Kritik:
Shark Night
von
Christian Mester
SHARK NIGHT
(2011)
Regie: David R. Ellis
Darsteller: Chris Carmack, Sarah
Paxton
Story:
Die hübsche Sara (Sarah Paxton) lädt
eine Gruppe von Freunden dazu ein,
ein feuchtfröhliches
Party-Wochenende am Seehaus ihrer
Eltern zu verbringen. Gut gelaunt
wird dort zügig das Wakeboard
gezückt, doch vor Ort dauert es dann
nicht lang, bis ein erster
Körperteile verliert. Blutend wird
festgestellt, dass Haie im See sind.
Gar verschiedene Haisorten, die
eigentlich nicht in Seen vorkommen
sollten... ein neues Geschäftsmodell
dort lebender Rednecks, die die Haie
mit Webcams (!) ausgestattet haben
um die Todesaufnahmen im Web zu
verkaufen...
Kritik:
Eins der beliebtesten Untergenres im
Bereiche Horror ist das Creature
Feature: im Deutschen, der
Tierhorrorfilm. Alles was Schnabel,
Krallen, Klauen, Kiemen oder Stachel
besitzt, stürzt sich darin tümmelnd
gefräßig auf unglückliche, meist
zudem dümmlich agierende
Menschenopfer. Die wohl größten
Stars der Branche sind dabei
zweifellos die Haie, die großen
eleganten Müllmänner der Meere.
Shark Night ist nun endlich wieder
eine aufwendig gemachte Variante für
die große Leinwand. Während der
zweite Teil des sehr ähnlichen
Piranha 3D kurzfristig auf das
nächste Jahr verschoben wurde, will
Shark Night jetzt dessen Platz
einnehmen. Die grundlegenden
Elemente sind die gleichen:
betrunkene Bikini-Teens schwimmen im
Badesee und werden von Fischen
filetiert – natürlich in 3D. Es ist
der neue Film vom Macher von Snakes
on a Plane, der sich von seinem
Sharks in a Lake Konzept wohl
ähnliches erhofft.
Die Idee, meterlange Haie zu fangen
und sie in einen See auszusetzen
klingt derart wahnsinnig, dass man
sie eher in einem Bond Film erwarten
würde. Dementsprechend meschugge
klingt es, wenn die Hinterwäldler im
Film grinsend von ihrem genialen
Plan erzählen. Es ist eine leider
spannungslose Wende, die zwanghaft
versucht, tödliche Tiere irgendwie
notdürftig mit dem modernen Aspekt
des Internets zu verknüpfen. Für den
Film, der nichts als platter Spaß
sein will, wäre das genug, da dies
einen eigentlich passenden albernen
Ton anschläge. Ein Film wie dieser
muss schließlich entweder extra
abgedreht und lustig, oder ernst und
als solcher gelungen sein. Leider
ahmt Regisseur David R. Ellis den
Vorgänger Piranha 3D nur teilweise
nach. Was er weglässt, ist nackte
Haut, schwarzer Humor, übertrieben
blutige Angriffe und flotte Action.
Stattdessen versucht er irrend,
einen ernst intendierten Thriller
wie Deep Blue Sea draus zu machen.
Die banale Geschichte ist jedoch
fade erzählt, hat keinerlei Gefühl
für Spannung und bietet bloß
oberflächliche Charaktere. Ähnlich
wie in Snakes on a Plane will man
mehr hier als sein alberne Prämisse
sein, anstatt genau das gelungen
auszukosten.
Spätestens wenn man erfährt, dass
eine der Hauptdarstellerinnen vor
einigen Jahren den zweiten Platz in
der US-Variante von Deutschland
sucht den Superstar erzielte, darf
man ahnen, woran man
schauspielerisch ist. Demzufolge
gibt es also austauschbare Gesichter
statt Schauspieler, die bloß in
Bikinis gut aussehen oder Sixpacks
haben. Talent und Ausstrahlung gehen
über die Planke - was jedoch nicht
so schlimm wäre, würde man die
eigentlichen Stars des Films
entsprechend würdigen. In Filmen wie
diesen sind die Menschen nur
Fischfutter. Die Fische selbst
schauen dieses Mal jedoch selbst in
die Röhre. Obwohl es fantastisch
aussehende Animatronics der Haie
gibt, griff man in 9 von 10 Szenen
auf billig aussehendes CGI zurück.
Ein Unding, da der Film somit weit
älter aussieht als er ist.
Effekttechnisch erinnert er an den
elf Jahre alten Kollegen, Deep Blue
Sea. Hai-Szenen gibt es nur wenige,
da Ellis in den meisten Fällen nur
die Rückenflossen zeigt und er es
lediglich hin und wieder rot
sprudeln lässt. Wenn Mensch und Tier
gleichermaßen belanglos bleiben darf
man sich also fragen, ob sich der
Abstecher zum See überhaupt lohnen
mag?
Der Film ist nicht völlig verfehlt,
da er zuweilen durchaus amüsant
ausfällt. Wie beim aktuellen vierten
Teil der Twilight Reihe ist er immer
wieder unfreiwillig lustig.
Natürlich spielt Shark Night
hauptsächlich bei Tag. Natürlich
wird immer wieder ins Wasser
gegangen. Natürlich erklärt niemand,
wie sie all die Haie haben fangen
und zum See bringen können. Wenn die
ausdrucksarmen Darsteller über
schwere Familientragödien klagen
oder jemand nach Arm-Abbeiß-Szene zu
den Haien in den Teich zurück
springt, um den abgebissenen Arm
zurückzuholen, darf man fraglos
bestens schmunzeln. Zumindest das
macht er richtig und Anbetracht des
Titels könnte es vielen so schon
genügen, hätte er mehr davon. Da
sich der Film viele
Unterwasserszenen und auch größeres
Blutbad spart, gibt es technisch
leider kaum Einsatz für die 3D
Technik. Die wenigen 3D Momente
sehen technisch gut aus, doch
aufgrund des geringen Einsatzes
nicht der Rede wert.
Fazit:
Leider kein echtes Hai-light.
Shark Night will in dieselbe Bresche
wie der gelungene Piranha 3D beißen,
hat dafür aber keinerlei Biss.
Unblutig und bieder geht es recht
spaßlos, aber auch nicht wirklich
gelungen zur Sache, sodass man
womöglich besser auf die Rückkehr
der Piranhas wartet. Die werden im
nächsten Jahr mit David Hasselhoff
aufwarten. Stattdessen Tipp: den
DVD-Film The Reef sehen.
3 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
> Deine Meinung
zum Film?
|