home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum


 

KRITIK:

SALT


von Christian Mester

SALT (2010)
Regie: Phillip Noyce
Cast: Angelina Jolie, Liev Schreiber

Story:
Evelyn Salt (Angelina Jolie) ist eine hoch angesehene CIA-Agentin, die eines Tages einen russischen Gefangenen verhört. Dieser behauptet vor versammelter Mannschaft, sie sei eine feindliche Doppelagentin und plane insgeheim, den russischen Präsidenten beim aktuellen US-Besuch zu töten. Besorgt von den Aussagen des glaubwürdigen Informanten versuchen ihre engsten Kollegen (Chiwetel Ejiofor und Liev Schreiber), sie bis zur Klärung in Untersuchungshaft zu nehmen.

Salt flieht jedoch auf spektakuläre Art, taucht unter und verändert ihr Aussehen. Geschickt entgeht sie all ihren Verfolgern und jagt allein mutig hinter den geheimen Verschwörern her, bis sie selbst mit einer Pistole vor beiden Präsidenten steht. In einem Rennen gegen die Zeit sorgen ihre Taten dafür, die Zukunft der gesamten Welt zu beeinflussen.

Liev Schreiber wünscht sich,
in X-MEN ORIGINS: WOLVERINE II wieder dabei zu sein

Kritik:
Matt Damons Jason Bourne Trilogie hat zehnstellig eingespielt und darüber hinaus Gold gewonnen. Beste Ausrede für die Konkurrenz, es dreist nachzumachen. Mission: Impossible Star Tom Cruise persönlich sollte anfangs die Hauptrolle in dem sehr ähnlichen Salt spielen, bis er sich im letzten Moment kurzfristig doch noch lieber für Knight & Day entschied. Da das Projekt noch zu sehr nach Kopie aussah, verpasste man der Hauptrolle kurzerhand Brüste. Das Drehbuch vom Equilibrium Autor schrieb man dem neuen Geschlecht entsprechend um und so stülpte die neue Salt keine Socken mehr über Kameras, sondern, wie sollte es natürlich anders sein, ihre eigene Unterwäsche.

In Hollywood gibt es lediglich zwei bekannte Schauspielerinnen, die gern rennen, schießen und kopfüber an Fassaden baumeln. Da wäre Milla Jovovich, die seit dem 5. Element regelmäßig fachmännisch Männer und Monster zerlegt; Gamer kennen sie als Alice aus den Resident Evil Filmen. Die zweite und eigentliche Nummer eins ist aber natürlich Angelina Jolie, die nach Wanted, Mr & Mrs Smith und zweimal Tomb Raider selbstredend die erste Adresse für Filme wie diesen ist.

Angelina Jolie freut sich auf SALT 2,
will aber keinen WANTED 2

Wie zu erwarten war, macht Angelina als toughe Elite-Agentin glaubhafte Figur und überzeugt in ihrer fordernden Rolle. Die mittlerweile 35jährige klettert behände an Häuserwänden herum, springt über fahrende Autos und macgyvert sich schnelle Notlösungen, als gäbe es nichts Leichteres. Es ist kaum zu glauben, dass ihr erster Tomb Raider schon neun Jahre her ist. Regisseur Phillip Noyce, der vor Jahren den Serienkillerthriller Der Knochensammler mit ihr gedreht hat, inszeniert ihre vielen Action-Szenen abwechslungsreich und oftmals sogar übersichtlicher als beim großen Vorbild.

Das Tempo ist angenehm schnell und wird musikalisch gut untermalt, allerdings bleibt das Gefühl reiner Bubblegum-Kurzweil. Salt ist Fast Food Kino, das man schnell gegessen und noch schneller wieder vergessen hat. Etwas mehr Gewürz hätte dem Ganzen eine deutlichere Note verliehen, neben der Action verblassen Handlung und Charaktere. Im Vergleich zur dramatischen Identitätssuche Bournes weiß Miss Salt längst, wer sie ist, lässt uns im Gegenzug jedoch lange im Dunkeln. Nach ihrer halsbrecherischen Flucht distanziert sie sich auch noch, wodurch es schwierig wird, mit ihr mitzufühlen. Emotionen fehlen dem ganzen Film, in dem Jolie zeitweise auch mal gefühlte zehn, fünfzehn Minuten kein Wort sagt. Als Einzelkämpferin ist Lara Croft noch immer beeindruckend, doch ihre ungewohnte Kälte lässt nur schwerlich Spannung aufkommen.

Was ebenfalls fehlt, sind echte Gegenspieler. Chiwetel Ejiofor, der Mann mit dem Zungenbrechernamen aus Serenity und Vier Brüder, sowie Sabretooth Liev Schreiber spielen zwei Kollegen, die immer wieder tatenlos zusehen, wie Salt Dutzende ihrer Mitarbeiter erledigt. Der deutsche August Diehl, zuletzt gesehen als gefährlicher Nazi in Inglourious Basterds, tritt lediglich am Rande als Jolies Mann auf und ist verschenkt. Gegen Ende outet sich einer aus Salts näherem Umfeld als heimlicher Drahtzieher, kommt über Klischees aber nicht hinweg, zudem wirkt das Ende, das nachträglich nochmal neu gedreht wurde, zu vorhersehbar.

Visuell ist der Film bis auf Kleinigkeiten gut gemacht; einmal tarnt Salt sich als männlicher Soldat, sieht damit aber fast wie eine Holzpuppe aus Team America aus. Die Stunts und Verfolgungsjagden sind kompetent inszeniert, überzogene Action sollte man jedoch mögen. Salt springt zwar nicht wie das A-Team mit Panzern aus Flugzeugen, klettert und fällt aber, als gäbs für sie keine Falling Damage.

Fazit:
Jolies neuer Actionfilm ist ordentliche, kurzweilige Popcorn-Unterhaltung auf gehobenem Standard. Pfeffer ist beileibe genug drin, bei all dem Gewürz mangelt es stellenweise aber an Fleisch und Fett. Wer die Bournes kennt und mag, wird hinreichend unterhalten.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


Das Copyright der genannten Markennamen und genutzten Promotionsmaterialien
liegt bei den entsprechenden Besitzern. Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich.