BG Kritik:

Sausage Party - Es geht um die Wurst


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Sausage Party (US 2016)
Regisseur: Conrad Vernon, Greg Tiernan
Mit den Stimmen von: Seth Rogen, Jonah Hill, Kristen Wiig, James Franco, Michael Cera, Edward Norton, Salma Hayek

Story: Frankfurter-Würstchen Frank erfährt eines Tages die schreckliche Wahrheit über die Welt jenseits des Supermarktes, in dem er lebt, und will seine Freunde in den Regalen warnen. Und wenn noch irgendwie möglich, will er beizeiten auch noch einen bei Hot-Dog-Brötchendame Brenda wegstecken.

Animierter Food Porn?

Sausage ist das englische Wort für Würstchen


Alle unsere Alltagsprodukte im Supermarkt sind am Leben, haben Augen, Arme, Beine und ebenso Hoffnungen, Träume und vor allem Triebe. Wir können das nur nicht sehen oder hören, weil uns der dafür notwendige Blick in die vierte Dimension fehlt. Soweit so klar, soweit so schwachsinnig. Aber bei ehrlicher Betrachtung auch kaum absurder als die allseits geliebten Geschichten anderer Animationsfilme, in denen vom geheimen Eigenleben unserer Spielzeuge oder jüngst Haustiere berichtet wurde, sobald der Mensch aus deren Blickfeld verschwunden ist. Mit einer einleitenden musikalischen Gesangseinlage präsentieren die verantwortlichen Story-Schreiber um Ideengeber Seth Rogen, Jonah Hill und Evan Goldberg (u.a. Superbad und This Is the End) sowie die Regisseure Conrad Vernon (u.a. Shrek 2, Madagascar 3) und Greg Tiernan (diverse Folgen von Thomas die kleine Lokomotive & seine Freunde) ihre Welt und treiben das Grundkonzept immer weite auf die Spitze.

Ein Paradebeispiel eines Konsumtempels unserer Überflussgesellschaft, in dem sich unzählige Regalreihen aneinanderreihen, in denen die labernden Alltagsprodukte und Lebensmittel nur darauf warten, von den "Göttern" (Spoiler: das sind wir Menschen mit den glänzenden Einkaufswagen) auserwählt und ins "große Jenseits" getragen werden. Was das genau bedeutet, wissen sie nicht und so fiebern sie ihrem Schicksal als Mittagessen oder Snack mit einer emsigen Ungeduld und einem aufgeregten Lächeln entgegen. Nur Honigsenf weiß es besser, denn er kehrte erst kürzlich aus dem "großen Jenseits" zurück und ist von dem, was er in der Außenwelt zu sehen bekam, zu tiefst traumatisiert. Durch dessen Worte und Taten angestachelt, macht sich Helden-Würstchen Frank auf, die Wahrheit aufzudecken und zu verbreiten.

Wie wohl alles im Leben sind Filme und deren Humor Geschmackssache. Vom favorisierten Kleidungs- und Musikstil über die präferierte Haar- oder Augenfarbe bei der Partnerwahl bis hinüber zur Leibspeise. Über all dies und weit mehr entscheidet der individuelle und vor allem aktuelle Geschmack, und was dem einen geschmacklos erscheint, ist womöglich ein die Bauchmuskeln forderndes, filmisches Mehr-Gänge-Menü für seinen Sitznachbarn. Zudem ist Geschmack ja keine unveränderlicher Fakt, sondern vielmehr ein sich im Laufe und mit neu gemachten Erfahrungen des Lebens entwickelnder Prozess. Für welche Zielgruppe erscheint die Würstchen Party denn nun kredenzt? Das Poster zu Sausage Party proklamiert hierzu "Endlich ein Animationsfilm NICHT für die ganze Familie". Das stimmt. Völlig sogar. Denn der Film erscheint ganz und gar nichts für Kinder (logischerweise, bei der FSK-Freigabe ab 16 Jahren), erstaunlicherweise aber auch nichts für Erwachsene zu sein. Jedenfalls nicht völlig Erwachsene, im Sinne von gereift. Wen der Film aber relativ sicher ansprechen wird, sind frisch und vorpubertierende (vornehmlich männliche) Kinogänger, für die der hier im Film ach so gerne beachtete Akt noch frommer Wunsch und graue Theorie ist. Ja, den unter Hormonüberschuss stehenden, im Idealfall noch kiffenden, pickeligen Teens mit Dauererektion, die erst kürzlich akzeptiert haben, dass Mädchen doch nicht so blöd sind wie all die Jahre zuvor gedacht, könnten hier einen der Lieblingsfilme des Jahres gefunden haben. Hier wird sich in Bild und Ton und in nahezu allen Farben, Formen und Spielarten dem Sexualakt gewidmet. Sausage Party - Es geht um die Wurst. Der deutsche Untertitel ist eben in diesem Fall Programm.

Ob es bei Erfolg weitere Teile geben wird?


Dabei ist man in der Vorgehensweise allerdings unfassbar klischeehaft und gleichzeitig so feinfühlig, wie das graue Toilettenpapier in einer durchschnittlichen öffentlichen Bahnhofstoilette, und geht dabei nicht nur einmal über die Grenzen des guten Geschmackes und gar des Anstandes hinaus. So ist der Hitler-Schnurrbart tragende Sauerkraut natürlich mit harschem Tonfall und im Stechschritt marschierend unterwegs, um gewissen Lebensmitteln im "Konzentrat-Lager" zu Leibe zu rücken. Witzig oder geschmacklos? Das darf jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls erscheinen hier nahezu alle Charaktere mit ähnlicher Klischee-Schablone wie der Nazi-Deutsche Sauerkraut gezeichnet worden zu sein. Vom rassigen Latino Hartschalen-Taco (mit Flamenco-Ärmeln und immer schön das R rollendem Akzent) über das alle Fremden hassende Lavash, welches auf seine 77 reinen Flaschen Olivenöl im Paradies wartend, alle Ungläubigen beschimpft und sich mit dem jüdischen Bagel um den rechtmäßigen Anspruch auf das Heilige Land, äh Gang 33 des Supermarktes streitet. Löblich vermerken kann man dann aber noch, dass Team Rogen hier noch eine Annäherung in puncto kultureller und religiöser Natur und eine Aufforderung zu mehr Toleranz einfließen lässt. Feinfühligkeit sucht man allerdings auch an diesen Stellen vergebens. Sausage Party ist eben kein Film der leisen Töne. Optisch kann der Film dabei an keinem Punkt mit der Animationsqualität aktueller Kollegen mithalten, was aber im geringen und der Waghalsigkeit des Projektes geschuldetem Budget von nur um die 20 Millionen Dollar begründet liegt. Dafür gibt es aber eben etwas anderes als gängige Animationskost geboten, in der man Niveau allerdings vergebens suchen wird. Laut, obszön, deftig und brutal sind eher die passenden Stichworte.

Bei aller Liebe zu Originalität, Mut und neuen Ideen wie einen Film über lebendige Lebensmittel als eine Art Anti-Disney und Pixar-Film zu liefern - hier hätte man deutlich mehr raus holen können als eine bloße Aneinanderreihung von Gags zum Thema Geschlechtsverkehr zu zelebrieren. Anzumerken ist dieses Mehr - im Sinne von mehr Abwechslung - in einigen schon aus den Trailern bekannten Szenen, in denen ab und an gar sehr viel subtiler und kreativer zu Werke gegangen wurde. So z.B. in der Kriegs-Satire-Szene, in welcher der Spagetti-Dose die Innereien in allerfeinster Soldat James Ryan Manier heraus quellen. Dieser und weiteren Szenen in denen dann ab und an noch exzessive Gewalt zum Hauptgesprächsthema Sex hinzustößt, nehmen allerdings anders als die Trailer suggerierten, eher eine sehr viel untergeordnete Rolle ein. Hier geht es vornehmlich infantil ums Kiffen und Vögeln, den Lachs buttern, pimpern, rammeln, schnackseln, dübeln, dimsen, schrabbeln, knötern, rüber rutschen, vergenussferkeln, den Kasperl in die Schlucht hüpfen lassen, ja, die Wurst reinhängen lassen Humor, der sich im Film schnell ebenso redundant anfühlt, wie die vorhergehende Aufreihung an derben Synonymen für Sex. Wer das mag. bekommt allerspätestens im in dieser Hinsicht gigantischen Finale die volle Ladung abgeschossen. Sowas gab es es wohl tatsächlich noch nie im Kino zu sehen.

Fazit:

Sausage Party - Es geht um die Wurst ist ein kleiner, versauter und derber Animationsfilm, der auf den Seth Rogen Lieblingsthemen Kiffen und Sex errichtet wurde. Wer dies in noch deutlich derberem Sprachgebrauch und Szenen unterhaltsam findet, dem wird hier wohl eine gut ausreichende Gagdichte geboten. Da der Film aus kaum mehr besteht, verbleiben nur wenige weitere zündende Gags. Fühlt man sich dem bekannten Rogen-Humor also bereits mehrheitlich entwachsen, sollte man diese Party wohl eher nicht aufsuchen. Wer allerdings bei Wörtern wie Spalten spalten, stöpseln, ausleiern und durchnudeln (ok, es reicht) schon direkt loslachen muss, darf auf die unten stehende Zahlenwertung wohl noch gut und gerne locker 2 Punkte drauf packen.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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