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Kritik:
Scream 3


von Christian Westhus

SCREAM 3 (2000)
Regie: Wes Craven
Darsteller: Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette

Story:
Mehrere Jahre sind seit der zweiten Mordserie rund um Sidney Prescott vergangen. Die Überlebenden haben sich übers Land verstreut und versuchen ihr Leben zu leben, als die Dreharbeiten des Films „Stab 3“, noch immer inspiriert von den realen Woodsboro-Morden, durch eine Mordserie unterbrochen werden. Sidney, Dewey, Gale und neue Opfer des neuen maskierten Unbekannten versuchen Ghostface zu entkommen und ihn zu stoppen.

Kritik: Scream
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Kritik:

Merke: Ehren Kruger ist kein Kevin Williamson. Ob es wirklich so einfach ist, darf bezweifelt werden, da die chaotische Produktion des dritten Teils der Erfolgsreihe generell allerhand Interessenskonflikte und Drehbuchänderungen ertragen musste. Als Hauptverantwortlicher fürs Script nennt sich dennoch Ehren Kruger und im Script liegt der Hund dann auch begraben, denn der dritte Teil praktiziert und präsentiert anschaulich, wie es mit Slasher- und Horrorfortsetzungen meist bergab geht. Sollte dies Teil des eigenen satirischen Meta-Spiels sein (wohl kaum), ist Applaus angebracht, tatsächlich aber ist es nur schade, dass „Scream 3“ nur noch sumpfiger Durchschnitt ist und demonstriert, wie man an ausgelutschten Franchise-Konventionen festhält, oder es mit den paar neuen Ideen übertreibt. Die bekannten Endlosreihen trieben es mit den absurden neuen Einfällen zwar zweifellos auf eine Spitze, die hier unerreicht bleibt, aber Blödsinn wie der neue Stimmverzerrer nerven nur, vom unfairen Einsatz mal ganz zu schweigen. Wie kann man so etwas Unfaires toppen, um stets den Zuschauer an der Nase herumzuführen? Richtig, mit Traumszenen. Und tadaa, die gibt es hier. Ernsthaft, Leute? War das nötig? Sidney hört Stimmen und sieht die Toten kommen. Das klingt schon mal lächerlich genug.

Der durchaus nicht ungeschickt im Rahmen der Scream-Erwartungen veränderte Einstieg ist eigentlich ganz gelungenen, wäre er im Gesamtkontext nicht so unlogisch und fehl am Platz. Wirklich durchdacht wirkt es oftmals nicht, stattdessen schwer beladen mit all dem, was eine Franchise im dritten Teil so ausmacht. Der Sprung direkt ans Set von „Stab 3“ ist sogar konsequent weiter gedacht, aber während Teil 2 im Ansatz schon die hintersinnige Gift-und-Galle-Satire des Erstlings reduzierte, mutiert die Reihe nun zum generischen Slasher der harmloseren Sorte und bemüht sich an allgemeiner Kritik und zahmen Spott an der gesamten Filmindustrie und Hollywood. Um Horrorfilme geht’s nur noch am Rande, weil’s vorher auch so gemacht wurde und weil ja nun mal tatsächlich Menschen über die Klinge springen. So stapfen auch mal Jay und Silent Bob durchs Bild, Carrie Fisher hat einen selbstironischen Gastauftritt und Lance Henriksen (sehr subtil) heißt als schmieriger Filmproduzent tatsächlich John Milton (noch subtiler). Das ist schon alles nicht mehr frisch und dann entzieht man der Chose auch noch die größte Faszination. Da wirkt dann so langsam sogar Nick Caves ikonisches „Red Right Hand“, verwendet in allen drei Teilen, langweilig und gewollt, bzw. aufgezwungen. Und zum drölfzigsten Male Dewey und Gale beim amourösen Hin und Her zu beobachten, ist auch nicht mehr wirklich spannend oder gar feurig.

Immerhin ist eine Jagd durchs Filmset und die Requisite ganz amüsant und selbstironisch inszeniert, ähnlich wie das bemüht abwechslungsreiche Finale in einer Villa. Das ist inzwischen nur mehr einigermaßen hochwertig (weil aufwendig, also teuer) inszenierter Standard, dem selten Glanzstücke gelingen, wie Sidneys Gang durch die Rekonstruktion ihres alten Hauses. Tatsächlich lebt sie zurückgezogen, ihrer Identität beraubt, die in Filmform immer und immer wieder reproduziert wurde und in den Medien ein formbarer Teil der Popkultur geworden ist. Im Ansatz macht Krugers Script vieles richtig, doch im Detail gehen ihm die Ideen aus und auch Craven ist inzwischen eine gewisse Lustlosigkeit anzumerken. Die Morde im Mittelteil sind noch wahlloser, noch zufälliger, noch beliebiger und demnach noch langweiliger. Ja, schon klar, man kramt ein Alibi-Motiv für die Reihenfolge heraus, um ein bisschen „Final Destination“ Spannung herauszukitzeln, aber wirklich sinnig oder gar stimmig ist das alles nicht. Auch wenn das fiese Spiel, welches der Killer ganz kurz aus der Verwirrungen zwischen Wahrheit und Fiktion kreiert, von der Grundidee ziemlich gelungen ist. Es ist jedoch eines von vielen Hilfsmitteln, die mittlerweile nötig sind, um die mit Regeln, Erwartungen, Figuren und Intermedialem überfrachtete Story am laufen zu halten.

Die Genialität des ersten Teils lag nicht zuletzt auch darin, genau zu wissen, wie weit man zu gehen hat. Hier ist es oftmals zu lang, zu voll oder zu umständlich erzählt, mit zu vielen zu unwichtigen Figuren und zu wenig Fokus auf die entscheidenden Faktoren, insbesondere auf Sidney. Dass Neve Campbell nicht ausreichend Zeit für die Dreharbeiten hatte, darf keine Entschuldigung sein. Einzig die zweite Gale Weathers (wunderbar überkandidelt wie immer: Parker Posey) ist eine gelungene Neuerung und liefert durchaus humorvolle Szenen mit der echten Gale, die von der nervigen Romanze in der dritten Inkarnation ablenken. Weil nach vorne also nicht mehr viel geht, schlachtet man die Vergangenheit aus, insbesondere wenn es um Maureen, Sidneys Mutter geht. Ganz gelungen dabei allerdings die Aura des Abschlusses, des finalen Kapitels einer Trilogie, wie uns in einer etwas arg einfallslos, aber dennoch glaubwürdig konstruierten Szene verklickert wird. Dass man sich daran Jahre später nicht mehr gehalten hat ist schade, aber bis hierher funktioniert die „Scream“ Reihe immerhin als geschlossene Einheit und das ist etwas, was sie weit über die meisten anderen Horrorreihen stellt. Na ja, stellte. Wie üblich bildet beinahe das gesamte letzte Drittel das Finale und auch wenn es abermals ganz amüsant, spannend und abwechslungsreich hin und her geht, ermüdet es dieses Mal schnell und überhebt sich bei Auflösung und Motiv leider gewaltig. Wer weiß, vielleicht kann der eigentlich unnötige Teil 4 ja tatsächlich noch etwas aufwerten?


Fazit:
Es geht steil bergab für die „Scream“ Reihe. Teil 3 ist keine Katastrophe, aber ein insgesamt enttäuschender Beitrag ohne neue Ideen, ohne Mut zu Neurungen und ohne Herzblut in der Umsetzung. Im Ansatz nicht schlecht, mit ein paar gelungenen Szenen, aber insgesamt zu beliebig und zu austauschbar.

4,5 / 10

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