BG Kritik:

Sabotage


von Christian Mester

Sabotage (US, 2014)
Regisseur: David Ayer
Cast: Arnold Schwarzenegger, Sam Worthington, Mireille Enos

Story:
John Wharton (Arnold Schwarzenegger) ist Leiter eines kompromisslosen Einsatzkommandos, das der Albtraum jedes Hausmütterchen ist. Übereifrig und sadistisch, hält sein beinhartes Squad wenig von Vorschriften oder Schuhe abputzen. Als sie zusammen eines Tages einen Riesenhaufen Zaster veruntreuen, sinkt die allgemeine Alterserwartung plötzlich: Eingeweihte scheinen auf einmal an akuter Kugelitis zu sterben. Wharton steckt sich eine neue Zigarre an und lädt nach...



Hauptsache Bodycount: Der neue Schwarzenegger will vor allem der blutigste Film seiner Karriere sein. Ist er das - und falls ja, genügt das?

Arnold macht als nächstes Terminator 5


Sabotage ist ein gut gemeinter Versuch. Ein Versuch David Ayers, einen packenden neuen Polizeithriller wie seine Harsh Times, Training Day, Street Kings und End of Watch (geschrieben oder inszeniert) zu machen, und vom Ex-und-bald-wieder Terminator, sich nach dem seichten The Last Stand mit Johnny Knoxville mit einem seriösen Film "für die alte Garde" zurückzupositionieren. Blut und Ego statt Kaffeekomödie mit Ben Stiller, knallharte Kerle statt kaltalte Knalltüten.

Der Ansatz ist sicherlich gefragter als Junior 2, wieso das Resultat nicht fassen will, ist schwer verständlich. Eigentlich kann Ayer das doch. Ayer ist jemand, der sich ausschließlich im gleichen Metier aufhält und darin immer wieder vorzeigbare Sachen bringt. Training Day hat sogar Oscars gewonnen. Sabotage krankt auch gar nicht an Konzept, sondern nur an der Ausführung.

Der Look des Films ist potthässlich. Wie bei End of Watch entschied man sich für eine faux-realistische Mittendrin-Kamera, die Echtheit vermitteln soll. Als Actionkamera ist sie fraglos schlecht geführt. Vergleichen kann man das etwa mit der Eröffnungssequenz aus Ein Quantum Trost oder dem Johnny Depp Gangstermurks Public Enemies. Die Captain Phillips Kameraschule fühlt sich glatt gekentert. Intensiver beeinträchtigt es die Bildqualität. Schon bei End of Watch musste man schwere Abstriche hinnehmen, aber da ging der Verzicht auf, da die Handlung relativ intim bei den Hauptcharakteren blieb und der Einblick in ihre Zivilleben positiv auf die Figurenbindung einwirkte. In Sabotage gibt es generell nur unsympathische Clowns, von deren Familienleben wir nichts erfahren, weil sie meist auch keins haben. Sam Worthington, Joe Mangianiello und Sawyer haben unterschiedliche... Bärte und Frisuren, das wars. Intimer wird da nur die Erkenntnis, dass man die Leute nicht mag und der Film zuweilen diversen DVD-Actionern ähnelt.

Arnold will nach Möglichkeit auch noch Conan 3 hinkriegen


Auch eine Gruppe schmieriger Killer kann natürlich prima als Figuren herhalten, aber da ist Ayers Feder weder Tarantino, noch interessante Betrachtung kaputter Psychen. Arnolds Team wirkt wie The SHIELD in moderat: entweder ausdrucksarm, wie Terrence Howards Sugardaddy Sugar oder gezwungen kirre wie Mireille Enos' drogenaffine Überkillerin, die das Testosteron aller Kollegen mit Zwangsjackenfieber zu kompensieren versucht. Sie wirken nicht wie Vertraute, nicht kompetent genug, als dass man sie weiterhin Einsätze machen ließe und nicht charismatisch genug, um die zweite Filmhälfte tragen zu können. In den relativ wenigen Actionszenen spritzt eine Menge Blut, aber mit der Intensivität Drives, der Coolness Dredds oder der Choreographiekunst The Raids hat Sabotage leider nichts gemein.

Der erste Teil mit Standardeinsätzen ist noch recht passabel, allerdings will Sabotage dann dramatisch werden. Wenn unsympathische Langweiler plötzlich sterben, fällt es schwer ihnen nachzutrauern, und da sie ohnehin nicht wie Freunde erscheinen ist es wirkungslos, richten sie ihre Waffen panisch auf einander. Ayer hat einen ordentlichen Showdown parat, der der schwachen Verräterauflösung nicht viel entgegen zu setzen hat. Äußerst langweilig ist Olivia Williams als Ermittlerin und Love Interest, die sich mit Wharton einlässt, um ihn bei der Killersuche zu helfen. Arnold war in seinen ersten drei Auftritten seit der Rückkehr lustig, aber schauspielerisch deutlicher schwächer als in den Filmjahren davor. In Sabotage wirkt er treffsicherer. Mit Shia LaBeoufs Pomenaden-Haarschnitt aus Lawless, Dreitageschatten, Tätowierungen und Dauergrimmigkeit kann er sich ganz gut zurückfinden, sodass man statt Arnold die Figur Wharton registrieren kann. Er wirkt zudem fit und lässt keinen Zweifel dran, dass er als gealteter T-800 in Terminator 5: Genesis (Start: Sommer 2015) schon voll und ganz überzeugen wird.

Sabotage ist aber kein guter Film und weniger unterhaltsam als The Last Stand, unschön, unspektakulär und generell nur bedingt zu empfehlen. Arnold-Fans dürfen aber reinsehen und wenn man sich auf ihn allein konzentriert, kann man zumindest mit ihm recht zufrieden sein. Ob der Film für ihn ein guter Schachzug war, lässt sich schwer sagen. "Ob Schwarzenegger noch Leute ins Kino locken kann?" war hinsichtlich des Gewaltgrads ein Irrsinn, und mit dem 100 Mio+ Einspiel von Escape Plan längst geklärt. Wenn es aber beweisen sollte, dass Arnold körperlich noch kann, wäre das vollbracht.

Fazit:

Die Beastie Boys haben nach wie vor das coolere Sabotage. Der neue Schwarzenegger ist ein deftiger Polizeithriller, für den man seine Erwartungen besser runterschraubt. Nicht die sympathischsten Figuren, nicht die beste Action. Nicht schlecht, aber schwächer als The Last Stand.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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