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Kritik:
Silent Hill 2: Revelation


von Christian Mester

SILENT HILL: REVELATION
(2012)
Regie: Michael J. Bassett
Cast: Adelaide Clemens, Sean Bean, Pyramid Head

Story:
Rückblick: im ersten Teil reisten Sharon und ihre Mutter Rose in die regelmäßig in eine Albtraumwelt wechselnde Stadt Silent Hill, um herauszufinden, dass Sharon die manifestierte gute Seele eines getöteten Kindes ist - nur um dann in der Geisterstadt scheinbar auf ewig gefangen zu bleiben. Im neuen Film gelingt es Rose, Sharon zu ihrem Vater (Sean Bean) zu übermitteln, bleibt aber selbst zurück. Der Vater redet dem jungen Mädchen darauf ein, dass ihre Mutter bei einem Unfall starb und sie jetzt ein gewöhnliches Leben führen sollen, doch als Sharon (Adelaide Clemens) Jahre später anfängt, Visionen von Silent Hill zu sehen, führt es sie alsbald zurück... 

Kritik:
Das große Sorgenkind Silent Hill. Während Nachbar Resident Evil es bereits auf fünf Filme geschafft hat, die alle überaus erfolgreich liefen, wenn auch stark kritisiert sein dürfen, wollte es beim zweit-populärsten Horrorfranchise Silent Hill nicht so wirklich fruchten. 2006 kam der erste Film, der in etwa genau so viele Leute wie der erste Resident Evil in die Kinos locken konnte und demnach alle Mal erfolgreich genug war, Fortsetzungen zu rechtfertigen. Kurzum, man konnte sogar fast behaupten, es wäre die bis dato gelungenste aller Game-Verfilmungen gewesen. Der geplante Teil 2 kam dann auch, ging allerdings nach langen Unstimmigkeiten erst 2011 vor die Kamera.

Der neue Trip in die aschfahle Geisterstadt beginnt zunächst noch relativ fesselnd, mit einer ansteckend verzweifelten, mittlerweile deutlich älteren Sharon, die von gruseligen Horrorvisionen geplagt wird. Schon der erste Silent Hill bestach durch seine angenehm ungemütlichen Ungetüme, und auch Zwei ist diesbezüglich wieder voll dabei: seltsam verknotete Gesichter, bizarre Krankenschwestern, ein an einen Cenobit erinnernder Dämon, ein laufendes Gewirr aus Gliedern und Köpfen, der altbekannte Vollstrecker Pyramid Head - es wird erneut tief ins Kabinett der Abscheulichkeiten gegriffen. Wenn dann auch noch Akira Yamaokas wundervolle Musik einsetzt, die Fallout-Sirene ertönt oder es einfach nur gemächlich Asche regnet, macht Revelation eigentlich vieles richtig.

Wenn nur das Wort eigentlich nicht wäre, denn nach einem passenden Einstieg geht es plötzlich so weit auf den absteigenden Ast hinaus, dass es anfängt, zu knacken. Mit zunehmender Laufzeit werden die inszenierten Horrorszenen immer schwächer, bis das Aufkommen neuer Kreaturen nur noch lahmes Abhaken ist. Der Film verlegt seinen Fokus zu sehr auf die Wirkung seiner Handlung, die zwar niemals so sinnlos und fragwürdig wird wie in den RE-Filmen, die sich jedoch nur äußerst träge entwickelt und deren Enthüllungen leider nur wenig Pepp haben: Pyramid Head, der hier übrigens nicht so effektiv wie im ersten Teil in Szene gesetzt wird und dazu eine äußerst deplatzierte Kampfszene bekommt, darf Platz machen, denn der größere Gegner wird plötzlich aufkommende Langeweile. Während Hauptdarstellerin Adelaide Clemenes noch recht solide ist, erscheinen alle anderen Darsteller verloren: Radha Mitchell und Sean Bean aus dem ersten Teil kommen nur kurz vor, als Ritenführerin kommt eine weiß geschminkte Carrie-Ann Moss (Trinity aus den Matrix Filmen) zu nichts Nennenswertem, und ein männlicher Begleiter Sharons, gespielt von Kit Harington, schadet dem dynamischen Duo mehr als es hilft.

Ein weiterer markanter Fehler ist es, dass Revelation in 3D inszeniert ist. Was beim fallenden Ascheregen noch nett gemeint sein mag, stört den Film spätestens dann merklich - egal ob 2D oder 3D-Fassung - wenn die ersten speziell für 3D entwickelten Sequenzen auftauchen: Körperteile fliegen in die Kamera und Waffen wie Pyramid Heads Schwert poppen hervor, nur sieht es fast jedes Mal billig aus - kein Vergleich zum fraglos sensationellem 3D in den letzten zwei Titeln des Hauptkonkurrenten. Es reist darüber hinaus unnötig aus der (ohnehin recht zügig) abfallenden Atmosphäre, bis es nur noch den Effekt eines platten Jahrmarkt-Gimmicks hat. Mit Wilderness und Death Watch hat Michael J. Bassett zuvor bereits zwei passable, wenn auch nie wirklich überragende Horrortitel inszeniert, doch Silent Hill scheint ihm eine Nummer zu hoch zu sein. Die feinfühlige Regie Christophe Gans' aus dem ersten Film ist kläglich vermisst, und so wirkt der Film vielmals wie ein eilig zusammengeklatschter Nachschlag mit ahnungslos eingesetztem 3D, was hinsichtlich der langen Wartezeit zwischen den beiden Filmen unverzeihlich ist.

Fazit:
Welcome to Silent Hill? Generell gern, aber nicht wenn es wie in diesem Fall derart lieblos zusammengeschustert wird. Schnell abfallende Spannung, eine lahme Geschichte, zumeist wenig wirkungsvolle Horrormomente und störende 3D-Szenen machen Silent Hill 2 zu einer eher unschönen Revelation.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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