BG Kritik:

San Andreas


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

San Andreas (US 2015)
Regisseur: Brad Peyton
Cast: Dwayne Johnson, Alexandra Daddario

Story: Roy (The Rock) ist ein erfahrener Hubschrauberpilot und Rettungsspezialist, der eines Tages das Unfassbare erleben muss: Die tektonischen Platten am San Andreas Graben, der quer durch Kalifornien verläuft, setzen sich in Bewegung und verursachen damit Erdbeben von nie da gewesener Zerstörungskraft.

Großes Katastrophenkino, mal nicht von Roland Emmerich.

Absurd


Wirklich schade drum, dass San Andreas keine Verfilmung des Spiels GTA San Andreas ist, aber bei diesen Machern wär das wohl ohnehin eher in schlechten Händen gewesen. Bei Peytons San Andreas tun sich Abgründe auf, und das nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes. Sein klassischer Erdbebenfilm im Stile von Filmen wie Erdbeben (1974) ist ein lahmer Vertreter der seltenen Gattung Katastrophenfilm. Massive Zerstörung als aufregendes Spektakel, Dwayne Johnson als vorbildlicher Retter, jede Menge Action und Spannung, oder gar zahlreiche gute ernste Momente, und schon hätte man passables Kino. Viel anders macht es der Emmerich ja selbst nicht. Also, was also könnte das Konzept erschüttern?

Leider so einiges. Bei so simplen Filmen sollte man meinen, dass selbst Kühe anständig Regie führen könnten, doch Peyton enttäuscht sicherlich die talentiertesten unter den Wiederkäuern. Der Film fängt zunächst brauchbar an, mit einer jungen Frau, die unglücklich verunglückt und von Johnson gerettet werden muss. In diesem Prolog ist sogar noch echte Spannung drin. Allerdings nur, weil die Darstellerin ihre Angst glaubhaft verkauft und weil das Ganze noch eine gewisse Intimität hat. Es passiert im kleinen Rahmen und hat somit noch echte Wucht. Anschließend dreht sich die Story dann nur noch um Roy, seine Exfrau (Carla Gugino) und seine Tochter (Alexandra Daddario), wie sie in dem einstürzenden CGI Kalifornien versuchen, noch vor dem Abspann wieder zueinander zu finden.

Die vielen einstürzenden Gebäude und Brücken sind technisch imposant in in Szene gesetzt, doch Peyton weiß das Gesamtgeschehen einfach nicht packend zu verkaufen. Alles kracht ein und rappelt, aber es kommen keinerlei Empfindungen auf. In der aufregendsten Szene des Films fliegt Johnson mit einem Hubschrauber unter einem einstürzenden Gebäude her. Vielleicht mag man verwöhnt sein, aber in Emmerichs 2012 und Bays Transformers 3 hat man da schon ähnliches gesehen, und man hat es da so viel besser inszeniert gesehen. Auch kann San Andreas nicht von sich behaupten, derartiges authentischer in Szene zu setzen: es sieht genau so künstlich aus.

Riesenerfolg in den USA, aber verdient?


Ansonsten gibt es bloß viele Hubschrauberszenen, viele Funkspruchphrasen a la „Haltet durch!“, ein wenig Gekletter und ein paar eilige Fluchten. Spielbergs Kampf der Welten war besonders gut darin, eine sehenswerte Familiendynamik inmitten des Chaos zu erzählen. Emmerich vermag das nicht so gut, doch ob es Jake Gyllenhaal in The World after Tomorrow oder John Cusack in 2012 als Protagonisten waren, sie hatten immerhin noch gewisse Grundsympathien zu bieten. Johnson reduziert sein gottgegebenes Charisma hier auf einen militärisch klingenden, harten Ton. Sein Retter bleibt stets unerschütterlich, gibt immer nur knappe Worte und geht strikt nach Handbuch vor. Das macht ihn zu einem recht unnahbaren Charakter, der sympathisch aussieht, aber nichts charismatisches macht oder von sich gibt. Wirklich bemerkenswerte Rettungsaktionen, selbstlose Einzelkämpfermomente oder schier unglaubliche Hindernisbewältigungen gibt’s keine. Rock ist einfach nur ein relativ neutraler Typ, der hier überdurchschnittlich emotionslos durchs CGI Trümmerland fliegt. Das wäre in Ordnung, wäre er als der Coole inszeniert, aber das macht Peyton nicht.

Vertan ist, dass man nichts aus dem verfügbaren Drama macht. Dass ringsrum tausende Menschen ihr Leben lassen wird keine Sekunde lang beachtet. Wie effektiv ist es beispielsweise bei Titanic zu sehen, was mit all den anderen passiert? Wichtiger als das ist sogar, dass wir mitkriegen, welche Auswirkungen das Erlebte auf die Hauptfiguren hat. Seine Frau und seine Tochter zu retten würde beispielsweise gleich so viel dringender wirken, würde er andauernd Leute sterben sehen. Für Roy müsste die Katastrophe sogar zum gewaltigen Dilemma werden, denn als hauptberuflicher Menschenretter kann er nicht einfach, wie er es im Film macht, unbeirrt und damit alles andere als vorbildlich zu seiner Familie fahren. Er müsste ständig den unbeirrbaren Drang verspüren, all den Menschen in seinem Umfeld das Leben zu retten, auch wenn es die Rettung seiner eigenen Familie verzögert. Das ist umso wirkungsärmer, weil wir gleichzeitig ständig gezeigt bekommen was mit den beiden ist, und abgesehen von sehr forcierten Rettungsmomenten kommen Mom und Tochter auch gut ohne Daddy aus. Auch kann Daddy nicht gerade mit beeindruckenden Rettungsmanövern oder sonstwie interessanten Skills überzeugen.

Betrifft ja nur die Vorstellung eines Films mit etwas mehr Children of Men Charakter, aber ein rein überzogener Fun-Blockbuster wäre natürlich ebenso willkommen gewesen. Wenn Peyton regelmäßig abwechslungsreiche, sehenswerte Gefahren für Roy in petto hätte, wenn einige der Nebencharaktere Spaß machen würden (wie Woody Harrelson in 2012), wenn es amüsante Money Shot Momente gäbe oder nie erlebte Über-Momente wie z.B. Furious Siebens diesjährige „mit Auto von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer“ Szene. San Andy hat aber nichts dergleichen und macht deswegen kaum Anstalten, mit den anderen diesjährigen Blockbustern zu konkurrieren. Es gibt zwar keine eklatant dummen Aufregermomente, und die meisten werden den Film zumindest mittelmäßig zufrieden verlassen, weil es eben keine offensichtlichen Hauptschwächen gibt, aber in einem so guten Blockbusterjahr wie es 2015 ist, muss einfach mehr drin sein. San Andreas ist reines Netflix „joar“ Heimkinoprogramm ohne Nachhaltigkeit.

Fazit:

Festhalten: San Andreas ist zu konturlos, zu spaßarm und zu einfallslos um als stumpfes Effektkino zu überzeugen, und zu grob inszeniert, zu emotionslos und zu farblos gespielt um in irgendeiner Form dramaturgisch mitzureißen. Da schlägt der Spaß-o-graph doch nur geringfügig aus, und gerade im Vergleich zu Johnsons Furious 7 ist sein neuer alles andere als gewaltig.

3 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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