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KRITIK:
SEX AND THE CITY
Der Film
von
Christian Mester
SEX AND THE CITY (2008)
Regie: Michael Patrick King
Cast: Sarah Jessica Parker, Kim Cattral
Story:
Carrie (Sarah Jessica Parker) ist eine junge
telekinetisch begabte Schülerin, die eines Tages auf
dem Abschlussball... ist die Ehefrau eines kleinen
sympathischen Dickerchens, der für UPS arbeitet und
sich ständig über ihren exzentrischen Vater ärgert,
der seines Zeichens immer wieder versucht, seinem
Nachbar Lou Ferrigno... ist eine in New York lebende
Redakteurin, die sich darüber freut, dass ihr
wohlhabender Freund mit Spitznamen Mr. Big (Chris
Noth) sie endlich heiraten will. Als er jedoch kurz
vor der Hochzeit absagt, bricht ihre Welt zusammen.
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Hinter den Kulissen zofften sich die
Damen, da man sich gegenseitig wenig gönnte |
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Kritik:
Man kann es als Witz sehen, dass "Sex and the City -
Der Film" bei bereitsgesehen.de unter dem Banner
seltsame, abstruse, kontroverse, einfach
"ungewöhnliche Filme" vorgestellt wird, aber sieht
man mal genauer hin, könnte dieses Machwerk nicht
besser zur Kategorie passen. Jetzt muss man im
Vorfeld erst einmal einen kleinen Blick auf die
Grundlage des Films werfen, jene In-Serie, die ab
1998 sechs Jahre lang die Bildschirme der Welt
eroberte und den flotten Vierer Carrie (Sarah
Jessica Parker), Miranda (Cynthia Nixon), Charlotte
(Kristin Davis) und Samantha (Kim Cattral) zu
Kultfiguren machte. Selbst wenn man nichts mit der
Serie zu tun hatte, wusste man, dass Carrie eine
neurotische Selbstzweiflerin war und Samantha eine
nymphomanisch veranlagte Verrückte, die alles nur
Denkbare versuchte, Sex in all seinen Verrenkungen zu zelebrieren. Die Serie
machte ihre vier Frontfrauen zudem zu Modeikonen,
die eine ganze Generation von weiblichen NY-Fans
beeinflusste.
Schaute man selbst mal zwischendurch rein, erwies
sich "Sex and the City" wie auch "Desperate
Housewives" als relativ unterhaltsame, quirlige
Frauenchose, die in erster Linie nett auf Kurzweil,
gepfefferte Sprüche und urkomische Situationskomik
setzte. Ein Erfolgsrezept, dass man vier Jahre nach
Sendeende und langen Gehaltsverhandlungen mit den
vier Diven auch ins Kino bringen konnte. Die Frage
ist nur, wieso man auf die völlig falschen Aspekte
setzte?
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Alle drei Bilder stammen aus
dem Sequel |
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Es gibt absolut nichts Lustiges im "Sex and the
City" Film. Nada, nichts, niente. Der vom Film am
größten gefeierte Gag ist eine Szene, in der sich
eine der vier peinlich in die Hose macht, darüber hinaus
versucht Michael Patrick King nicht einmal
annähernd, das Leinwandabenteuer der vier Upperclass
Frauen unterhaltsam zu gestalten.
Da das wegfällt, kann man nun erwarten, dass es
typisch schnulziger Romanzenkitsch wird, aber selbst
als solcher ist die Umsetzung vollkommen
hanebüchener, unromantischer Schund. Die Story ist
nichts, überhaupt nichts. Die tatsächliche Handlung
ließe sich in fünfzehn Minuten erzählen, stattdessen
macht King einen Film mit Überlänge draus, in dem im
Grunde nichts wirklich passiert.
Carrie selbst ist als Figur im Film schrecklich. Ihr
Freund, der zuvor schon zweimal verheiratet war und
lange Zweifel vor einer dritten Hochzeit hatte,
traut sich endlich sich erneut trauen zu lassen, da
bläst sie das ganze zu einem Mega-Event auf, das
auch noch, sehr zum Wohle ihres Kontos, von einer
der größten Zeitschriften New Yorks begleitet wird.
Eine Peinlichkeit für ihn, der zudem plötzlich
merkt, dass er keine kleine Hochzeit im Kreise von
Freunden, sondern eine Celebrity Mega-Hochzeit im
Werte von hunderttausenden Dollar bezahlen soll.
Selbst das lässt er ihr durchgehen, aber weil er,
der sonst immer Zenturion der Selbstsicherheit ist,
nur einen Augenblick lang Zweifel hat, straft sie
ihn über die ganze Spielfilmlaufzeit - in der
Handlung ist es ein ganzes Jahr (!) - mit
Nichtbeachtung. Nur um ihm dann doch irgendwann
zuzuhören und ihm sofort wieder in die Arme zu
springen. Carrie wird als vollkommen undankbare,
egoistische, selbstverliebte Prinzessin dargestellt,
die sich im Stolze gekränkt meckernd und schmollend
darüber aufregt, dass ihre übertriebene Gucci /
Dolce & Gabbana / Luis Vutton Lifestyleperfektion
für einen Moment ins Wanken gerät.
Die anderen drei
bekommen weit weniger Szenen, erleben aber ähnlich
wenig. Die Sexsüchtige stiert notgeil auf ihren
Latino Lover Nachbarn und kriegt die Krise, weil ihr
Freund ständig arbeiten muss und dadurch keine Zeit
hat, sie nonstop zu begatten. Die schon immer
langweilige Charlotte ist auch hier wieder
langweilig und Miranda, die als einzige von allen
vieren ein ernsthaftes Beziehungsproblem hat, macht
es wie Carrie. Ihr Gegenüber über Spielfilmlänge
ignorieren und sich dann ganz auf einmal wieder
versöhnen. Jetzt hat "Sex and the City" 65 Millionen
Dollar gekostet, allerdings darf man sich fragen,
was an so einem Film so teuer ist? Abgesehen
von den Gagen, die pro Kopf um die 10-15 Millionen
Dollar betragen haben müssen (*4 macht das schon 3/4
des Budgets aus), nichts, dennoch ist "Sex and the
City - Der Film" eine schon fast perverse
Zelebrierung von Geld. Carrie und Company laufen
unentwegt perfekt gestylt herum, tragen immer
ausschließlich neue, teuerste Markentitel und
scheinen entweder immerzu zu Shoppen oder über das
nächste oder letzte Shoppen zu sprechen. Gegessen
wird ausschließlich auswärts und dann auch nur in
Nobelrestaurants. Alles andere wird leicht abfällig
gesehen, es scheint sich alles nur darum zu drehen,
die neuesten Kleider und Accessoires zu besitzen und
viel wichtiger noch, diese nach außen hin zu
präsentieren. Jede andere auftauchende Kleinigkeit
ist ein lästiges Problem, das lästernd zum großen
Drama aufgezogen wird. Es gibt keinen Gegner, keinen
Bösewicht in der Geschichte. Die Bösewichte sind die
Hauptfiguren selbst, die sich selbst mit
engstirnigen, völlig unreifen Ansichten im Weg
stehen und es sich selbst vermasseln, den
übertriebenen Fantasy-Reichtum den sie anscheinend
haben, ausgelassen feiern und genießen zu können.
Dass der Film Pracht und Eleganz im Exzess feiern
kann, liegt an der Tatsache, dass die Show in ihrer
Laufzeit ikonisch wurde und somit jeder befeierte
Modezar gerne bereit war, seine Fashion, Klunker und
Edel-Accessoires umsonst zur Verfügung zu stellen.
Natürlich, denn im großen und ganzen ist Michael
Patrick Kings Film ein reiner Werbefilm, dessen
Handlung nichts anderes als Catwalk für
unerschwingliche Mode ist. Das ist keine würdige
Repräsentation der Erfolgsserie und im Endeffekt so,
als würde Fox Mulder im nächsten "Akte X" Kinofilm
plötzlich nur noch in Edel-Stripclubs abhängen, sich
mit einem Harem aus 20 verschiedenen Agentinnen
amüsieren und sich Maserati und Porsche kaufend
darüber aufregen, dass die letzte
Edelzigarrenlieferung aus Havana erst nach seiner
neuesten Chronometersammlung ankam. Hinzu kommt,
dass die leichtherzige Kurzweil der Serie vollkommen
verpufft, da der Film weit über zwei Stunden geht
und damit schon fast epischen Charakter anstrebt -
gäbe es denn irgendeine nennenswerte Handlung.
Stattdessen ist es epische Leere, ein Vakuum an
Handlung, getragen von unsympathischen Figuren,
erschlagen im Glitz, Glanz und Glamour moderner
Boulevardklischees.
Fazit:
"Sex and the City - Der Film" ist der "Herr der
Ringe" für alle diejenigen, die regelmäßig durch
Boulevardblätter blättern und sich
hauptsächlich dafür interessieren, welcher Promi auf
welcher Party welche Modemarken werbeläuft. Es ist keine
romantische Komödie, es ist eine im Grunde kalte, alles andere als
erwachsen wirkende Dauerwerbesendung, die dann auch
noch unerträgliche 140 Minuten geht. Selten wurden
140 Minuten so leer gefüllt.
2 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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