempo. Er verhaspelt sich dabei allerdings zuweilen, da die unterschiedlichen Interessen des englischen Königs, des französischen Königs, des Verräters, der erzürnten Barone und Bauern ein wenig durcheinander kommen und trotz kulminierender Schlacht etwas suboptimal ausbalanciert wirken.

Die Ausstattung ist schier gewaltig. Burgen, Festungen, Kriegsschiffe, Landschaftsszenerien; mit überragendem Auge fürs Detail schreckt Scott vor nichts zurück und schafft ein ungemein genaues, bildgewaltiges Panorama-Zeitfenster in die (dank Altersfreigabe un)blutige Epoche der Ritter. Gab es in „Gladiator“ noch ein eher weniger überzeugendes CGI-Kolosseum, gibt es hier gewaltige Bauten und Myriaden an Statisten, die das Zeitalter der Knappen und Mägde berauschend ins Leben rufen. Feuchte Füße für jeden Fan vollblutiger Feudalfilmkunst, der hinsichtlich fehlender historischer Authentizitätswerte aber besser ein Auge zudrückt.

Trotz erbrachter visueller Perfektion trifft das fehlende Mitreißen der Hauptfigur ins Nichts. Einen Großteil der Handlung über ist Hood ein so laues Vakuum, dass die Vakanz seiner Gefühle ein schleichendes eigenes aufkommen lassen: „Robin Hood“ ist kein Spielfilm. „Robin Hood“ ist eine dieser Dokumentationen, in denen geschichtliche Ereignisse professionell nachgestellt werden. In diesem Fall zwar mit 200 Millionen Dollar und großartigem Talent hinter der Kamera, doch die fehlende Passion, die Leere der Grundstory lässt nur auf Sparflamme folgen. „Robin Hood“ hätte das Zeug dazu, an große Klassiker wie „Braveheart“ oder auch „Spartacus“ anzuschließen, doch insgesamt wirkt der Film wie eine extrem professionelle, beeindruckende, aber leidenschaftslose Kopie, als habe ein Roboter versucht, den typischen Heldenerfolgsfilm-Klassiker 1 zu 1 zu kopieren, ohne am Ende verstehen zu können, was das wirklich Besondere an Filmen wie diesen ist. Nun mag ein schwacher Scott automatisch noch über vielen anderen Produktionen stehen, doch bedenkt man verfügbares Potenzial und dahin ziehendes Alter des post-70jährigen, darf man schon ein wenig enttäuscht sein.

Fazit:
Das neue Scott/Crowe Spektakel ist technisch und visuell ein umwerfendes Bildnis besagter Epoche, taugt als Film jedoch weniger. Er erweckt das Gefühl eines einführenden Vorspanns, der anschließend Lust auf einen zweiten, eigentlich ersten Teil macht. Der wäre dann sicher unterhaltsamer, da Crowe dann A) tatsächlich Robin Hood wäre und nicht Robin Longstride oder Robin von Locksley, die er den ganzen Film über darstellt und B) Crowe dann von Anfang an mit Biss dabei wäre und nicht nur im letzten Viertel der Handlung. Eine klare Empfehlung für jeden Fan von Ritterfilmen, doch Obacht: das einzige, was einen hier im Saal berührt, ist der Kinosessel.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

Trivia:
- Scotts und Crowes vierter Film nach "Gladiator", "American Gangster" und "Ein gutes Jahr"
- DVD-Fassung wird 17 Minuten länger sein
- im ursprünglichen Konzept sollte Crowe sowohl Hood als auch den Sheriff von Nottingham spielen; Hood wäre in dem ursprünglichen Konzept eine Art Terrorist gewesen
- Produzenten baten um eine 3D-Fassung, doch Scott lehnte ab
- Scott und Crowe würden bei Gelegenheit gern einen zweiten Teil nachschieben
- Contender für die Hauptrolle: Christian Bale
- Crowe ist der älteste Schauspieler, der jemals Robin Hood spielte
- die erste Marian war Sienna Miller, doch als sie aus Termingründen nicht teilnehmen konnte, fragte man Kate Winslet. Als sie ablehnte, fragte man Cate Blanchett. Wahl Nr3 wäre Rachel Weisz gewesen


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