hauptseite  |  kritiken |  impressum |  community forum



 

 

Kritik:
Scream 4


von Christian Mester

SCREAM 4 (2011)
Regie: Wes Craven
Darsteller: Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette

Story:
Mehr als zehn Jahre lang herrschte Ruhe in Woodsboro, wo man die zahlreichen Morde in den 90ern, rund um Sidney Prescott und ihre Freude, mittlerweile mit Partys und Film-Festivitäten würdigt. Passend zum Jahrestag stellt Sidney ein Selbsthilfebuch über ihr Schicksal in der alten Heimat vor, als das Grauen von Neuem beginnt.

Kritik:
Als "Scream" 1996 in die Kinos kam, lebte ein totgeglaubtes Horrorgenre wieder auf - der Teenslasher. Was 1960 mit dem kleinen Film "Augen der Angst" (Peeping Tom) begann, machten "Psycho", "Halloween - Die Nacht des Grauens" und "Freitag der 13te" zu einem Erfolgsgenre, das zahllose Fortsetzungen und Nachahmer ins Leben rief. Zu Beginn der 90er war diese Welle dann wieder abgeebbt, doch Wes Craven, der bereits den Klassiker "A Nightmare on Elm Street" geschaffen hatte, holte sie mit seinem "Scream" noch einmal zurück. Und nicht nur das: Sein "Scream" war nicht bloß qualitativ einer der besten Slasher, die je gemacht worden waren (9,5/10); er sezierte sein Genre auf intelligente Weise und faszinierte als Satire, Parodie und Hommage zugleich.

Daraufhin folgten 1997 und 2000 zwei Fortsetzungen, die ähnliches versuchten und die drei Hauptfiguren beibehielten. Obwohl sie unterhaltsam ausfielen (7,5/10 und 6,5/10), verloren sie jedoch allmählich das besondere Etwas, das Durchdachte, das Scream zu einer Ausnahme gemacht hatte. Beim dritten war es vor allem der Weggang von Autor Kevin Williamson, dessen Nachfolger Ehren Kruger merklich schwächere Arbeit leistete. Nachdem Neve Campbell sich nun lange Jahre davor gesträubt hat, erneut als Screamqueen Sidney Prescott vor maskierten Killern davon zu laufen, fand sich das gesamte Team der alten drei Filme im letzten Jahr schließlich doch noch einmal zusammen, um Ghostface einer neuen Generation vorzustellen. Leider mit schlechtem Vorzeichen, denn obwohl Williamson den Großteil des neuen Drehbuchs schrieb, holte man Kruger erneut hinzu, um es anschließend zu "optimieren". Das hatte die Suppe schon einmal versalzen.

Der erste "Scream" mag stolze 15 Jahre her sein, doch wüsste man es nicht besser, könnte dieser neue zeitlich auch kurz nach dem Dritten erschienen sein. Abgesehen davon, dass Handys 2011 Festnetztelefone ersetzen und Horrorfilme mittlerweile online oder auf Blu-ray, statt auf VHS ausgeliehen werden, ist in Woodsboro nahezu alles beim Alten geblieben. Es bleibt bei den bekannten Anrufen und wuchtigen Angriffen, bei der Inszenierungsart und dem fesselnden Rätselraten um die Identität des Killers. Selbst das Finale weckt in seiner ganzen Machart Erinnerungen an die alten Teile. Kennt man diese also, gefällt einem auch automatisch der neueste Ableger, da "Scream 4" alle grundlegenden Stärken der Vorgänger erfolgreich imitiert. Erwartungen hat man jedoch besser keine allzu hohen, denn mehr als die bereits bekannten Elemente hat "Scream 4" dann doch nicht zu bieten. 

Aufgrund des großen zeitlichen Sprungs zwischen "Scream 3" und "4" könnte man sich fraglos erhofft haben, dass man sich dieses Mal besonders viel Mühe gibt und man, wie beim Original, moderne Horrorfilme und Jugendtrends auf kluge und unterhaltsame Weise nennt und kommentiert, doch dem ist leider nicht so. Es wird zwar vereinzelt auf den hohen Gewaltgrad der beliebten "Saw" Filme eingegangen, es gibt Ansätze über den aktuellen Web-2.0-Trend, sich ständig der Welt mitteilen zu müssen, doch all das wird bloß oberflächlich abgehandelt. So gibt es unter anderem eine Figur, die rund um die Uhr mit einer Webcam herum läuft und ihre ganzen Eindrücke im Internet präsentiert. Die Zuschauer dieses Videoblogs werden jedoch nie gezeigt, sodass die eigentlichen Aufnahmen keine Bedeutung haben. Selbst der schwache "Halloween: Resurrection" hat das Konzept noch besser genutzt. Als Kenner der alten drei Filme freut man sich sicherlich darüber, dass man das Trio Infernale Neve Campbell, David Arquette und Courteney Cox wieder vereint sieht, doch auch wenn sie generell wieder sympathisch sind, tut das Comeback keinem von ihnen wirklich gut. 
Campbells Sidney wird als abgebrühte Überlebende gezeigt, verhält sich jedoch außerordentlich naiv, wenn sie allein und unbewaffnet hinter dem neuen Killer herjagt. Verglichen mit dem letzten Akt des dritten Films, in dem sie sich mit kugelsicherer Weste und Pistole noch schlagfertig zu wehren wusste, ist dies ein klarer Rückschritt. Auch sonst macht sie erstmals keinen spürbaren Wandel durch und ist damit keine allzu interessante Hauptfigur. War es zu Anfang noch sympathisch, Dewey als jungen unerfahrenen Polizisten zu sehen, wirkt seine unsichere Art in seiner Führungsposition hier deplatziert und zu gezwungen niedlich. Bis auf einige wenige Grimassen hat er wenig zu tun, vor allem nicht viel mit seiner Filmehefrau, was wohl unter anderem daran gelegen haben mag, dass die zwei auch im echten Leben ein Paar sind und während des Drehs die Scheidung einreichten. Cox‘ Teilnahme wirkt gar am überflüssigsten, da ihre Gale notdürftig hinzu geschrieben wirkt und schon mit kleinsten Änderungen gestrichen werden könnte. 

Da "Scream 4" als Grundstein einer neuen Trilogie geplant ist und ein Bodycount nicht fehlen darf, gibt es im Film natürlich auch jede Menge neue Gesichter, die allerdings nur zum Teil funktionieren. Von den Schülern überzeugt Julia Roberts‘ Nichte Emma Roberts als neuer Sidney-Verschnitt, während Hayden Panettiere, die Cheerleaderin aus "Heroes", als ihre filmbegeisterte Freundin recht sympathisch erscheint. Der Rest der Neulinge ist allerdings schon nicht mehr weiter nennenswert, allen voran Rory Culkin als Filmfreak, der besonders langweilig und austauschbar wirkt und es nach schwacher Kopie aussehen lässt, werden die (hier) unnützen Regeln des vierten Teils verlesen. In den anderen Nebenrollen sieht es da schon merklich besser aus, wobei Spaßvogel Anthony Anderson bis auf einen platten Spruch sogar eine der denkwürdigsten Szenen des Films bekommt. In weiteren Rollen überzeugen indes Alison Brie aus Community als erfolgssüchtige Agentin und Marley Shelton aus "Planet Terror" als undurchsichtige Polizistin, die Dewey für sich haben will. Im Intro des Films tauchen dazu noch Anna Paquin aus True Blood und Kristen Bell aus Veronica Mars auf, die beide jedoch nur kurz zu sehen sind und eher Skepsis als Begeisterung zurücklassen. 
"Scream 4" ist trotz seiner Script-Schwächen jedoch ein wirklich hervorragender Slasher geworden. Zwar mögen einige der Figuren und der Einsatz der drei Veteranen nicht allzu gelungen sein, der Intellekt fehlen und der Film „nur“ ein plumper Slasher sein, doch dafür ist der Kern der Reihe wieder einmal blendend getroffen. Erneut sind die Morde des Killers äußerst spannend inszeniert und macht es großen Spaß, mitzuraten, wer denn dieses Mal unter der Kapuze stecken mag. Craven zaubert dazu das zweitbeste Finale der Reihe aus seinen Ärmeln und bringt einen Killer, der merklich glaubwürdiger als der letzte erscheint und auch noch fair zu erraten ist. Im Vergleich zum recht laschen dritten fällt Vier auch wieder recht blutig aus. Schade ist jedoch, dass ein letzter Feinschliff fehlt. Cravens Regie ist zwar gelungen und genau so angenehm kurzweilig wie bei den anderen drei Teilen (womit sein grauenhaft schlechter letzter Horrorfilm "My Soul To Take" verziehen sei), doch dennoch wirkt "Scream 4" hastig produziert. Manche der eingestreuten, witzig gemeinten Szenen grenzen ans Alberne, nicht alle Opfer sind optimal gewählt, es gibt Logiklöcher und das Intro ist äußerst holprig. Hinzu kommt, dass der markante Song Red Right Hand von Nick Cave, der bisher in allen drei Teilen zu hören war, plötzlich nicht mehr dabei ist und es auch keinen passenden Ersatz gibt. Einen Director’s Cut wird es wohl nicht geben, könnte den ansonsten guten Film aber noch einmal spürbar aufwerten - man merkt, dass eine letzte Überarbeitung fehlt. Doch es ist Kritik auf hohem Niveau, da "Scream 4" auch als mittelmäßiger "Scream" immer noch gute Unterhaltung ist und spielend über den zumeist schlechteren Genre-Kollegen thront.


Fazit:
"Scream 4" ist ein äußerst unterhaltsamer neuer Horrorslasher und eine solide, wenn auch eventuell etwas enttäuschende Fortsetzung. Mag man alle sehenswerten Vorgänger, lohnt sich fraglos auch dieser, doch hätte man darauf gewiss keine elf Jahre warten müssen - als Comeback hätte es auch noch schlagfertiger ausfallen können, auch wenn es so schon gut ist. Kennt man die Filme indes noch nicht, sollte man natürlich beim ersten Teil anfangen. 

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich