hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Safe House -
Niemand ist sicher


von Christian Mester

SAFE HOUSE
Regie: Daniel Espinosa
Cast: Ryan Reynolds, Denzel Washington

Story:
Agent Matt (Ryan Reynolds) hat einen der langweiligsten möglichen Jobs in der CIA: er hütet ein Safe House in Südafrika, eins von zahlreichen geheimen Unterschlüpfen, die die Agentur benutzt, um besonders gefährliche Kriminelle zwischenzulagern. Als eines Tages Überläufer Frost (Denzel Washington) vorbeigebracht wird und kurz darauf ein Anschlag auf das House erfolgt, schnappt Matt sich den Gefangenen und flieht...

Kritik:
Deja Vu - Wettlauf gegen die Zeit. American Gangster. The Book of Eli. Der Entführung der U-Bahn Pelham 1-2-3. Inside Man. Der Manchurian Kandidat. John Q - Verzweifelte Wut. Unstoppable - Außer Kontrolle. Out of Time - Sein Gegner ist die Zeit. Antwone Fisher - die gesamte letzte Dekade von Hollywood-Veteran Denzel Washington darf man getrost in Gänze gesehen haben. Überdurchschnittliche Titel, in denen der geschätzte Leitwolf regelmäßig solide Leistungen gab. Ist man streng, stach nur einer der Filme als Topfilm hervor, ehe man bis zu seinem Oscar prämierten Auftritt in Training Day zurückgeht: Mann unter Feuer, 2004. Der Rest blieb seine Comfort Zone, sein persönliches Safe House. Grundsolide Storys, in denen Washington gut ins Licht gerückt werden konnte, die ihn selbst selten forderten - und damit schützten. In seinem neuesten Film sind die sogenannten Safe Houses zwar selbst alles andere als schützend, doch insgeheim fällt auch dieses ins eingelebte Washington-Schema.

Wieder einmal spielt er eine für ihn passende Rolle; Tobin Frost, einen ehemaligen Spitzenagenten, der vor Jahren die Seiten wechselte und seitdem unerbittlich gejagt wird. Ein berüchtigter Lehrmeister, der sogar Teile des CIA-Handbuchs korrigierte, ein legendärer Feldagent, ein gefürchteter Killer. Ein Mann, der Wasserfolter nicht nur ertragen kann, sondern auch noch die Nerven hat, den bereits gereizten Verhörspezialisten zu provozieren. Eine Rolle, die Washington versteht, die er mit üppiger Eleganz, Autorität und Authentizität spielt. Seinem Frost hört man zu, und man weiß schnell, dass er keine Waffe benötigt, um tödlich zu sein. Ein Killer ist sein Einsatz als Filmfigur jedoch nicht, denn was eine bemerkenswerte Figur hätte werden können, vergeht in einem oberflächlichen Script. Frost, der nur Nebenrolle bleibt, agiert maximal als MacGuffin des eigentlichen Helden, Schreibtischtäter Matt. Warum er genau gejagt wird und was passieren mag, wenn sein Geheimnis lüftet wird, bleibt auch nicht weiter wichtig - seine Figur damit nicht weiter denkwürdig. Das ist ihm zuweilen selbst zuzutragen, denn Washington bleibt zu gelassen, verlässt sich zu sehr auf seine Mimikkunst. Es ist zu wenig, um überschwänglich zu loben.

Damit ruht der schwere Anteil auf den Schultern Ryan Reynolds. Double-R, der öfters Pech mit Comic-Verfilmungen hatte (Blade 3, Green Lantern, der noch immer nicht kommende Deadpool Solofilm) gibt hier zunächst den verängstigten Bleistiftanspitzer, der dann in Stunden zum furchtlosen Neu-Bourne wird/werden muss. Reynolds legt sich mächtig ins Zeug und ist mit vorbildlichem Einsatz bei der Sache, hat aber konstant Schwierigkeiten, den einsilbigen Helden zu einer interessanten Figur zu machen. Hätte Reynolds eine Ausstrahlung vom Formate Washingtons, und Washington den aufgebrachten Ehrgeiz Reynolds, wäre Safe House glatt ein Jahreshighlight. Auch ist das Drehbuch ein Problem, denn beide Helden-(?)-Figuren sind nur eindimensional geschrieben. Der kaum anwesende Bösewicht fällt gar noch plumper aus, und die Handlungsentfaltung passiert so überschaubar, dass man, hat man denn schon ein paar ähnlich gelagerte Filme gesehen, schon nach fünf Minuten richtig erahnen kann, wie alles enden mag.

Was daraufhin jegliche Wertigkeit entscheidet, ist die Umsetzung. Hier punktet Safe House mit trockenen Handtüchern, denn Daniel Espinosa, der Washington-Busenfreund Tony Scott visuell beachtlich imitiert - die Milisekunden-Epilepsie-Schnittfolge glücklicherweise nicht übernehmend - schafft mit allen Bestandteilen einen angenehm treibenden Action-Thriller. Der drahtige Film besteht, abgesehen von kleineren Verschnaufpausen, primär aus Verfolgungsjagden. Gelungenen Verfolgungsjagden, in denen es ordentlich Blechschaden gibt, in denen jeder Treffer spürbar schmerzt, in dem jedes Einholen in blutigen und ungemütlichen Kampfszenen mündet. Wie in den neuen Bond-Filmen bleibt es stilistisch echt; da wird sich schnaufend auf dem Boden erwürgt, anstatt mit 'cool' anmutenden Martial-Arts-Einlagen Augenkino zu bieten. Die Action ist sehenswert, aber nicht ideal; schade ist, dass Washington und Reynolds, abgesehen von einander, nicht dazu kommen, gegen bekanntere Gesichter anzutreten; schwach ist, dass die Motivationen und Resultate der Actionszenen unausgewogen sind. So fällt es etwa schwer, weiterhin mit einem guten Polizisten mitzufiebern, wenn auch er plötzlich dazu neigt, auf Unschuldige zu schießen. Der Film begibt sich da fast auf dünnes Eis, da ihm der charakterliche Anspruch fehlt, das interessant zu verarbeiten - so wirkt es bloß ungemütlich. Der Score ist reiner Durchschnitt, dafür kann Safe House im letzten Atemzug noch mit lobenswerter Randbesetzung dienen: Vera Farmiga (Source Code), Brendan Gleeson, der neue Robocop Joel Kinnaman, T-1000 Robert Patrick, Sam Shepard; Predator 2-Kenner erkennen noch Ruben Blades. Keiner von ihnen hat tragende Rollen, manche mag man glatt übersehen, doch sie sind gute, gern gesehene Zusätze.

Fazit:
Safe House ist... sichere Unterhaltung, doch so wie es weltweit zahllose Safe Houses gibt, ist auch dieser ein Action-Thriller ohne größeren Wiedererkennungswert. Kurzweilig, kurzlebig.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich