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Kritik:
Sein letztes Rennen


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Sein letztes Rennen
(2013)
Regisseur: Kilian Riedhof
Cast: Dieter Hallervorden, Tatja Seibt, Heike Makatsch, Frederick Lau, Katrin Sass, Katharina Lorenz, Otto Mellies, Heinz W. Krückeberg, Maria Mägdefrau, Barbara Morawiecz, Annekathrin Bürger, Mehdi Nebbou, Jörg Hartmann

Story:
Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) war mal ein ganz Großer. 1956 gewann er die Goldmedaille im Marathon in Sidney, doch das liegt lange zurück. Aufgrund vieler Schwächeanfälle seiner Frau Margot (Tatja Seibt), ist er gezwungen mit ihr in ein Altenheim zu ziehen, da Tochter Birgit (Heike Makatsch) auch nicht immer für sie da sein kann. Doch die Zwänge und der Alltagstrott im Altenheim machen ihm schwer zu schaffen. Um diesem entgegen zu wirken, beschließt er nochmals am Marathon in Berlin teilzunehmen, und trainiert fortan auf diesen hin. Auch wenn er sich dadurch Freunde bei den Heimbewohnern macht, so mag es den Leitern des Heimes gar nicht gefallen.

Kritik:
Palim, Palim! Das sind wohl die ersten Worte, die die meisten mit der Person Dieter „Didi“ Hallervorden in Verbindung bringen. Zum Ende seiner Karriere will er dieses Image nun noch einmal ein wenig verändern und wagt sich an eine für ihn ungewohnte Geschichte. Nicht, dass er seinen alten Stil ignorieren würde, er spielt damit und zeigt, dass Humor zwar manchmal die beste Medizin ist, in einer realen Welt aber auch nicht jede Wunde heilen kann.

„Sein letztes Rennen“ wurde Dieter Hallervorden quasi von Anfang an auf den Leib geschrieben.
Die Idee zum Film gab es schon seit 2001, seit fünf Jahren stand er für die Verfilmung fest. Hallervorden gibt hier weder den lustigen „Didi“ von damals, noch eine todernste Figur ab, sondern die perfekte Mischung aus Komiker und Charakterdarsteller und macht „Sein letztes Rennen“ so zu einem angenehmen Herbst-Tipp. Man kann sich anschließend kaum jemand anderes als den fiktiven ehemaligen Marathonläufer Paul Averhoff vorstellen.

Ja, es ist im Grunde nur einer dieser Heldengeschichten über einen Underdog, der einen Traum hat, aber das Filmemachen Einmaleins schreibt ja im Idealfall auch einen Helden vor. Die gute alte Heldenreise führt eben diesmal über das Altenheim und unser Held ist nicht mehr gestählt, sondern alt und grau. Der Held ist Dieter Hallervorden, der diesmal keinen Doppelgänger und keinen Nonsens im Kopf hat. Regisseur Kilian Riedhof etabliert von Anfang den Ton des Films, der ernster ist als man denkt, aber gleichzeitig genügend Spielraum für Humor lässt. Das sind dann keine Gagsalven, sondern eher gut portionierte Humoreinsätze, so dass auch Hallervordens Paul Averhoff nie eine Witzfigur wird, sondern seine Geschichte berührend und ansteckend bleibt. Das ist der Hauptverdienst des Films. Er will hier und da auf Missstände hinweisen, was die Altenpflege betrifft und den Glauben an Träume, auch im letzten Herbst des Lebens feiern. Und nur weil diese Balance zwischen Tragik und Komik und vor allem das Spiel von Dieter Hallervorden stimmt, funktioniert diese Geschichte fast auf ganzer Linie.

Natürlich fehlt vor allem mit Blick auf das Altenheim und dem Leben dort ein wenig die Gegensicht bzw. kommt sie etwas kurz, denn nicht für jeden muss so eine Einrichtung so ein Käfig sein und einen so einschränken. Hier werden die Pfleger und die Bewohner schon etwas schablonenhaft konstruiert. Auch greift der Film gegen Ende etwas zu tief in die Pathos-Kiste und will es so richtig wissen. Man drückt aber da bei dem Film gern mal eine Auge zu.

Darstellerisch ist natürlich Dieter Hallervorden zu nennen, der den Film locker trägt und einen Paul Averhoff porträtiert, der nie zu lustig oder zu lebensüberdrüssig wirkt. Seine Figur ist älter und ernster als die, die er früher gespielt hat, aber noch immer mit dem gleichen ansteckenden Charisma versehen. Spätestens jetzt darf man Hallervorden also zugestehen, echter Schauspieler und nicht bloß Spaßmacher zu sein. Es ist hier seine Show, deswegen können sich da die anderen Schauspieler nur hinten anstellen, auch wenn sich da mit dem alten erfahrenen Cast und Leuten wie Frederick Lau, Heike Makatsch und Katrin Sass ein illustres Ensemble versammelt. Auch eine Erwähnung wert ist der Score von Peter Hinderthür. Natürlich drückt der wie der Film etwas zu dolle auf den Pathos-Knopf, aber irgendwie passt das und mag gefallen.

Fazit:
Durchaus pathetisch, vorhersehbar und teilweise sehr mit dem Holzhammer, aber dabei so sympathisch und nett, dass man den Film einfach mögen muss. Eine klassische Heldengeschichte, wie es sie heute kaum mehr gibt. Gänsehaut und Tränen erlaubt.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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