Kritik:
James Cameron's Sanctum
von Christian Westhus
SANCTUM
(2011)
Regie: Nicht James Cameron -
Alister Grierson
Darsteller: Ioan Gruffudd, Richard
Roxburgh
Story:
Von einem Milliardär finanziert,
erkundet ein erfahrenes und
technisch gut ausgestattetes Team
von Tauchern und Kletterern ein weit
verzweigtes Höhlensystem. Als sich
ein Unwetter anbahnt, geraten sie in
entfesselte Naturgewalten und müssen
um ihr Überleben kämpfen.
Kritik:
„James Cameron’s Sanctum“ – So heißt
das Ding. Benannt nach Mister James
Cameron. Das erinnert an Zeiten, als
Quentin Tarantino sein zuletzt
gegessenes Frühstücksei vermarkten
konnte. Zuletzt gesehen von Quentin
Tarantino; Wertung nicht zwingend
erforderlich. So ist auch James
Cameron inzwischen – oder mehr denn
je – zur Marke geworden, als der
Mann mit „seiner“ 3D-Technik. Auch
wenn seine Beteiligung als Produzent
hier naheliegend ist, da er ja
bekanntlich ein Faible fürs Tauchen
und für Wasser generell hat, so ist
er doch „nur“ ausführender
Produzent. Nichts weiter, außer eben
Teil des Marketings, weil natürlich
„Gesicht“ bzw. Name der
3D-Technologie. Diesen Film also
nach ihm zu benennen ist dreist und
übermütig, war aber wohl nötig.
Michael Bay wird das bestätigen
können. Dabei basiert die Kletter-
und Tauchtour durch Höhlen auf Papua
Neuguinea zusätzlich noch, wie so
oft, auf wahren Ereignissen, die,
wie so oft, ebenfalls Teil des
Marketings sind. Produzent und
Co-Autor Andrew Wight, mit dem James
Cameron schon seine Tauch-Dokus
drehte, ließ sich von eigenen
Erfahrungen inspirieren, als er mit
Kollegen in einer teilweise
eingestürzten Höhle einen neuen
Ausweg suchen musste. In Filmform
ist Derartiges natürlich stets
dramatischer, extremer und schlicht
größer.
Was uns hier allerdings vorgesetzt
wird, ist klischeegetränkter Käse
aus dem Sonntagabend TV-Programm.
Ein Milliardär mit Geltungsdrang,
seine neue Herzallerliebste, ein
erfahrener Griesgram von einem
Kletterexperten, dessen jung
erwachsener und störrischer Sohn,
sowie ein wenig Teamflickwerk, um
den Verschleiß konstant zu halten,
ohne direkt Kernfiguren zu opfern.
Das wäre ja alles noch zu
verkraften, wenn diese einfallslosen
Dramaturgiekatalysatoren nicht
derart billige und langweilige
Abziehbilder wären, die sich ständig
hysterischen, pathetischen und
sentimentalen Schwachsinn an den
Kopf schleudern. Die Dialoge sind
fürchterlich, insbesondere beim
zentralen Vater-Sohn-Konflikt, der
vor schmalzigen Plattitüden schon
nach fünf Minuten absäuft.
Gefühlsmäßig jedenfalls. Richard
Roxburgh, als Nervfaktor #1 der
ersten Stunde, gibt den
Höhlenkletterer mit Leib und Seele,
muss daher im konsequenten
Umkehrschluss ein charakterliches
Arschloch geben. Lieblos, herzlos,
nur auf den Job fokussiert, aber
immerhin lange Zeit der einzige im
Team, der mal klar sagt, dass die
Kacke am Dampfen ist.
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Ein Sturm ist aufgezogen, lässt es
ordentlich regnen und bringt die
weitläufige Schüssel baldigst zum
Überlaufen. Rette sich wer kann und
damit es so richtig Spaß macht,
kennt das Drehbuch kleine Helferlei,
die wir auch alle kennen, weil wir
derartigen Schmarren schon x-fach
gesehen haben. Eine zurückliegende,
neu ausbrechende und ignorierte
Krankheit, heroische Alleingänge,
plötzlicher Steinschlag und wenn
sonst nichts mehr geht, greifen
stets etablierte Mechanismen wie
Starrsinn, Dummheit oder
Gewaltegoismus im Überlebenskampf.
Während sich dazwischen Vater und
Sohn erwartungsgemäß doch noch
annähernd, nähern wir uns erneut
unserem Frühstück an, weil wenn hier
jemand oder etwas gerührt ist, ist
es unser Magen, aber sicherlich
nicht unser Herz. Das einfallslos
entworfene Hin und Her zwischen
Daddy und Sohnemann ist
sentimentaler Rotz auf Kitsch-Level
325, wird aber nach und nach vom
neuen Nerv-Zentrum überstrahlt, weil
eine Person ganz besonders ungern im
feuchten Fels verreckt.
Dabei wäre es an sich halbwegs
passabel, was sich hier abspielt.
Die Inszenierung in der größtenteils
authentisch aussehenden Höhle sitzt,
die Naturgewalten sind plastisch und
bedrohlich genug, und 3D ist quasi
wie für dieses Szenario geschaffen.
Ohne 3D – und das ist ein
erschreckendes Zeichen – kann man
den Film getrost vergessen, aber in
den geschlossenen Gängen der Höhle,
ob im Fels oder unter Wasser, ist
die Wirkung tatsächlich
beeindruckend. Auch weil man
konsequent vermeidet,
Blödsinnigkeiten aus der Leinwand
ragen zu lassen, sondern uns
stattdessen in die Leinwand, also in
die Höhle, eintauchen lässt. Sobald
es hektischer wird, ist es mit der
dreidimensionalen Herrlichkeit
vorbei, aber oftmals funktioniert
der Kram immerhin als beklemmendes
Seherlebnis. Da hätte man uns die
banale und vorhersehbare
Grundhandlung mit den grausigen
Dialogen auch ersparen können. Filme
wie „The Descent“ oder sogar „Turistas“
boten ein Mehr an Spannung und
Finesse, ohne permanent zum
Kopfschütteln anzuregen. Eine Doku
hätte es demnach auch getan, aber
die involviert nur schwerlich und
die guckt sich dann auch kein
Schwein an. Ja wahrscheinlich wäre
sogar ein dramatischer
Tauch-Actionfilm in 3D, aber ohne
den Namen James Cameron,
hoffnungslos verloren, womit wir
wieder beim Anfang wären und um die
Erkenntnis reicher, dass ein
annehmbarer Film beinahe untergeht,
weil man sich mit dem Drehbuch keine
Mühe gegeben hat.
Fazit:
Ohne 3D kann man sich die Kiste
direkt sparen. An sich ein
passabler, wenn auch gnadenlos
unorigineller Kletter- und
Tauchfilm, doch Handlungsgerüst,
Figuren und besonders die (Achtung
Wortwitz!) unterirdischen Dialoge
strapazieren Geduld und Nerven. Der
gelungene 3D-Einsatz macht die
Höhlentour halbwegs brauchbar, wenn
man denn beim Rest schmerzresistent
ist.
3,5 /
10
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