Kritik:
Rounders
von
Christian Mester
ROUNDERS
(1998)
Regie: John Dahl
Darsteller: Matt Damon, Edward Norton
Story:
Mike (Matt Damon) ist Jurastudent und begnadeter
Poker-Spieler, der nach langer Auszeit wieder zum Einsatz kommen muss,
als sein alter Poker Partner (Edward Norton) aus dem Gefängnis
zurückkehrt und wieder spielen will. Während seine
Freundin mit der
Rückkehr zum möglichen Risiko nicht auskommt,
weiß Mike nicht,
ob er seiner Vernunft gen Jura, oder seiner Leidenschaft gen Poker folgen
soll...
Kritik:
"Rounders" mag mit der Thematik der Kartenspiele einen
Thriller erwarten lassen, doch im Grunde ist es ein
anderes, bekanntes Muster, das hier durchlaufen wird - das des
Sportfilms.
Anders als bei "21" mit Kevin Spacey, der Thrillerelemente beinhaltete,
geht es hier um die Rückkehr eines alten
Veterans einer Sportart, der es noch einmal wissen will,
daraufhin abschmiert und sich mit letztem Mut an ein wichtiges
Turnier setzt, das alles entscheiden soll. Im Gegensatz zu vielen
anderen Sportfilmen
fällt das jedoch ohne größeres
Spektakel aus - es gibt keine Horde jubelnder Fans, keine Reporter,
nicht einmal professionelle Casinos, keine großen
Verletzungen, keine motivierenden Trainingsmontagen, keine Fanfaren.
Damon
pokert im Texas
hold em gegen Leute aus Bars, gegen Polizisten und
Schmalspur- kriminelle, die ihm eines Tages zum Problem werden. Obwohl
es
dabei einen Moment gibt, in dem Damon alles verliert und ihm handfeste
Gewalt angedroht wird, erreicht es niemals die Brenzlichkeit, die Jim
Sturgess in "21" erlebt. "Rounders" bleibt auf dem Boden, will zwar
fesseln, jedoch keine Spannung erzeugen. Durch die Reduzierung auf das
Wesentliche
stehen somit die Charaktere verstärkt im Vordergrund,
worin der Film dank guter Besetzung durchaus gelungen punkten kann.
Hauptdarsteller Matt Damon
erinnert in seiner Rolle sehr an sein gefeiertes Debüt in
"Good Will Hunting", da er ähnliche Konzentration und
Sympathie an den Tag legt und seinen Mike zu einem nicht unbedingt
vorbildlichen, aber charismatischen Spieler macht, dem man bei seiner Pokerstrategie
gern zusieht und zuhört; etwa, wenn er seine Vorgehensweisen
beschreibt oder seine Runden analysiert. Ebenfalls gut ist Edward
Norton als krimineller Partner, der als notorischer, ungeduldiger
Trickbetrüger mit Damon harmoniert und es glaubhaft wirken
lässt, sie seien langjährige Freunde. Da
ihre
Rollen unterschiedliche Zukunftsperspektiven haben, ist es immer wieder
interessant zu sehen, wie sie aneinander geraten und mit den
Konsequenzen des anderen leben müssen. Abgerundet wird das
tolle Darstellerteam von einem wie immer exzellenten John Malkovich als
russischen Mobster, sowie von John Turturro und Martin Laundau in
netten kleinen Nebenmomenten.
John Dahl, den man vor allem
für seinen äußerst spannenden Thriller "Joy
Ride" kennen sollte, lässt "Rounders" klein, aber
gemütlich aussehen. Er geht sehr dynamisch mit den Dialogen um
und sorgt dafür, dass es nie langatmig wird - auch wenn
kleinere Momente, in denen Damons Figur mit seiner schlecht genutzten
Freundin spricht, merklich schwächeln. Das Highlight des Film
sind selbstredend die Pokerszenen, wobei sich "Rounders" in diesen
maßgeblich von "21" unterscheidet: während es bei
"21" um Kartenzählen, Betrug und Mathematik geht,
geht "Rounders" sein Kartenspiel anders an: Damon zählt zwar
auch mit, liest seine Gegner aber durch verräterische Mimik
und Gestik und setzt vor allem im finalen Duell auf ein rein legales
Mittel - seine Auffassungsgabe. "Rounders" ist ein Film, der
Spaß macht und dazu führen kann, dass man am
liebsten selbst gleich drauf lospokern würde.
Fazit:
„Rounders"
ist ein gemütlicher Poker-Film, in dem des Kartenspiel
interessant und spannend eingesetzt wird und sich Damon, Norton und
Malkovich fesselnde Duelle liefern.
6,5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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