hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Shootout - Keine Gnade


von Christian Mester

BULLET TO THE HEAD
(2013)
Regisseur: Walter Hill
Cast: Sylvester Stallone, Sung Kang, Jason Momoa

Story:
Als Cop Taylor Kwan (Sung Kang) bei einer Mordserie auf den unverbesserlichen Dauerkriminellen Jimmy Bobo (Sylvester Stallone) stößt, legt sich das ungleiche Duo kurzerhand gemeinsam mit noch zwielichtigeren Gestalten (Jason Momoa, Christian Slater, Adewale Akinnuoye-Agbaje) an...

Kritik:
Im Januar wagte Kollege Schwarzenegger bereits den ersten kleinen Schritt gen Asia-Kino: er ließ den geschätzten Kreativkopf Kim Ji-woon (A Better Tomorrow, The Good, The Bad, The Weird, A Tale of Two Sisters) sein großes Comeback The Last Stand (>Kritik) inszenieren, was ja leider nur semi-prächtig über die Bühne ging. Der Film war gut, aber hätte fraglos noch deutlich besser sein dürfen, vor allem etwas eigensinniger, insbesondere in Hinblick auf Kims sonstiges Schaffen (wie auch Arnolds). Mit Shootout meldet sich nun also auch Stallone zurück, der... eigentlich nie wirklich weg war und seit Rocky 6 2006, wenn auch mit der ein oder anderen größeren Pause, kontinuierlich neue Filme gebracht hat. Sein Film ist filmisch nun in keiner Hinsicht asia-beeinflusster als Arnolds, stellt Sly aber den koreanischen Sung Kang (Fast & Furious 3, 4, 5, 6) als zweiten Hauptdarsteller zur Seite, den Vin Diesel bekanntlich so sehr mag, dass er die Chronologie der Fast & Furious Filme 4, 5, 6 extra für ihn maßgeblich änderte. Keine Frage, der Film soll also auch ihn als Actionstar zementieren.

Schräg ist nun, dass Stallones und Kangs Streifen schon ein paar Monate auf dem Buckel hat - so ca. zehn an der Zahl, da der Film, übrigens eine französische Comic-Verfilmung, schon 2011 gedreht wurde und ursprünglich bereits im letzten Jahr anlaufen sollte (nach Abschluss von Shootout begann Sly erst mit Expendables 2!). Ein immer vielversprechendes Zeichen, wenn ein Film mir nichts dir nichts um zahlreiche Monate verschoben wird, gell. Gell, GI Joe 2?

Tja, wäre Shootout mal asia-beeinflusster... man stelle sich The Raid-, Hard Boiled-, Revenge of
the Warrior- oder Infernal Affairs-Elemente mit Stallone vor, vor allem in Hinblick auf den hier verantwortlichen Regisseur Walter Hill, der u.a. mit The Warriors, The Driver und Last Man Standing, im Fernsehen mit Deadwood und Broken Trail, bereits einiges qualitatives vollbracht hat. Es wäre sogar relativ leicht zu machen gewesen, sind doch fast alle der genannten Titel mit geringem Budget realisiert worden. Nun gut, hat der Film halt inszenatorisch eher typisch westliche Stilrichtung und demnach ein Budget von fast 60 Millionen Dollar... nur half das hier nichts.

Der Look des Films macht schier sprachlos, da er den eines typischen, billig in Osteuropa in zwei Wochen "mal eben" runtergefilmten Seagal DVD-Films hat. Fast vollständig mit nahen Close-Ups geschossen, sind alle Szenen schlecht ausgeleuchtet, gibt es keinerlei Atmosphäre oder ansprechenden Kino-Look, dafür zahlreiche aufgesetzte Unterhaltungen bei Autofahrten, bei der Sly und Kang offensichtlich vor einer Leinwand sitzen und, wie in fast allen ihren Szenen, wenig motiviert ihre Texte runterrasseln. Ein Debakel, das es ebenso versenst, die Comic-Geschichte des prämierten Autoren Matz irgendwie verfilmenswert aussehen zu lassen: Spannung kommt keine auf, die hier und da vereinzelt eingestreute Action ist okay (der Showdown sogar annähernd nickenswert), aber nie spektakulär, und immerzu belanglos, da die "Helden" - Sly, ein abgebrühter Überkrimineller, der rücksichtlos Leute erschießt und auf dem Papier wohl als das charmante Schlitzohr durchgehen sollte aber überraschend abgestumpft wirkt, und Kang (der zwar wie 25 ausschaut aber bereits 40 ist), ein einfältiger, Handy fixierter (um notdürftigst den Draht zum Publikum Sub-20 zu erschließen) Naivling, der seinem Partner selbst nach x-fachen Rettungsaktionen noch unglaubwürdig festzunehmen droht - einem nicht wirklich ans Herz wachsen, egal wie viel geschossen, geblutet oder überlebt wird. Auffällig enttäuschend ist Sung Kang, der sich im Gegensatz zu Sly eigentlich noch behaupten müsste und hier trotz Hauptrolle weit unauffälliger erscheint als in seinen wenigen FF Szenen.

Im DVD-Bereich kennt sich Christian Slater ja leider mittlerweile gut aus, weswegen er hier als wenig überzeugend schmieriger Anwalt auch genau ins Ergebnis passt, während Jason Momoa (Conan 2012, Game of Thrones) einen soliden, aber charakterlosen Haudrauf gibt (besser in fast gleicher Rolle: Brian Thompson in Slys Die City Cobra). Adewale Akkinuoye Agbaje aus Lost und GI Joe 1 gibt hier sein bestes im Versuch, einen dreckigen Geschäftsmann zu spielen, ist aufgrund zweier Krücken und ausgelatschter Bösewichtsdialoge aber reichlich eingeschränkt. Letztes Lob bleibt für die dt. Dialogregie, die mit immer wieder amüsanten Kontern zwischen den beiden Pappnasenhelden fast an Rainer Brandts Arbeit (Bud Spencer/Terence Hill) erinnert - ein Dampfhammer ist der Film drumherum nur leider nicht.

Fazit:
Es fällt schwer, derart über Shootout zu schreiben. Stallone ist eine immer sympathische Actionbank, aber wäre er hier nicht er und brächte kein Grundcharisma mit, hätte Shootout keine Kugeln im Lauf. Kurzweilig ja, aber billig umgesetzt, außerordentlich austauschbar, nicht konkurrenzfähig und anbetracht des Budgets und versammelter Talents ein Schuss in den Ofen. Gut, Parker (>Kritik) war im Februar ähnlich schlecht und hatte weit mauerere Action, weswegen Lee Christmas einem Barney Ross gewiss absolut überhaupt nichts zu erzählen hat, aber der sah zumindest optisch noch feiner aus. Gunnar? Ja, Gunnar hat gelegentlich besseres.

2000 wurde Walter Hill mal fast ins Regienirvana verbannt, weil er den grausigen Supernova verbrach - aber das ließ man ihm irgendwann durchgehen, da Sci-Fi für ihn Neuland war. Wie der Regisseur von Last Man Standing diese simple Cop Story mit einigen blutigen... Shootouts, viel nackter Haut, Axtkämpfen und abgebrühten Gesichtern dies- und jenseits der Marke derart lieblos inszenieren konnte, bleibt ein Rätsel.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich