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Kritik:
Savages


von Christian Mester

SAVAGES
(2012)
Regie: Oliver Stone
Cast: Taylor Kitsch, Aaron Johnson, Blake Lively, John Travolta, Benicio del Toro

Story: Ben und Chon sind grundverschiedene Surferjungs aus Laguna Beach, Kalifornien: der eine ein abgefuckter, ehemaliger Soldat, der andere ein ruheloser Weltenbummler. Geeint werden sie durch ihren Job - afghanisches Marihuana zu verticken - und Ophelia, einer freizügigen Freundin, die sie sich im Bett teilen. Als ihre Ware Wellen schlägt und sie dem mexikanischen Kartell auffallen, bietet ihnen dieses einen umfassenden Deal an - den sie ausschlagen. Statt noch tiefer einzusteigen, wollen sie raus - doch das Spiel lässt sie nicht...

Kritik:
Oliver Stone galt mal als einer der "gefährlichsten" Regisseure Hollywoods: Wall Street, Natural Born Killers, JFK: Tatort Dallas, Platoon, The Doors - Stone trat auf Füße, scheute nicht vor Sex und Gewalt, rief zu Diskussionen auf und sprach Dinge an, die man sich nicht wagte, in Bildern, die sich andere nicht trauten. Dann brachen irgendwann die 2000er an und der Stone, wie man ihn gekannt, wie er zuletzt Football mit Any Given Sunday angespuckt hatte, verschwand auf einmal. Alexander, W., World Trade Center, Wall Street 2 polterten nacheinander ins Kino, porzellanglatt und bruchstückfrei. Die Kontroverse futsch, die Aussagen flöten, sehenswerte Schauspielpolituren ala Costner in JFK oder Kilmer in The Doors, Fehlanzeige. Selten war Colin Farrell so schlecht wie in Stones Politwerk - und Nic Cage zwei Stunden kitschig-sentimental unter Schutt begraben zu sehen, während Nachbarfilm Flug 93 höchstspannend und brisant die Wände wackeln ließ, schmerzte in Hinblick auf Stones Drei-Oscar-Sammlung.

Fans horchten dann auf, als es hieß, er verfilme den Roman Zeit des Zorns von Don Winslow - eine Rückkehr zu alten Themen. Einen harten Drogenthriller vor sonniger Kulisse, mit beachtlichem Staraufgebot: John Travolta, Benicio del Toro, Salma Hayek, dazu Jungstars Blake Lively, Emile Hirsch, Aaron Johnson (Kick-Ass aus Kick-Ass) und Taylor Kitsch (John Carter). Vermeintlich viel versprechend, doch nicht alles, was in Kaliforniens Gärten wächst, ist grün und gewinnbringend...

Savages will so vieles sein: ein blutiger Drogenthriller, ein starkes Charakterstück, ein wendungsreiches Katz- und Mausspiel, ein gleichzeitig altehrwürdig traditioneller, aber ebenso hipper, moderner junger Film. No Country for Old Man in cooler, dazu ein bisschen Tarantino, ein wenig romantisch-verträumte Adoleszenzphantasien, ein paar Pillen Breaking Bad. Junge Leute, die das sorglose Strandleben mit Rauschmitteln und Dreiern genießen und sich maximal fragen brauchen, welches Land sie als nächstes bebummeln. Die sich dann verpokern und mit den falschen anlegen, welche das, was sie töricht pseudoleben, professionell tun und im Blute haben. Auf dem Papier sind Story und Figuren prinzipiell noch tolles Material. Da wäre der psychisch gestörte Ex-Soldat Chon, gespielt vom 2012 bereits zweimaligen Soldaten Taylor Kitsch, der jede seiner Probleme mit Gewalt und mehr Gewalt lösen will. Eine fragile, explosive Rolle, in der Schauspieler wie Christian Bale oder Ray Liotta für gewöhnlich brillieren - selbst Spider-Man Tobey Maguire leistete tolles in seinem Film Brothers - doch Kitsch vermag es nicht, seinen Grobian zu einem interessanten Charakter zu formen. Er ist ein stumpfes Brecheisen, das auf Actionszenen wartet, die nie kommen (es gibt kurze Auseinandersetzungen, aber zu kurze um Savages Action-Thriller werden zu lassen). Eine Rolle, in der er nichts wirklich machen kann, und in der seine bisher schwächste Leistung steckt - schwächer als im Schiffe Versenken Film.

Aaron Johnson hingegen gibt passabel den emotionalen, greifbaren "alles easy" Krautexperten, der sich immerhin hingebungsvoll darauf stürzt, sein geliebtes Mädchen zu behalten. Was wiederum dadurch vernarrt wird, dass Blake Lively, die diese (in diesem ach so harten Sex & Violence Thriller stets züchtig bekleidet) spielt - nach Green Lantern und The Town erneut zementiert, dass sie keine Leinwandpräsenz hat. Ausdruckslos schlendert sie durch den Film, nicht wissend, wohin sie mit ihrer (sich übertragenden) Langeweile soll. Und das schlimmste? Sie ist zugleich Erzählerin und die zentrale Hauptrolle des Films. Die drei ergeben somit ein leider wenig charismatisches Trio ab, dem man schnell nur noch aus einem Grunde weiter folgen mag: der Nebendarsteller, mit denen sie es zu tun bekommen. Als untypische Kartellchefin überzeugt Salma Hayek: trotz ihrer 1,55m vermag sie es autoritär und kontrollierend zu wirken - und dass, wo sie ihr typisches Temperament in Zaum halten muss. John Travolta bekommt eine eher kleine, aber brauchbare Rolle als korrupter Cop, der sich ständig markant aus der Bredouille wieselt, der aber ebenfalls Platz machen muss, da Benicio del Toro hier eine andere Auffassung von "Nebendarsteller" hat. Als rechte Hand Hayeks gibt er ein grandioses Monster ab, dass sich massakrierend, nörgelnd, einschleimend, wimmernd und hinterrücks zum eigentlichen Höhepunkt des Films macht. In jeder seiner Szenen liegt das Hauptaugenmerk auf ihm, und es scheint ihn null zu kümmern, dass der Film eigentlich den drei Jungdarstellern gehört. Trotz seiner Power-performance, und einem rundum sehr farbenfroh und schick eingefangenen Filmbild reicht es nur bedingt, Savages ins Erträgliche zu hieven. Was am Ende des Weges im selbigem steht, ist ein mauer dritter Akt, mit einem Witz von Ende, das nur Kopf schütteln lassen kann. In besserer Wahl hätte Stone die Hälfte des Films verworfen und sich auf Del Toro konzentriert - das wäre wohl ein starkes Stück geworden. Fragwürdig ist auch, in wie weit Dialoge und Zitate des eigentlich geschätzten Buches passgenau übernommen wurden, denn was Savages teilweise vom Stapel reißt, lässt sich auf keine Kuhhaut binden ("Ich hab Orgasmen... er Wargasmen"). Sämtliche Versuche, die drei Zugedröhnten für eine nächste Generation vorbildlich verträumt cool wirken zu lassen, schlagen strikt  fehl, und zu sehr lehnt sich Stone auf diese Annahme, die Darsteller und ihre Dialoge würden ausreichen. Es schlägt nieder in einem oftmals zähen Erzählfluss, in dem man gezwungen ist, die kaum charakterisierten Grasanbauer bei ihrer Jagd nach der blonden Neuzeithippie Blake not so lively zu verfolgen - die womöglich gar keine Lust hat, befreit zu werden.

Fazit:
Savages
lädt zum Träumen ein: Was, wenn die drei Hauptdarsteller besser wären, ihr Miteinander berühren, ihre Charaktere oder deren Schicksale interessieren würden? Die guten Nebendarsteller und der schicke Look des Films können nicht entkräften, dass das nicht der Fall ist. Heisenberg und Vic Mackey können da nur müde lächeln und winken einen Del Toro zu sich, der Savages den ganzen Weg weit huckepack trägt.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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