BG Kritik:

Sleepless - Eine tödliche Nacht


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

Sleepless (US 2017)
Regisseur: Baran Bo Odar
Cast: Jamie Foxx, Michelle Monaghan, David Harbour, Scott McNairy

Las Vegas: Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Vincent Downs (Jamie Foxx) ein korrupter Polizist ist. In SLEEPLESS nimmt er sich Undercover einen Nachtclub vor. Doch während seines Einsatzes läuft leider so einiges schief: Es fliegt auf, dass er ein Cop ist, er wird niedergestochen und zu allem Übel geht ihm auch noch eine Tasche voller Kokain verloren. Ein paar Gangster (Dermot Mulroney und Scoot McNairy) entführen seinen Sohn, um mit diesem Druckmittel die Ladung Drogen zurückzufordern. Vincent muss nun das abhandengekommene Kokain zurückgewinnen, um seinen gekidnappten Sohn vor den diversen Verbrechern zu retten, die es auf ihn selbst abgesehen haben. Zugleich versucht er zusammen mit seinem Partner (T.I.), im Kasino den Anhängern des kriminellen Anführers zu entgehen. Und als wäre das noch nicht genug, ist ihm zusätzlich eine Internal-Affairs-Ermittlerin (Michelle Monaghan) auf den Fersen.

Baran Bo Odar wagt den Schritt nach Übersee mit dem Remake eines französischen Actionthrillers. Ob das diesmal klappt?

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Hollywood und seine Debütanten aus Deutschland. Es ist eine tragische Geschichte, die nur in den seltensten Fällen noch ein Happy End finden kann. Jüngst erst versuchte auch Dennis Gansel den Sprung über den großen Teich. Aber was sucht er sich aus bzw. wird ihm angeboten? Ein Sequel zu dem Jason Statham-Actionfilm THE MECHANIC (2011). Der Regisseur hinter u.a. NAPOLA (2004), DIE WELLE (2008) und WIR SIND DIE NACHT (2010) wird zu einem weiteren Auftragsregisseur degradiert. Am Ende kehren die meisten geläutert wieder in die Heimat zurück. So erging es Oliver Hirschbiegel (durfte ein Remake in Amerika drehen), Florian Henckel von Donnersmarck (ebenfalls mit einem Remake abgefrühstückt worden) oder auch einem Christian Alvart, der zumindest Originalstoffe für den englischsprachigen Markt inszenieren durfte und danach in Deutschland mehr oder weniger großen Erfolge mit Til Schweiger und den Hamburger Tatorten feiern durfte. Ausnahmen wie Tom Tykwer oder Roland Emmerich bestätigen die Regel. Doch woran liegt diese Entwicklung? Ist es für den aufstrebenden, jungen, deutschen Regisseur die Spitze des Eisberges in Amerika einen Film in Szene setzen zu dürfen? Sei der Stoff auch noch so anders als das was sie bisher in Deutschland gedreht haben. Baran Bo Odar reiht sich nun in diese Riege ein. 2010 konnte erstmals mit seinem gelungenen Krimi-Thriller DAS LETZTE SCHWEIGEN eine größere Aufmerksamkeit erringen. WHO AM I (2014) war dann nochmals, im Bereich der Zuschauerzahlen, größerer Erfolg und weckte auch das Interesse in Hollywood. Odar folgte den Verlockungen und man bot ihm die Regie beim Remake des französischen Films NUIT BLANCHE (Sleepless Nights – Nacht der Vergeltung, 2011) an. Er sagte zu und so nimmt die Geschichte erneut ihren (tragischen?) Lauf.

Die Prämisse des Originals findet sich selbstverständlich im Remake auch wieder. Nach dem ersten Drittel des Films spielt der Film nämlich nur noch an einem Ort, zu dem nach und nach alle Parteien eintreffen. Dazu gesellt sich ein Spiel mit der Doppelbödigkeit der verschiedenen Akteure. Während im Original der in Berlin geborene Tomer Sisley (dem ein oder anderen bekannt aus den beiden LARGO WINCH-Filmen) die Hauptrolle übernahm, ist es nun Jamie Foxx. Wie auch sein charakterlicher Vorgänger bekommt er zu Beginn des Films eine Wunde zugefügt, die ihn immer wieder beim Kämpfen stören soll. Anders aber beim Original ist dies nur einer der vielen Komponenten, die ihm Remake weniger gelungen in Szene gesetzt wird. Selbstverständlich behindert ihn die Verletzung, doch scheint es jedes Mal erstmal für ein bisschen Kampf zu reichen, bis er sie wieder bemerkt. Da ist dann stellenweise doch etwas unglücklich inszeniert. Jamie Foxx wirkt hier generell etwas unbeholfen in der Rolle des korrupten Cops, der gleichzeitig auch Vater sein soll und irgendwie unter dem Druck des Jobs leidet. Wie das ganze familiär am Ende geschlossen wird, wirkt schließlich dann auch mehr wie eine Parodie. So darf Gabrielle Union als seine Ex-Frau und Krankenschwester (was sonst?) ihn immer mal wieder anrufen. Das Element gab es auch so im Remake, aber auch hier gilt wieder, dass die Ideen des Remakes, dieses Element etwas zu verändern, nicht zum Besseren geführt haben. Michelle Monaghan hat so etwas wie die weibliche Hauptrolle inne, langweilt sich aber viel mehr durch die Geschichte, was auch damit zusammenhängt, dass sie nicht viel zu tun bekommt. Andererseits spielt sie auch eine Figur, welcher der Zuschauer immer eine Naselänge voraus zu sein scheint.

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Die Vorhersehbarkeit ist auch, ohne die Kenntnis des Remakes, wo auch in diesem Bereich vieles 1:1 adaptiert wurde, ein großes Problem des Films. So verliert das an sich reizvolle Szenario vieles seiner Möglichkeiten. Es ist schwer herauszufiltern was in dem Film für sich genommen funktioniert. Die emotionalen Momente wollen keine Emotionen beim Zuschauer evozieren, da die Beziehungen der Charaktere früh mit dem Holzhammer auf den Zuschauer eingeschlagen werden. Die Action-Momente sind zu wenig und unspektakulär um bleibenden Eindruck zu hinterlassen und Spannung will nur selten aufkommen, da man meist, von der Inszenierung gewollt oder nicht, die nächste Wendung schon weit vorher erahnen kann.

Fazit:

Ein weiterer Eintrag in die Geschichte um das Scheitern deutscher Regisseure in Hollywood. Dies liegt nicht nur am Remake-Charakter des Stoffes, sondern auch daran, was man am Ende daraus gemacht hat. Zu standartisiert und eintönig ist das Gezeigte. Neue Ideen sucht man hier vergebens, auch eine Handschrift Baran Bo Odars gibt es hier nicht. Für einen Abend zum Berieseln vielleicht ok, aber das kann ja auch nicht immer der Anspruch von Machern eines (Kino)Films sein.

3,5 / 10

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