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Kritik:
The Roommate


von Christian Mester

THE ROOMMATE (2011)
Regie: Christian Christiansen
Darsteller: Leighton Meester, Minka Kelly

Story:
Saras (Minka Kelly) neue Zimmergenossin Rebecca (Leighton Meester) scheint zunächst noch harmlos zu sein, entpuppt sich dann jedoch als gemein gefährliche, schizophrene Geistesgestörte, die Sara obsessiv für sich beansprucht.

Kritik:
Sollte das Konzept obsessiver, mörderischer Mitbewohnerinnen verdächtig bekannt vorkommen, mag es daran liegen, dass man es so schon ein- oder zweimal gesehen hat. 1992 gab es genau dieselbe Story im Film "Weiblich, ledig, jung sucht...", in dem eine junge Bridget Fonda von einer vermeintlich freundlichen, aber in Wahrheit gefährlich psychopathischen Jennifer Jason Leigh drangsaliert wurde. Der einzige Unterschied zwischen beiden Filmen ist 2011, dass Bridgets Figur damals in der Stadt wohnte und es hier nun um ein College-Dorm geht, ansonsten ist der ganze Aufbau, sind sogar ganze Szenen übernommen - ein hippes Remake für die nächste Generation? Kennt man sich ein wenig aus, wird das Prozedere noch suspekter: 2008 gab es "Obsessed", einen ebenfalls scheinbar eigenständigen Film, der bei näherem Hinsehen lose Kopie eines anderen Films war: "Verhängnisvolle Affäre" von 1987. Beides Remakes des Studios Screen Gems, die darüber hinaus auch noch die (offiziellen) Remakes von "Unbekannter Anrufer", "Prom Night" und "Stepfather" ins Kino brachten. Allesamt PG-13 Neuauflagen, die auffällig ohne Blut, nackte Haut und meistens auch ohne echte Highlights auskamen. "Stepfather" hatte immerhin einen soliden Hauptdarsteller, "Unbekannter Anrufer" einen stimmigen Einstieg, "Obsessed" einen guten Idris Elba. Wirklich empfehlenswert war jedoch bislang keiner dieser Filme, weswegen man sich beim Gedanken an ein weiteres Screen Gems PG-13 Remake berechtigte Sorgen machen durfte.

Dass der Film nicht gut enden kann, wird schon nach wenigen Minuten klar. Hauptdarstellerin Minka Kelly ("Friday Night Lights") spielt hölzern und langweilig und killt somit früh jegliches Interesse am Überleben ihrer Figur. Schlimmer wird es noch, stellt man ihr einen Freund zur Seite: den blassen Sixpack-Beau Cam Gigandet ("Twilight"), der hier noch weniger als in "Burlesque" schauspielen darf. Er langweilt als perfekte Boyfriend-Vorstellung junger BRAVO-Leserinnen, da er in einer Band spielt, wie aus Stein gemeißelt ist, keinen Sex will, ansonsten kaum redet und nur dafür da ist, zuzuhören. Für das Zielpublikum mag es eine tolle Rolle sein, für einen Film nicht.

Nun hat man also zwei uninteressante Nichtsnutze von Hauptfiguren, die wohl oder übel irgendwann einmal auf Leighton Meester treffen müssen. Spaßstartschuss? Mitnichten. Obgleich Meester (nicht mit dem Kritiker verwandt) noch das Beste am Film ist, gibt sie keine gute Gegnerin ab. Die anderen Screen Gems Teen-Horrorfilme konnten da noch Passables liefern - selbst die reine Telefonstimme aus "Unbekannter Anrufer" war gelungen - doch Meester hat nichts, was sie als interessante Psychopathin ausmachen würde. Sie macht nichts gerissenes (sie droht jeden von Saras Freunden, nicht mehr mit ihr abzuhängen), ist keine faszinierende Persönlichkeit (nur biestig) und als halbe Portion auch keine ernsthafte Bedrohung im direkten Kampf. Wenn sie zuschlägt, reißt sie entweder Bauchnabelpiercings raus oder sticht hinterrücks zu, doch Meester wirkt nie ernsthaft gefährlich, eher nervig; eine hysterische Superzicke, die ihre Tage ihrer Meinung nach im "Shining"-Format hat (soll heißen, sie überdramatisiert überzogen). An ihre Peformance wird man sich nicht erinnern - nur daran, dass sie unheimliche Ähnlichkeit mit ihrem Gegenüber hat - sie und Minka Kelly sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Da schauspielerisch nichts zu holen ist, bleibt der Blick auf den Rest. In Nebenrollen tauchen Billy Zane ("Das Phantom") und Nina Dobrev ("The Vampire Diaries") auf, wirken aber beide so, als würden sie jederzeit frustriert das Handtuch werfen wollen. Zu Recht, denn der dänische Regisseur Christian Christiansen macht stellt nichts an, um irgendwas zu retten. Der Film sieht 0815 aus, ist musikalisch austauschbar untermalt, bietet einen völlig absehbaren Plot, der für keinen Moment lang Spannung aufkommen lassen könnte und endet alles in einem lachhaft actionreichen Finale, das irgendwo zwischen ziemlich schlecht und abzuraten anzusiedeln ist. Wirklich überraschend ist abschließend nur, dass der Film zwar wie ein liebloses, hastig zusammengeklatschtes Teen-Produkt aussieht, er dafür aber kaum mit bekannten Popsongs ausstaffiert ist und sich auch das Product Placement sehr in Grenzen hält.


Fazit:
Wehe wenn das Tamponband reißt - ein Psycho-Terrorstreifen für das Miley Cyrus Zielpublikum. Ideal für einen schaurigen Pyjamaabend aufgeregter 13jähriger Mädchen, außerhalb der Zielgruppe jedoch fraglos zu vergessen.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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