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Kritik:
Seelen


von Michael Herbst

THE HOST
(2013)
Regisseur: Andrew Niccol
Cast: Saoirse Ronan, Diane Kruger, William Hurt

Story:
Aliens haben die Erde übernommen und Besitz von fast alle menschlichen Körpern ergriffen. Als die junge Melanie (Saoirse Ronan) ebenfalls assimiliert wird, will ihr Verstand nicht nachgeben. Im ständigen Streitgespräch mit der außerirdischen Macht entkommt sie einer gefürchteten Anführerin (Diane Kruger), die gnadenlos nach den letzten menschlichen Rebellen fahndet und die nötigen Hinweise in Melanies Kopf vermutet...

Kritik:
Der Twilight Zug ist abgerauscht und neue Fahrkarten möchten bitte gelöst werden. Stephenie Meyer verschlägt uns in ihrem neuesten Jungmädchenabenteuer Seelen in eine futuristische Welt, die man ihr so nicht unbedingt zutrauen würde. Beinahe die gesamte Menschheit ist ausgelöscht, Killer in weißen Anzügen fahnden unerbittlich und töten jeden, der nicht auch blau funkelnde Augen hat. Saoirse Ronan, war stark in Wer ist Hanna?, spielt die Hauptrolle, der Regisseur und Autor von Gattaca und Lord of War darf den Ton vorgeben. Entlarvt sich Meyers nun als verkanntes Talent, das nur zufällig etwas aus Ablage B zum Kommerztraum wandeln konnte? Oder können die zwei Talente ihrer vermutlich erneut fürchterlichen Grundlage wenigstens trotzen?

Wie Gattaca ist es eine leise, minimalistische Sci-Fi Geschichte ohne Action, in der Themen und Konzepte im Vordergrund stehen, in der konzentriertes Schauspiel überzeugen will. Im Gespräch unterhält sich Melanie mit ihrem Alien-Parasiten, ebenfalls ein Mädchen, was Meyer dafür nutzt, die zwei zugleich zu Engel und Teufelchen für einander zu machen, stärker noch, typische innere Gedankenselbstgespräche eines pubertierenden Mädchens hörbar zu machen. "Hat der Junge uns gerade angesehen, wieso kribbelt es im Bauch, wie soll ich reagieren, wo geht die Reise hin, welchen Selbstwert darf ich haben?"

Stärker noch als in Twilight geht es in Seelen also um die Gedankenwelten eines Mädchens, die sich zwar übernatürlicher Geschehnisse ausgesetzt sieht, inmitten dieser aber gewöhnliche Gedanken hegt. Bedürfnisse nach Zuneigung, Fragen nach Selbstbestimmung, Frage nach Selbstwert, Lösen von Elternhaus und Vergangenheiten. Alles in allem keine grundsätzlich schlechte Themenwelt für einen Film, aber im Falle dieses unsagbar langweilig inszeniert. Saoirse Ronan schlägt sich durch banalste Dialoge, Niccol verwechselt Atmosphäre mit gähnender Langeweile, Action gibt es keine, und kommt das obligatorische Männer-Dreieck auf, bleibt man paralysiert sitzen.

Nicht aber, weil es wieder so schlecht wie in den Twilight Filmen würde. Das hätte immerhin Unterhaltungswert, doch Seelen versucht all das Alberne/Kitschige an den Dialogen, all das Absurde an den Handlungen und all das Überzogene an den Figuren einzudämmen, um dafür nicht länger verspottet zu werden. Damit verliert der Film aber jegliches Unterhaltungspotenzial, da Meyer hinter all dem schlichtweg nichts zu bieten hat. Keine Substanz, kein Herz, keine Spannung, keine Vision, nichts was ansatzweise Handlung genannt werden dürfte. Die anfangs versprochene Flucht vor der Jägerin verläuft im Sand, was nicht zuletzt an einem kopflosen letzten Drittel liegt, das sämtlichen Antrieb außen vor bleiben lässt und sich in Flashbacks suhlt. Nicht oft erlebt man einen Film, der alle seine kleinen Interessenspunkte nach und nach auslöscht, um dann wie die weiß gekleideten Aliens zu enden: steril, wortarm, langweilig, und über allem: seelenlos.

Fazit:
Das traurige ist, es liegt nicht ausschließlich an der Vorlage der Twilight Autorin, dass Seelen seelenloser Sci-Fi Schund bleibt. Niccol, der mit Gattaca und Lord of War zwei sehenswerte Filme im Gepäck hat, legt einen der zähsten, gefühlslosesten, identitätslosesten Genretitel der letzten Jahre vor, der nicht einmal Hardcore Stephenie Meyer Fans anzuraten wäre. Bedauerliche Ronan.

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