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Kritik:
Silver Linings
Wenn du mir, dann ich dir


von Christian Mester

SILVER LININGS PLAYBOOK
(2012)
Regie: David O. Russell
Cast: Bradley Cooper, Jennifer Lawrence

Story:
Der ehemalige Lehrer Patrick (Bradley Cooper) hat eine schwere Zeit hinter sich; als er seine Frau im Bad mit Arbeitskollegen erwischte, führte es bei ihm zu einer bipolaren Störung, die ihn seither ständig impulsiv, aggressiv und unfähig gemacht hat, seine neue Lage zu erkennen. Als er nach einem Anstaltsaufenthalt wieder bei seinen Eltern (Robert De Niro, Jacki Weaver) vorbeischaut, versucht er weiterhin verzweifelt, seine Ex zurück zu gewinnen. Dabei läuft ihm die ebenfalls emotional und psychisch angeknackste Tiffany (Jennifer Lawrence) über den Weg... 

Kritik:
Jennifer Lawrence, mittlerweile Star der Hunger Games und X-Men Franchises, ist gerade mal 22 Jahre alt und war bereits Oscar nominiert - für ihren neuen Film Silver Linings dürfte sie nun wohlverdient erneut nominiert werden, vielleicht sogar gewinnen. Das neue Drama von David O. Russell (I Heart Huckabees, The Fighter) ist zwar grundsätzlich auf Hauptdarsteller Bradley Cooper zugeschnitten, der selbst ebenfalls gut ist und fraglos die beste Leistung seiner Karriere zeigt (ebenfalls schauen: Ohne Limit), doch Lawrence' große Nebenrolle stiehlt jedem im Film, selbst einem durchaus motivierten Robert De Niro, das Spotlight. Als zerrissene junge Frau, die früh geheiratet und ihren Mann früh verloren hat, dann in Medikamente und Sexsucht abgerutscht ist, spielt sie ungemein facettenreich, charismatisch und faszinierend. Nach außen ein schroffer, abgefuckter Trotz der Welt gegenüber, sieht sie sich alsbald als Rettung für den vermeintlich konstant abgelenkten Cooper. Sie taut auf und lässt sich fallen, lässt sich wiederum aber nichts gefallen, während sich nach und nach herauskristallisiert, wo ihr eigentliches Glück liegt und wie sie dem näher kommen kann.

Blinzelt man grob, ist Silver Linings in erster Linie eine simple, womöglich vorhersehbare Romcom, in der zwei "damaged goods" zueinander finden und sich dadurch wieder reparieren. Dem mag so sein, doch Russell macht soviel mehr draus. Mit Hilfe seiner großartigen Darsteller macht er seine Figuren zu komplexen, aber immer nachvollziehbaren Figuren, trifft genau die richtigen emotionalen Töne - und das stets, ohne den Film je seine Unterhaltung verlieren zu lassen.

Man mag es vielleicht nicht erwarten, aber Silver Linings ist ein sehr lustiger Film geworden, der gänzlich ohne niederen Humor auskommt und stattdessen durch erstklassige Situationskomik und bissigste Dialoge besticht. Und das, obwohl der Film die Krankheiten der Charaktere und dessen Schwere sehr respektvoll einfängt, sodass man trotz der daraus entstehenden amüsanten Szenen, etwa, wenn Cooper des Nachts wie ein verrückter das Haus durchkramt, bis die Polizei auftaucht, stets mit, statt über den Charakteren lachen kann.

Was den Film letzten Endes jedoch davon abhält, mit der mitreißenden Performance Lawrence' mithalten zu können, ist ein relativ schwacher letzter Akt. Bis dahin kann Russell mit den üblichen Romcom-Konventionen spielen und mit seinen tollen Dialogen und Figuren ablenken, doch da er sich auch bis zum Schluss am zu Erwarteten hält, spitzt es sich dann zu einfach zu und wird auch zu einfach aufgelöst. Cooper und Lawrence werden in misslicher Lage in eine Doppelwette verstrickt, die sich unschaffbar anhört, doch sie ist zugleich so übertrieben, dass es zu cineastisch wird - und so verläuft es dann auch viel zu vorhersehbar, und es wird so eng, dass kein Platz mehr für großartige Dialoge oder Charaktermomente bleibt. Ein etwas kitschiger Epilog setzt dem dann auch noch die Krone auf, sodass Silver Linings letzten Endes nur richtig gut, und nicht außergewöhnlich ist. Russells Regie und Danny Elfmans Score sind gut, doch beides bleibt extra relativ dezent unauffällig, um den beiden Hauptfiguren die hier verdiente Bühne zu überlassen.

Fazit:
Silver Linings ist eine nette kleine romantische Komödie mit großartigen Dialogen und Darbietungen geworden, die man sich vor allem wegen Jennifer Lawrence ansehen darf.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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