hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Schlussmacher


SCHLUSSMACHER (2013)
Regie: Matthias Schweighöfer
Cast: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel

Story:
Paul (Matthias Schweighöfer) ist Trennungsagent: für andere Leute beendet er Beziehungen und sorgt für den ersten Ruck ins unerwartete Single-Leben. Ein Job, in dem der selbst bindungsscheue Macher ungeheuer effizient ist - bis er auf den quirligen Toto (Milan Peschel) trifft, der mit all seinen Ticks, seiner Anhänglichkeit und einem Hang zu Chaos in wenigen Tagen alles zu ändern scheint was Paul bisher ausmachte...

Kritik:
Während es um Comedy-Megastar Michael Bully Herbig mit Zettl und Hotel Lux in Sachen Zuschauererfolgen allmählich überschaubarer wird (wo bleibt seine nächste Komödie mit Tramitz und Kavanian?), und Til Schweiger nach wie vor immer und immer wieder Großerfolge feiert, mausert sich Schritt für Schritt jemand neues zum deutschen Megastar: nein, die Rede ist nicht von Christoph Waltz, der ja Österreicher ist, sondern von Matthias Schweighöfer, der mit Friendship, Rubbeldiekatz, Russendisko und What a Man eine wahre Fanschar aufbauen konnte - und das verdienterweise.

Mit seinen Filmen hat er sich selbst sehr gelungen zu einer deutschen Marke entwickelt, die er mit What a Man - er übernahm Drehbuch und Regie - noch weiter definierte. Mit Schlussmacher setzt er dies noch konsequenter durch, in einem Film, der 2013 wohl zu den beliebtesten deutschen Produktionen gehören wird. Wer ihn bisher mochte, findet alles vor, was ihn beliebt machte: eine lockere, sympathische Geschichte, ein Schuss Romantik, und insgesamt eine angenehm kurzweilige Feel-Good-Stimmung. Seinen treuen Fans kommt er also entgegen, doch sieht man genau hin, steckt sogar weiterer Anspruch darin.

Mutig ist, dass er sich selbst zunächst als eher unsympathische Figur zeichnet. Paul mag smart und erfolgreich sein, doch er ist das nur, in dem er mit jeglichem Mittel Beziehungen beendet und auch dann auseinander hält, wenn noch Hoffnung besteht. Er ist egozentrisch und gleichgültig gegenüber anderen... insbesondere dann, wenn jemand ihn zwingt, dass er sich selbst stellt. Das, und nicht etwa locker-flockige Kitschromantik oder reiner Spaß ist dann auch das zentrale Thema des Films, denn wenn (der charismatische) Quälgeist Milan Peschel in sein Leben drängt, mit Allergikerbettwäsche, Yogapartnerübungen, konstanter Nerverei und nächtlichem Kuschelbedürfnis, macht Paul gezwungenermaßen die lange nötige Wandlung durch, und der Eisklotz taut auf. Einen Bogen, den Schweighöfer sehr überzeugend spielt, und in dem er tatsächlich bemerkenswert mit Co-Star Peschel agiert, der wiederum ehrlich viele Lacher auf seiner Seite hat. Die Romantik? Überraschend dezent als Rahmenhandlung gesetzt, erwachsen ohne größeren Kitsch erzählt, und glücklicherweise fehlt es an aufdringlich niedlichen Kindergesprächen.

Schwächen? Greift man sehr hoch... was Schlussmacher von einem Oscar-Nominee wie Silver Linings unterscheidet, ist fehlende Wagnis. Die Ansätze sind da und sie sind gelungen, gehen von Konzept und Wirkung in Richtung Rain Man, doch (im Gegensatz zur bekannten Schweighöfer/Peschel Tatortfolge bspw., für die sie ausgezeichnet wurden) so ganz traut man sich nicht, weit aus der Feel-Good-Ecke herauszuragen. Sprich, es gibt keine richtig ungemütlichen Szenen und einen relativ vorhersehbaren Handlungsverlauf, was allerdings auch damit einhergeht, dass man die Note Romcom stärker drin haben will als die Note Charakterdrama. Genau genommen ist das jedoch keine wirkliche Kritik für den Moment, da der Film fraglos unterhaltsam ist, die Frage ist lediglich, welcher Ansatz auf lange Sicht größere Denkwürdigkeit schafft. Das wiederum dürfte aber auch nur Cineasten interessieren, und diese sind eigentlich nicht das Zielpublikum, müssen sie auch nicht. Diese sollten allerdings durchaus aufhorchen, denn mit Schweighöfers Kontinuierlichkeit, und Steigerungsfähigkeit wird man von 2020 zurückblickend sagen, dass er deutsches Unterhaltungskino nachhaltig geprägt hat. Passiert das mit derart unterhaltsamen Ausflügen, darf das auch gern der Fall sein, und setzt er seine Ansätze weiter, demnächst noch stärker in die Tat um, wird Denkwürdiges passieren.

Fazit:
So darf sich deutsches Comedykino gerne weiter entwickeln: hinter einer amüsant-kurzweiligen Komödie versteckt sich ein durchaus gelungenes Charakterdrama mit zwei beachtlichen Darstellern, die beweisen, dass es hierzulande nicht nur plump und kitschtrunken zugehen muss.

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2013 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich