BG Kritik:

Die glorreichen Sieben


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

The Magnificent Seven (US 2016)
Regisseur: Antoine Fuqua
Cast: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Haley Bennett, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Peter Sarsgaard

Story: Der Süden des Wilden Westens um 1870 und kurz nach dem Ende des Sezessionskriegs: Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) vertreibt mit Hilfe des gekauften örtlichen Sheriffs und einer Armee an Söldnern die Bewohner von Rose Creek von ihren Ländereien. Wer nicht verkauft, wird erschossen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Farmerin Emma Cullen (Haley Bennett) an den aus Kansas stammenden Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington), welcher alsbald ein Team weiterer Revolverhelden um sich scharrt, um für Recht, Ordnung und Gold zu stehen. Neue glorreiche Sieben reiten durch die Steppe des Wilden Westens.

Sieben durchsieben mehr als sieben andere.

Fuqua dreht in Kürze The Equalizer 2


Basierend auf dem gleichnamigen Filmklassiker von John Sturges - in dem seinerzeit u.a. Yul Brynner, Steve McQueen und Charles Bronson gegen Eli Wallach vorgingen – welcher wiederum auf dem Akira Kurosawa-Klassiker Die sieben Samurai basierte, reiten nun unter der Führung von Regisseur Antoine Fuqua (zuletzt The Equalizer und Southpaw) neue glorreiche Sieben. Der neue Film überschreibt die Geschichte des 1960er Filmes hierbei ebenso wenig, wie es jener mit Kurosawas Film tat. Es ist schlicht eine neue Geschichte, die an einem anderen Ort, zu einer etwas anderen Zeit, von sieben anderen mutigen Männern erzählt, die gegen ein großes Unrecht angehen. So ist Bösewicht Bogue kein neuer Calvera und auch die Sieben sitzen mit neuen Namen und zu angepasster Geschichte - nach einem Drehbuch von Nic Pizzolatto (True Detective) und Richard Wenk (The Equalizer) - im Sattel. Zusammengesetzt aus einem bunten und wilden Haufen, angeführt von Denzel Washington. Er ist hier der klare Anführer der Bande, und macht auch im Wilden Westen und mit Stetson und glänzendem Colt eine tolle Figur - und kneift dabei die Augen beinahe so perfekt zusammen wie einst Clint Eastwood. Washington auf dem Fuße folgend Chris Pratt (Marvels Star Lord und Raptor-Flüsterer aus Jurassic World) als Kartenspieler Josh Faraday und Chisolms Nummer zwei, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen sitzend und eine Flasche Whiskey griffbereit hält. Dabei aber stets loyal im Sattel hinter dem Boss verbleibt und mehrheitlich für den Humor im Abenteuer der Sieben verantwortlich. Zu ihnen gesellen sich Ethan Hawke als legendärer Scharfschütze Goodnight Robicheaux, Byung-hun Lee als schnellste Hand des Ostens im Westen Mr. Billy Rocks, Vincent D’Onofrio als Trapper Jack Horne, Manuel Garcia-Rulfo als Bandido Vasquez, sowie Martin Sensmeier als mit Tomahawk und Bogen bewaffneter amerikanischer Ureinwohner Red Harvest, auf der Suche nach seiner Bestimmung.

Was bietet der 2016er Ritt von sieben Männern im Wilden Westen dem geneigten Kinopublikum denn nun an Neuem? Wenig. Aber Halt, das muss ja nichts grundlegendes Schlechtes bedeuten. Denn auch wenn Fuqua dem nicht tot zu kriegenden Genre des Westerns keinen eigenen Stempel auf die Kuhhaut aufzudrücken vermag, so bietet er doch eine Menge an Schauwerten und hat seine Qualitäten. Wenn schon nichts Neues, was bietet der Film denn dann? Unfassbar schnell ziehende und dann auch noch mit jedem Schuss Treffer landende Outlaws zum Beispiel. Hier und da gut dosierten Humor und dazu jede Menge an Action, abgerundet mit einem wenn schon nicht alles, dann wenigstens ziemlich viel wegballernden Finale. Darin enthalten Explosionen und viel zu Bruch gehendes Interior einer Wester-Kulisse. Das und mehr in routiniert und zumeist sehr ordentlich inszeniert und getragen von einem gut harmonierendem Cast. Denn allen voran der Cast ist äußerst gelungen, und lässt wirklich kaum Wünsche offen. Allein ein Denzel Washington, Ethan Hawke, Peter Sarsgaard und Vincent D’Onofrio dürften schauspielerisch über alle Zweifel erhaben sein, und können ohne Angst in den Fußspuren eines Brynner, Bronson oder auch McQueen wandeln. Chris Pratt mal außen vor gelassen, der liefert weiter nur solides Spiel ab und kann wie schon in Guardians froh sein, so viel Unterstützung durch sein von ihm ablenkendes Team zu erfahren. Er ist ohne Zweifel handsome, cool und hat Charme. Offenbart aber hier und da Schwächen in der glaubwürdigen Darstellung. Optisch gibt es im Film keine großen Makel (bis auf einen speziellen, finalen Makel, auf den später noch eingegangen wird) und so folgt auf wunderschöne Wüstenkulisse eine stimmig erscheinende Kulisse eines dreckigen Saloons, worauf es wieder hinaus geht und in die sengende Hitze eines felsigen Canyons. Reale Aufnahmen wohlgemerkt, welche nur in einigen Explosionen oder extremen Nahaufnahmen zu Pferde eine leicht sichtbare Unterstützung im Studio und aus dem Rechner zu teil wurde. Aber nichts groß dabei, was die Illusion nieder reitet und vom Winde verwehen lässt. Stimmig auch die Outfits (auch hier gibt es eine dicke Ausnahme, welche später noch erwähnt wird) und das restliche Equipment. Ein schön bunt durchgemischer Haufen an Burschen mit Waffen eben, die sauber und cool inszeniert auf alles schießen und treffen.

Washingtons Rolle war lange für Tom Cruise gedacht


Sie sind aber keine Helden. Ganz sicher nicht. Keiner von ihnen. Mörder, allesamt. Sie sind nur nicht so abgrundtief verkommen wie ihr Gegenüber und haben noch einen Rest an Werten in sich. Anders Filmbösewicht Bogue. Peter Sarsgaards verleiht Bartholomew Bogue hierbei eine offenkundig tief verwurzelte kranke Ader und (un)angenehme Bedrohlichkeit, kommt aber nur sporadisch zu Filmbeginn und zum Finale zum Einsatz. Ordentlich gespielt aber offenkundig auch mehr Mittel zum Zweck, sich für die Sieben zusammen zu schließen. Hierbei ist die Story extrem vorhersehbar und geradezu völlig schnörkellos. Man weiß jederzeit was folgen muss, und wird. Einer der Sieben reitet weg, er wird wieder kommen. Garantiert! Was sich logischerweise wie ein Spoiler anhört, ist des Wortes hier allerdings absolut unwürdig, denn genau so ist beinahe der ganze Film aufgebaut. Bösewicht tritt auf, macht böse Sachen, sieben kleine Revolverhelden versammeln sich, wachsen zusammen... Finale, Abspann und Licht wieder an im Kinosaal. Beinahe so vorhersehbar ist es. Wichtig dabei: es macht Spaß. Denn die Story erscheint ebenso wie der Bösewicht mehr als Mittel zum Zweck, um an ihr möglichst viele schicke Schießereien aufzuhängen. Ob nun zu Pferde oder im klassischen Duell - mit kurzen an Sergio Leone erinnernden Nahaufnahmen der Augen in finalen Duell. Vorher bekommt aber jeder der Sieben noch seine Szenen und Momente, auch wenn der Darsteller keinen Star-Namen wie Washington oder Pratt trägt. Fuqua gibt jedem seiner sieben Anti-Helden seine nötigen Szenen.

Schön ist es auch mal einen der Jungs zu sehen, der ein Problem mit dem Töten entwickelt hat, und offenkundig unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Nur macht Fuqua einfach nicht mehr daraus, als die PTBS als vorhanden hinzustellen. Ihm ging es offenbar mehr um das ordentlich Krachen lassen und Spaß verbreiten. Ordentlich ist dann auch der Score. Sicher nicht der einprägsamste oder bedeutendste, aber bekanntermaßen leider der letzte Score den der im letzten Jahr verstorbene Komponist James Horner (u.a. Titanic, Avatar) noch angingt. Die hinterlassenen Lücken füllte nach Horners überraschendem Tod dann Simon Franglen (arbeitete u.a. an Avatar und Southpaw mit Horner). Der entstandene Score ist zwar zumeist unaufdringlich aber stimmig und erinnert dabei deutlich an Horners äußerst gelungene Arbeit bei Martin Campbells Die Maske des Zorro sowie an dessen Sequel Die Legende des Zorro. Und hier und da klingt gar Elmer Bernsteins legendäres The Magnificent Seven-Theme in einer für Horner typischen, nach Panflöte klingenden Version an. Das passt, klingt gut und unterstreicht den Ton des Filmes. Denn trotz der ernsten Geschichte ist der neue glorreiche Sieben ein völliges Unterhaltungsprodukt geworden. Cola, Popcorn und Co. dazu gereicht, und einen schönen (Männer)Filmabend machen.

Was zur Hölle hat Regisseur Antoine Fuqua denn dabei geritten? Kommen wir abschließend noch zu den Dingen, die nicht oder nur bedingt funktionieren oder einfach nur Fragezeichen generieren dürften. Weshalb spielt Vincent D’Onofrio beispielsweise seinen Bärentypen eines Trappers mit einer derart konträren Fistelstimme? Das mag zwar auffällig und anders sein, aber das war es anscheinend auch schon damit. Strange. Oder weshalb trägt Haley Bennett immer Outfits mit einem derart offenherzigen Ausschnitt? Bennett hat sicher und unbestreitbar was zu bieten, aber davon ab stört es doch eher das Gesamtbild des Westerns mit seinem ansonsten sehr authentisch wirkendem Look. Den absolut schlimmsten Fehlgriff leistet sich der neue Film aber mit der letzten Einstellung, welche im Gegensatz zum löblich real wirkendem Rest, offenbar komplett dem Rechner entstammt. Weshalb, das wird zu klären sein. Einstellung vergessen zu drehen? Ernsthaft, jeder Filmstudent dreht einem das Notwendige an einem einzigen Nachmittag nach. Ein deutlicher Wermutstropfen als Entlassung, der dann aber nochmal abgemildert wird, in dem Elmer Bernsteins legendäres Original-Thema aus dem Western-Klassiker den Abspann begleitet. Von der Nostalgie gerettet, Herr Fuqua.

Fazit:

Wer rauchenden Colts und unfassbar treffsicheren Revolvermännern etwas abgewinnen kann - und sich von einer sehr geradlinigen Story nicht abschrecken lässt oder gar erfreut darüber ist - für den dürften auch diese glorreichen Sieben genau richtig sein. Auch, und vor allem, weil der Film Spaß macht und das Popcorn schmecken lässt. Zum neuen Meisterwerk reicht es aber nicht.

6 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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