BG Kritik:

Sex & Crime


von Michael Eßmann

Sex and Crime (DE, 2016)
Regisseur: Paul Florian Müller
Cast: Wotan Wilke Möhring, Fabian Busch, Pheline Roggan, Claudia Eisinger

Story:
Valentin (Wotan Wilke Möhring) überlässt seinem in einer Ehekrise steckendem Freund Theo (Fabian Busch) für eine Nacht die eigenen vier Wände, damit sein Kumpel problemlos die süße Kellnerin Mörli (Claudia Eisinger) für ein kleines, außereheliches sexuelles Abenteuer abschleppen kann. Keine gute Idee, denn kurz darauf gilt es nicht nur eine Leiche aus dem Weg zu schaffen. Nein, es klingelt auch noch an der Tür.

Theo ist ein finanziell erfolgreicher Autor einer trashigen Sex & Crime Roman-Reihe, der sich selbst jedoch noch immer als Literat ansieht. Im privatem läuft es für ihn allerdings nicht so ganz, so scheint u.a. seine Ehe mit Katja (Pheline Roggan) am Ende, denn diese ist just ausgezogen und will sich von ihm scheiden lassen. Soviel so klar, denkt man als Zuschauer, aber in "Sex & Crime" ist längst nicht alles so, wie es auf den ersten oder auch vierten Blick scheint. Denn natürlich ist in dieser in und um Köln gedrehten schwarzen Komödie nichts so, wie es aussieht.

Möhring kennt man u.a. aus Who Am I oder Mann tut, was man kann


Dafür sorge trägt auch der nicht chronologische Schnitt der Erzählung. So wirft "Sex & Crime" seine Zuschauer zunächst unvermittelt und unvorbereitet in die Ausgangssituation, um dann immer mal wieder einen kleineren bis mittelgroßen Schwenk in Form von Rückblenden einzustreuen. Hier werden dann die bisher im dunklen liegenden Eckpunkte der Geschichte beleuchtet, wobei immer mehr vom großen Ganzen aufgedeckt wird. Die Story schlägt dabei mehr als nur eine Wendung ein, und ab und an wird man sich als Zuschauer sicherlich dabei ertappen, des Rätsels finale Auflösung auf dem Tisch liegen zu sehen, nur um dann vermutlich doch falsch oder zumindest nicht gänzlich richtig zu liegen. Das liegt aber leider nicht immer oder ausschließlich an der Originalität des Plots von Debüt-Regisseur und Drehbuchautor Paul Florian Müller, sondern eher an der Anzahl der Wendungen. Denn nach einer so ca. 180 Grad Wendung folgt dann eine weitere Wendung von ähnlichem Kaliber, nur um dann noch eine weitere Neuausrichtung und Kurskorrektur folgen zu lassen. Und ja, nach einer Weile und nach Wendung auf Wendung wirkt das merklich redundant.

Denn so richtig aus dem Nichts kommen diese Neuausrichtungen der Story und deren Hintergründe eben nicht, als dass man sie als langjähriger Kinogänger nichts schon das eine oder andere Mal woanders in ähnlich erblickt hätte. Das macht den Film an diesem Punkt nicht schlecht, nur eben auch nicht überragend, oder super originell. Und zu einem sich wiederholend anfühlenden Plot gesellen sich dann auch noch ein paar Längen im Mittelteil. Die Geschichte selber ist dabei aber an vielen Eckpunkten angenehm meta - u.a. da der Autor Theo hier in eine Geschichte gerät, die er auch selber hätte schreiben können - könnte aber böser und schwärzer sein. Denn "Sex & Crime" fühlt sich trotz des merklichen Versuchens nie richtig böse an. Aber auch nie richtig komisch, oder dramatisch, oder spannend. Eher alles so herantastend und im Mittelmaß angesiedelt und nach ich wäre gerne der deutsche Tarantino. Letzteres wird auch durch die Musikauswahl unterstützt. Aber gut gewürzt mit einigen herrlich spaßigen situationskomischen Momenten. Wie bei schwarzem Humor üblich, verschwimmen auch hier die Grenzen zwischen Gut und Böse und die des guten Geschmacks. Und wie üblich werden auch hier Tod und Gewalt bewusst in verharmlosender Weise verwendet und dargestellt. Man sollte also vermutlich schon über genug schwarzen Humor in seinem Herzen verfügen, um über das Für und Wider eine Leiche an Ort und Stelle, oder doch in der Badewanne zu zerteilen, lachen zu können. Ein resoluter Magen erscheint aber eher unnötig, denn richtig blutig wird es hier nie. Hier ein Klex und da ein Spritzer. Viel saftiger wird es kaum.

Möhring ist außerdem regelmäßiger Tatort-Ermittler


Toll und fast völlig positiv anzumerken sind die Darsteller, welche wirklich allesamt einen tollen Job machen, und ihre doch eher weniger tiefgründig geschriebenen Figuren, zu liebevoll schrägen Charakteren heranwachsen lassen, und mit sichtbarer Spielfreude dabei waren. Das gekoppelt mit einer wirklich sehr ordentlichen Inszenierung und Kameraarbeit, und unterlegt von einem Stimmungsmacher von Soundtrack, lassen "Sex & Crime" zu einem angenehmen Genre-Film aus Deutschland heranwachsen. Einer der mit Abstrichen auch gerne im Kino gesehen werden will. Zum Beispiel von Zuschauern die allein beim Erinnern an einen "Fargo – Blutiger Schnee", "Very Bad Things", "Sterben für Anfänger" (das britische Original, nicht das US-Remake) oder "Kleine Morde unter Freunden" bereits das Grinsen kriegen. Ja, jenen dürfte mit "Sex & Crime" ein okay gutes Programm geboten werden. Und mag man schlicht schräge, kleine, schwarzhumorige Kammerspiele, wird man hier wohl auch nicht völlig daneben greifen.

Fazit:

"Sex & Crime" ist eine schwarze Beziehungskomödie aus Deutschland, die mit sichtbarem Herz- und auch Kunst-Blut inszeniert wurde. Sie spielt dabei manchmal mehr und manchmal weniger geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer, enthält dabei aber auch die eine oder andere Länge, und neigt dazu, sich zu wiederholen. Und es gibt eine sich irgendwie unnötig anfühlende Szene nach dem Abspann, die womöglich nur da ist, weil im Film selber kein Platz mehr dafür blieb, oder weil man das heute eben so zu machen scheint.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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