BG Kritik:

Small Town Killers


Manuel Föhl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen. Als Redakteur ist er u.a. für 35 Millimeter - Das Retro Filmmagazin, DEADLINE - Das Filmmagazin und bereitsgetestet.de tätig.

Small Town Killers (2016)
Regisseur: Ole Bornedal
Cast: Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Mya Lyhne

Ib und Edward haben genug von ihren Frauen. Sie wollen nicht mehr mit ihnen ins Bett und mit ihrem durch Schwarzarbeit erwirtschafteten Ersparten streben sie sowieso ein besseres unabhängiges Leben an. Nach einer feuchtfröhlichen Nacht beschließen sie einen russischen Auftragskiller zu beauftragen ihre Frauen zu beseitigen, damit sie ihr Vermögen nicht mehr mit ihnen teilen müssen. Doch schon am nächsten Tag bereuen sie diesen Plan.

Ole Bornedal kehrt in sein Heimatland zurück. Was kann man sich von der Rückkehr versprechen?

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Die Bezeichnung der Rückkehr des dänischen Regisseurs Ole Bornedal in sein Heimatland, müsste man eigentlich direkt relativieren. Denn eigentlich bezieht sich diese Rückkehr nur auf den Spielfilm, da er bereits mit der Serie 1864 (2014) ein Projekt in Dänemark realisiert hatte. Bei der bis dato teuersten dänischen Serie aller Zeiten, führte er bei allen acht Episoden Regie und reiht sich damit in die Riege an Filmemachern ein, die versuchen im Fernsehen ihr Glück zu finden und mit den dortigen narrativen Möglichkeiten ein für sie befriedigendes Erlebnis zu schaffen. Ole Bornedal hatte im Laufe seiner Karriere immer wieder zurück nach Dänemark gefunden, was vor allen Dingen an seinem Willen lag sich nie auf ein Genre festlegen zu müssen. Sein Kinofilm-Debüt NACHTWACHE (1994) öffneten ihm direkt die Türen nach Hollywood, wo man ihn ein Remake des Films machen ließ und er parallel das US-Spielfilmdebüt von Guillermo del Toro (MIMIC (1997) mitproduzierte. Doch zufriedenstellen konnten ihn die Erfahrungen in Amerika scheinbar nicht, da danach die meisten seiner Filme wieder in Dänemark entstanden sind. Dabei entstanden skurrile Filme für ein familiäres Publikum wie ALIEN TEACHER (2007) neben Thrillern wie BEDINGUNGSLOS (2007) und DELIVER US FROM EVIL (2009. Nur der solide Horrorfilm THE POSSESSION (2012) mit Jeffrey Dean Morgan ließ ihn nochmals über den Teich springen. Angesichts so einer ambivalenten Filmografie, sollte also auch ein SMALL TOWN KILLERS (2017) sich sehr gut einordnen lassen können. Sollte.

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Ein Paar hat eine Sitzung zur Beratung. Der Mann scheint nur noch sexuelles Interesse an seiner Frau zu haben, was er vehement verneint, aber dann doch auch nicht ganz von sich weisen möchte. Die Beziehung zwischen zwei Menschen steht und fällt mit der Leistung im Bett beziehungsweise dem Willen diese zu praktizieren. Man stelle sich diese Diskussion vor, indem jede Aussage einen Witz bringen muss und jede Aussage ein Klischee erfüllen sollen. Willkommen in der ärgerlichen Welt von SMALL TOWN KILLERS. Ist es Ole Bornedals Alter oder die Unlust am Stoff generell, die den Film teilweise in solche Fremdschäm-Momente abdriften lässt. Eine Antwort darauf lässt sich wohl erstmal nicht geben. Ulrich Thomsen und Nicolas Bro, die nun wahrlich nicht unerfahren mit den Eigenheiten der skandinavischen Komödie sind – beide spielten beispielsweise in ADAMS ÄPFEL (2005) mit – spielen hier ein Duo als Abziehbilder von Männern in der Midlife-Crisis. Die Langeweile zu Hause liegt an den Frauen und man selbst will nochmal ein neues, unabhängiges Abenteuer im Leben suchen und finden.

So kämpft sich der Film in seinem ersten Drittel durch eine Exposition, die einen nur so mit dem Kopfschütteln lässt. Liebe zwischen Menschen ist hier nicht vorhanden, sondern nur der beliebte Kampf zwischen den Geschlechtern, der nur mit Witz und Beleidigungen gelöst werden kann. Das Engagement eines Serienkillers passt in die skurrile Komödie, doch ist es im Grunde nur ein weiteres Mittel um rassistische Klischees humorvoll auszutreten. Wenn man glaubt der Film könne irgendwann Kapital daraus schlagen, dass er womöglich inhaltliche Erwartungen unterläuft, so passiert dies nur selten. Den Lauf den die Handlung nimmt kann man nicht immer direkt vorausahnen, doch das große Ganze wird auffallend schnell klar und mündet denn auch in einem Happy-End-Finale, was dem auch sonst unbefriedigenden Film gerecht wird.

Fazit:

Locker Ole Bornedals bislang schlechtester Film. Nur wenig Lichtblicke erinnern an sein bisheriges Können, welche dann aber auch mehr aus den anderen Departments wie Kamera und Filmmusik hervorscheinen. Peinliche Fremdschäm-Momente reihen sich in ein Drehbuch voller Klischees und wenig Überraschungen ein.

4 / 10

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