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Kritik:
Scream 2


von Christian Westhus

SCREAM 2 (1997)
Regie: Wes Craven
Darsteller: Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette

Story:
Zwei Jahre sind nach den Morden in Woodsboro vergangen. Inzwischen am College, versucht Sidney die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Gerade jetzt feiert jedoch der Film „Stab“, basierend auf den Ereignissen damals, Premiere und motiviert einen neuen Killer, denn bald schon häufen sich die Leichen am Campus.

Kritik: Scream
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Kritik:

"Scream 2" – Die Fortsetzung. Die Regeln der Horrorfilm-Geschichte hat der erste Teil genüsslich bedient, parodiert und eingerissen, und damit ganz eigene, neue Regeln geschaffen, die jetzt in der eigenen Fortsetzung schon direkt aufgewärmt wirken. Insofern hat Drehbuchautor Kevin Williamson das Beste daraus gemacht, indem er sich auf eine große Film-im-Film Dynamik fokussiert und die Protagonisten über filmische Sequels philosophieren lässt, nicht wissend, dass sie sich selbst in einem befinden. Viel mehr Neues ist den Verantwortlichen dann auch nicht eingefallen, weil es größtenteils beim schlichten Aufsagen und Benennen bleibt, ohne die Materie tatsächlich so geschickt zu sezieren und offenzulegen, wie es der Erstling getan hat. Für eine Fortsetzung funktioniert das alles trotzdem noch ausgesprochen gut, da diese ja – danke, Randy – per Definition minderwertige Filme sind. „Scream 2“ führt sein doppelbödiges Spiel mit Meta-Fiktion, Selbstreflexion und einer brüchigen vierten Wand weiter, vollzieht im Kern jedoch eine sichtbare Wendung zum geradlinigen Slasher.

Der Erstling hat das Metier eben schon ordentlich abgegrast und so bleiben Wiederholungen hier nicht aus. Umso verständlicher, dass man sich mit Wonne auf die „Stab“ Geschichte stürzt, den Unterhaltungsfilm zu den realen Morden, kaum zwei Jahren nach diesen tatsächlichen Gräueltaten. Noch deutlicher rücken damit die Medien und Filme im Speziellen in den Fokus, wenn leise – jedoch mit großer Anstrengung – Kritik an medialer Gewaltfaszination geübt wird. Das merkwürdige Kinoverhalten des jugendlichen Kinopublikums bei der „Stab“ Premiere gibt jedenfalls allerhand Anlass zur Verwunderung, auch weil permanent der Saal verlassen wird. Die Einstiegsszene ist ein Musterbeispiel dafür, wo der Film funktioniert, wo er versucht, seinem Vorgänger gerecht zu werden und wo er diesem unterliegt. Clever und hart die Morde, böse vielschichtig die gesamte Präsentation, aber ziemlich offensichtlich auch die gesamte Konstruktion. Dass die wiederholte Casey-Szene im Film-im-Film etwas zu lustig an der Unlogik-Schraube dreht, könnte man noch als ironischen Genrekommentar sehen. Dass man sich fragt, wie Gale Weathers an die Infos für ihr Buch, auf dem dieser Film basiert, gekommen ist, ist eine andere Geschichte. Da es funktioniert, Schwamm drüber.

Ghostface samt Maske sind nicht nur in der internen Welt zur Ikone geworden, was mit all seinem Heckmeck sicherlich eine Spur zu überdreht geraten ist, aber seinen Zweck erfüllt. Relativ deckungsgleich zum ersten Teil entrollt sich nun das zweite Leiden der Sidney Prescott, die am College versucht, irgendwie durchs Leben zu kommen. Neve Campbell hat ihre niedliche Zopffrisur abgegeben und wirkt plötzlich reif, erwachsen und fast schon zu alt fürs College, zumindest aber fehlt ihrer Sidney nun diese Aura der Unschuld als Final Girl. Die interessanteste Figur per se ist sie ja nicht und die neue Mordserie verpasst es, früh genug klare persönliche Verbindungen zu Sid zu schaffen, die darüber hinausgehen, dass sie halt bei der ersten Mordserie im Fokus stand. Also karrt man einen ganzen Batzen alter und neuer Figuren heran, die das Campusleben bereichern und das Rätselraten um die Mörderidentität beleben. Geschickt wird beispielsweise die Cotton Weary Handlung aus Teil 1 weitergeführt und ausgebaut, die tatsächlich kluge charakterliche Entwicklungen bietet. Und weil Filmnerd Randy im ersten Teil so gut ankam, darf er hier vermehrt auftreten und wird endlich ein vollwertiger Charakter, statt immer nur zu erklären. Nur konsequent natürlich, dass Randy dem Filmkurs am College mal zeigt, wie der Hase mal wirklich zu laufen hat. Ridley Scott rules. Und Jamie Kennedy hat sichtlich Spaß an der Sache. Etwas arg gewollt nur die gemächlich in die Gänge kommende Romanze von Dewey und Gale. Ach und Jerry O’Connell als döseliger neuer Boyfriend ist auch nicht gerade der Archetyp einer interessanten Figur. Dennoch gelingt dieser Teil 2 insbesondere mit Blick auf die Figuren, die hier konsequent weiterentwickelt und lebendiger werden.

Und mit diesen Vorzeichen, Ansätzen und Figuren wird nun munter herumgewürfelt. Das ironische Spiel mit der Erwartungshaltung der Zuschauer bezieht sich jetzt schon mehr auf Regeln innerhalb der Scream-Reihe, als auf Horrorfilme insgesamt. Das gilt auch für den Humor (Tori Spelling), wenn man nicht gerade Meta-Witze aus den Darstellern macht und Courtney Cox mit Jennifer Aniston, David Arquette mit David Schwimmer in Verbindung bringt. Das ist stets amüsant, durchweg spannend und immer noch weitaus cleverer als der übliche Slasher-Standard. Der Bodycount ist nur unwesentlich höher als der des ersten Teils, aber einigermaßen hart zur Sache geht es dennoch. Und so ganz nebenbei beherbergt dieser Film die spannendste Einzelszene aller drei „Scream“ Teile, wenn in einem Polizeiauto der Platz knapp wird. Dass Sidney sich ausgerechnet ins Theater verliebt und dort eine schreiend offensichtliche Rolle mit Messern und Maskierten spielt, macht sicherlich nicht all zu viel Sinn, dafür ist die Hatz durchs campusinterne Theater-, Film- und Ton-Archiv absolut gelungen. Wie auch das gesamte Finale, das, obwohl es etwas zu offensichtlich versucht, die hysterische Unberechenbarkeit des unschlagbaren ersten Finales zu kopieren, abermals geschickt mit Moral, Motiv und charakterlichen Ver- und Entwicklungen spielt. Das ist nicht mehr so ganz hintersinnig und doppelbödig, dafür weiterhin sehr effektiv und kurzweilig. Eine durchweg gelungene Fortsetzung, wenn man nach der Genialität des Erstlings sicherlich etwas mehr Originalität und weniger Kopie hätte erwarten dürfen.


Fazit:
Gelungene Fortsetzung, die das ironische Meta-Spiel noch eine Ebene höher setzt, ohne dabei wirklich viel oder grundlegend Neues zu holen. Eine spannende Mörderhatz mit lieb gewonnenem und erweitertem Personal ist es dennoch, die kurzweilig unterhält und immer noch cleverer ist, als es sich ein Großteil der Konkurrenz zutraut.

7,5 / 10

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