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Kritik:
Die Schlümpfe


von Christian Mester

THE SMURFS (2011)
Regie: Raja Gosnell
Mit: Neil Patrick Harris, Hank Azaria

Story:

Als eine handvoll Schlümpfe durch ein magisches Portal nach New York gelangen, stellen sie das Leben einer jungen Familie (Neil Patrick Harris, Jayma Mays) auf den Kopf. Derweil sucht sie der böse Zauberer Gargamel (Hank Azaria), der mit seinem felinen Katercompadre Azrael alles versucht, die kleinen blauen Knirpse zu erwischen...

Kritik:
Ein Film wie Die Schlümpfe 3D kann eigentlich nur zwei Arten von Zuschauern locken - die, die als Begleitung freudestrahlender Kinder augenrollend mitgeschliffen werden, und Filmfans, die neugierig sind, was um Himmels Willen einen Neil Patrick "Barney Stinson" Harris dazu gezwungen haben mag, sich das anzutun. Wettschulden? 

Beide Parteien können allerdings aufatmen, denn überraschender Weise ist der 3D-Schlumpffilm kein grotesker Hellraiser-Würfel, die nach Betätigung Pinheads blauen Chatterer-Terror aus der Hölle hinaufbeschwört. Es ist schlichtweg harmlos generischer Kinderklamauk vom Macher von Scooby Doo 1+2, der zu seinem eigenen Wohle nie anstrengend schlecht wird. Zum größten Teil funktioniert er als gelungener Zeitvertreib für Unter-10jährige, die auch mal ohne Transformers- Megalomanie und -Destruktion auskommen können. Die quirligen Schlümpfe sind akzeptabel gemacht, kaspern sich nonstop ulkig durch die Landschaft, interagieren lustig mit Alltagsgegen-
ständen und, da es am laufenden Band Gags und Actiong serviert gibt, nagt nichts an des hibbeligen Kindes Geduld.

Kindern wird alles andere wohl gleichgültig sein, doch Älteren wird natürlich auffallen, dass die Versatzstücke dieselben wie auch sonst immer sind: da ist ein netter Mensch, der durch seine animierten Gäste erst Ärger eingebrockt bekommt, dann aber die nötige Hilfe, mit seiner Liebsten zusammen zu finden, völlig belanglose Nebenplots (Harris bekommt Job-Probleme in der Kosmetikbranche) Tanzszenen, in denen zu hippen Songs abgegroovt wird (überraschenderweise gibt es, obwohl Katy Perry Schlumpfine spricht, keinen Dauereinsatz verschlumpfter Perry Stücke), oftmaliges Ausrutschen und Köpfe stoßen, ein ständig fluchender, aber eigentlich harmloser Bösewicht und eine Szene, in der eine lehrreiche Message wie "Sei einfach du selbst", "Sei mutig" oder "Mit Live-Action-Fassungen von alten Zeichentrickserien kannst du später einmal gutes Geld verdienen" vermittelt wird. Hat man schon hundertmal gesehen, aber auch, weil die Formel schon hundertmal gereicht hat - so auch hier. Harris und Mays sind nette Helden, Azaria ein amüsanter Schussel (viel akkurater hätte man einen Gargamel wohl nicht umsetzen können; größeres Lob gebürt gar seiner Katze, denn CGI-Azrael ist öfters wirklich lustig anzusehen). Weiterer Pluspunkt: das 3D ist durchaus wirkungsvoll und bezwingt das der aktuell lauen Captain America und Green Lantern.

Was irgendwann an der Geduld nagt, ist endloses Vorkommen der Wörter "Schlumpf" und "blau" in jedem zweiten Satz, aufdringliches Product Placement und der wiederholte Einsatz der Schlumpf-Titelmelodie, die gnadenlos bis zum Äxte schleifen geträllert wird, doch darüber hinaus werden Ältere überraschenderweise weitestgehend verschont. Der Film versucht sogar, sich augenzwinkernd an Erwachsene zu richten, indem er doppeldeutige Witze einbringt, keine schallend offensiv dämlichen Rollen auffährt, Fäkalhumor in Grenzen hält, die Figuren Auffälligkeiten aus der Schlumpfwelt ansprechen lässt ("Ich bin Papa Schlumpf und lebe mit meinen 99 Kindern, von denen nur eins ein Mädchen ist, in einem Dorf. Ja," sagt er mit Betonung, "klingt in der Tat fragwürdig, ist aber so.") und auch Harris des öfteren perplex in die Kamera schauen lässt, als wolle er sagen, "Ein Schlumpf Kinofilm. Was zum-". Davon gibt es aber zu wenig, somit hilft dies nur, den Film ins Erträgliche zu fahren, nicht, ihn gut zu machen. Gekoppelt mit einer vollends belanglosen Geschichte ohne Highlights und netten, aber oberflächlichsten Figuren rundrum bleibt nichts, was jemals Substanz für ein späteres Wiedersehen hätte. Jenseits der 10 sollte man sodann besser davon absehen - nicht weil er schlecht ist, sondern weil er nichts neues hat, nicht genug für Ältere bietet und schon bei Abspannbeginn wieder vergessen ist.

Fazit:
Es gibt eine Szene im Film, in der ein Schlumpf fast im Klo heruntergespült wird - lässt sich direkt als Metapher für den Rest des Films verstehen, mit der Betonung auf "fast", Generische, aber noch solide Kinderunterhaltung nach Schema Garfield - Der Film. Als nächsten der Art folgt 2012 Hong Kong Pfuey - Der Film...

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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