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Kritik:
Saw - The Game


von Christian Mester

Saw - The Game
(2010)
Studio: Zombie Studios

Story:
Im Spiel zur Horrorfilmreihe geht es um den Polizistin Tapp (im ersten Film von Danny Glover gespielt), der von Fallensteller Jigsaw gefangen und in eine mit tödlichen Tests verstrickte, verlassene Irrenanstalt verfrachtet wird. In dieser muss er nicht nur anderen Testopfern aus dem Weg gehen, er muss darüber hinaus auch noch ein paar seiner Bekannten retten...

Kritik:
Game-Umsetzungen von Filmen sind meistens nichts, was in der Regel fast immer dadurch zu erklären ist, dass sie fürchterlich gehastet in Produktion gehen. Die Fertigstellung eines Kinofilmes dauert summa summarum meistens um die 12-20 Monate, die Umsetzung eines guten Videogames benötigt dagegen weit mehr Zeit. Da man die Spiele zur Promotion aber zumeist zum Kinostart veröffentlichen will, zeigt sich die Ungeduld leider meistens in der späteren Qualität des Spiels.

Bei "Saw: The Game" ist das nun etwas anderes, denn der Titel wurde unabhängig zu den Filmen entwickelt und erschien erst nach drei Jahren.

Ob sich die Wartezeit gelohnt hat? Ja, und nein. Zunächst fällt auf, dass die Grafik des Spiels nicht unbedingt auf dem neuesten Stand ist, in Sachen Design aber sehr ansprechend ausfällt. Die verlassene Anstalt erinnert stilistisch an die düsteren Unterschlüpfe der Filme und sorgt für eine (angenehm) unbehagliche Spielumgebung. Die Atmosphäre ist dicht, was größtenteils auf die Tatsache zurück zu führen ist, dass man als Figur unentwegt schwer verletzt wird oder sterben kann. Überall lauern fiese Stolperdrähte mit Schrottflinten, Stachelfallen, und selbst herum liegende Glasscherben zehren an der Gesundheit (da Tapp barfuss unterwegs ist und sich trotz etlicher beschuhter Leichenfunde zu weigern scheint, Schuhe anzuziehen).

Es kommt dementsprechend sehr häufig vor, dass man mit lautem "D'oh!" ala Homer zusehen darf, wie Tapp (der übrigens kein Stück nach Danny Glover aussieht) wieder und wieder zu Gulasch verarbeitet wird. Es mag viele dieser frustigen Momente geben, doch das Spiel selbst ist diesbezüglich immer fair. Das schnelle Verleben hat fast immer damit zu tun, dass man unachtsam oder ungeduldig ist - "Saw" verlangt, dass man ständig wachsam bleibt und sich um sein Überleben sorgt.

Unfair sind höchstens diverse Zweikämpfe, die sich mit anderen in der Anstalt herum lungernden Testobjekten ergeben. Mit Rohren, Baseballschlägern, Puppenbeinen und Krücken wehrt man sich seiner Haut, wobei die ansonsten recht simple Steuerung in dieser Hinsicht kläglich versagt. Zu ungenau, zu ungelenk geschehen die Kämpfe, wobei man irgendwann den Dreh für das richtige Timing heraus hat und selbst drei, vier Gegner hintereinander kein Problem mehr darstellen. Das Spiel bietet dem Spieler dazu an, selbst als Bastler aktiv zu werden, in dem man aus einer Vielzahl von Utensilien eigene Stolperfallen und Wurfbomben errichten kann, die allerdings nicht wirklich von Nöten sind.

Überall verstreut liegen dazu heilende Spritzen im Übermaß und selbst wenn man einmal das Zeitliche segnen sollte, so sind die automatischen Speicher-punkte sehr gnädig gesetzt.

Neben der Atmosphäre sind auch die verschiedenen Puzzles sehr gelungen. Immer wieder gerät man an knifflige Schalter-, Stromkasten-, Schiebe- oder Uhrwerkpuzzles, die mit deftigem Zeitlimit zu schneller Vorgehensweise zwingen und damit sehr unterhaltsam sind. Neben den direkten Rätseln gibt es auch noch viele indirekte Kniffeleien, die sich mit etwas Ermittlung lösen lassen. So muss man beispielsweise spezielle Scheinwerfer ausrichten um den nächsten Weg zu finden oder sich mit Hilfe clever arrangierter Spiegelbildmotive Codezahlen für das nächste Zahlenschloss ertüfteln. Erst gegen Ende wiederholen sich ein paar der Rätsel und wenn dann auch noch die Zeit auf einmal böse streng bemessen ist, fragt man sich, ob da nicht etwas mehr Mühe möglich gewesen wäre.

Vom Inhalt her lässt es sich zweigleisig bewerten: wer die Filme nicht kennt, der bekommt eine an "Manhunt" erinnernde Geschichte in spannender Umgebung, mit interessantem Survival-Gameplay und einigen kleineren Schwächen. Wer die Filme aber in- und auswendig kennt, der wird sich sehr über die vielen Referenzen freuen. Ob man sich aus der umgedrehten Bärenfalle befreien muss, mit einer Hand in Spritzen oder Säure fasst oder mit Hilfe des Blitzes eines Fotoapparats einen Raum absucht, vieles wird direkt aus den Filmen übernommen - und da man wohl mit Plan an die Sache heran gegangen ist, finden sich Verweise bis hin zum neuesten sechsten Teil der Reihe.

Kanon? Könnte es theoretisch sein, allerdings überspreitzt der Umfang der Fallen und der Umbau der kompletten Anstalt den bereits höchst fragwürdigen Montageumfang des zu der Zeit (spielt zwischen "Saw" 1 und 2) schon stark ausgelasteten Jigsaws gewaltig - wobei der Umfang natürlich spielerisch Sinn macht, da es sonst nach nur wenigen Minuten vorbei wäre. Mit rund 5-7 Stunden Spielzeit ist der Titel im Vergleich zu anderen Spielen übrigens nicht unbedingt eindrucksvoll lang, allerdings vollkommen akzeptabel.

Was Ergänzungen der Story betrifft, so gibt es leider recht wenig Neues zu erfahren. Man sieht Amanda in einer weiteren Falle als Testobjekt, erfährt mehr von Obi aus dem zweiten Film (der in der Feuerfale starb) und bekommt in einem Finale mit zwei Ausgangsmöglichkeiten zu sehen, was anschließend mit Tapp passierte.


Fazit:
"Saw: The Game" wird die Meinungen mit der Kreissäge spalten: für die einen ist es ein sehr repetitives Try-and-Die Frustspiel mit maroder Grafik, für andere ein gelungener "Silent Hill"-Klon mit originellen Ideen und starkem Bezug zur Vorlage. Später bei niedrigerem Preis einen Blick wert; für Fans ein Pflichttitel.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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