BG Kritik:

Sicario


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Sicario (USA 2015)
Regisseur: Denis Villeneuve
Cast: Emily Blunt, Benicio del Toro, Josh Brolin

Story:
Um einen gesuchten Drogenbaron in die Zange zu nehmen, schließt sich die idealistische FBI Agentin Kate Macer (Emily Blunt) einer zwielichtigen Sondereinheit an, die grenzüberschreitend agiert. Im Grenzgebiet jedoch könnte der mysteriöse Verbindungsmann Alejandro (Benicio del Toro) bald ihre einzige Unterstützung sein…

No Country for Dark Thirty.

Ein Sequel ist bereits in Planung


Der neue Film von Denis Villeneuve (Enemy, Prisoners, demnächst Blade Runner 2) ist ein schonungsloser, schmutziger und mitunter sehr spannender Thriller geworden. Emily Blunt agiert darin als Proxy für das idealisierte Bild einer Bundesagentin. Ihre Macer geht nach Regelwerk vor, ist furchtlos und glaubt an die Ideale ihrer Marke. Weil sie es aber satt ist, ständig auf die grausam zugerichteten Opfer der Kartelle zu stoßen, will sie sich aktiver bei der Jagd beteiligen und lässt sich dafür auf eine neue Position ein, die sie direkt an die Front dieses Krieges bringt.

Natürlich kann man sich denken, dass ihr Vorhaben nicht einfach ausfallen wird. Wo das große Geld lockt, da passen sich Loyalitäten an, wer dieses Millionengeschäft zu stören versucht, wird ausradiert, und da Kartellkiller Widersachern mit schlimmsten Toden drohen, fallen ihre Bedrohungen reichlich überzeugend aus. Obwohl der Film jedoch speziell durch sein Casting mit den Erwartungen spielt – so hat Josh Brolin, der ihren Einsatzleiter spielt, schon häufig Kriminelle und Verräter gespielt, und Benicio del Toro war erst dieses Jahr als der berühmteste aller Drogenbarone, Pablo Escobar, zu sehen – ist Sicario nicht die Art Polizei-Thriller, bei der es die ganze Zeit bloß um die Frage geht, wer aus dem Team denn der eine korrupte ist. Das mag Teil dieser Story sein, aber Villeneuve legt darauf keinen größeren Wert.

Sicario ist vielmehr auf Atmosphäre aus, auf das Vermitteln, wie es ist, in diesem endlosen (sinnlosen?) Krieg Soldat zu sein. Es ist daher ein sehr brodelnder Film. Es gibt weder große Gespräche über den Kampf an sich, noch sollte man actionreiche Schießereien erwarten. Villeneuve lässt uns Macer eingehend beobachten. Anfangs ist sie noch eine gefasste Frau, doch bald bröckelt ihre Souveränität, sie trägt jeden Tag die gleiche Kleidung, fängt an, sich und ihre Partner zu hinterfragen. Wie schon Kathryn Bigelows Bin Laden Film Zero Dark Thirty ist auch Sicario sehr realistisch gehalten, was zu einigen sehr spannenden Szenen führt, darunter einem ähnlichen Showdown mit Nachtsichtgeräten. Ohne groß bewaffnete Gangsterscharen zu zeigen, oder überhaupt einen Drogenbaron vorzustellen und seine Sicht der Dinge zu zeigen, ist die ständige Bedrohung während des ganzen Films immerwährend. Die packendste Sequenz fällt etwa zur Filmmitte, als Macer einen Gefangenentransport begleitet und jederzeit was passieren könnte, doch auch zwischendurch kommt es plötzlich effektiv zu auftauchenden Bedrohungen, mit denen man nicht rechnet.

Der Regisseur dreht als nächstes Blade Runner 2


Neben Macers Kreuzzug, der alsbald ins Wanken gerät, stellt Villeneuve immer wieder gewisse Aspekte zur Diskussion, indem er auf sie aufmerksam macht. Die Kartelle verstümmeln Opfer und lassen sie zur Warnung in der Stadt aufhängen. Die CIA foltert ihr Gefangenen. Die Drogenkuriere haben ein gewöhnliches Familienleben. Die Familien der Kartelloberhäupte sind einfach nur das, Familien, die ahnungslos im Schwimmbecken spielen. Von der US Grenze aus kann man nachts Feuergefechte in Mexiko sehen, und die bärtigen Spezialkräfte sehen jedes Mittel recht, den kriminellen Abschaum jenseits der Grenze zu halten. Letztendlich bleibt Sicario relativ vage in der Abhandlung all dieser Aspekte, was manches mal wirkungsarm oder schwammig bleibt. Es ist allerdings löblich und mutig, wie konsequent der Film zum Schluss abschließt.

Der von Kameragott Roger Deakins aufgenommene Film sieht überdies hervorragend aus, auch wenn man klar sagen muss, dass Villeneuves Entführungsthriller Prisoners noch sehr viel atmosphärischer, fesselnder und emotionaler aufgezogen war. Sicarios Kate Macer ist kein wirklich leicht zu mögender Charakter, da sie verschlossen ist und sich ausschließlich auf ihre Arbeit stürzt, ohne jetzt speziell die nachvollziehbare Motivation zu haben, einen Geliebten rächen zu wollen oder dergleichen. Josh Brolin ist mal wieder top als zwielichtiger Vorgesetzter, und über Benicio del Toros Figur erfährt man im Vorfeld am besten so wenig wie möglich. Es ist eine starke Besetzung mit guten Momenten, die aber letzten Endes ein wenig unterfordert bleibt. Leicht hätte Sicario noch intensiver oder diskutabler sein können.

Fazit:

Wer die schonungslosen, trockenen, und zynischen No Country for Old Men und Zero Dark Thirty mochte, wird die Stärken Sicarios zu schätzen wissen. Ein sehr spannender Film, der es einem mit seiner verschlossenen Hauptfigur und dem Fehlen größerer Einzelszenen jedoch mitunter schwierig macht.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

Dir gefällt BG? Unterstütz uns mit einem Klick auf

> Lies alle Meinungen zum Film! (226)

Gleich weiterlesen:


    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

    Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/yeah/kritik/kritiksicario.php on line 120

  • Whiplash   Christian Mester

  • Maps to the Stars   Christian Westhus

  • Fifty Shades of Grey   Christian Mester

  • Selma   Christian Mester
bereitsgesehen.de - Lass uns über Filme sprechen! - Home - Kritiken - Community - Specials - Impressum
Copyright 2017 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich