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Kritik:
Smashed


von Christian Westhus

SMASHED
(2013)
Regie: James Ponsoldt
Cast: Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul

Story:
Kate und Charlie sind verheiratet. Die durchwachsene, aber erträgliche Jobsituation macht beiden nichts aus, solange sie sich und ihre gemeinsamen Abende in Bars und Kneipen haben. Beide denken nicht groß über ihren Alkoholkonsum nach, bis die trinkfeste Kate in mehrere unangenehme Situationen gerät. Vom Kollegen angeregt, beschließt sie zu Alkoholiker-Treffen zu gehen, was der unaufmerksame Charlie für überflüssig hält.

Kritik:
Alkoholismus ist ein ständig präsentes Thema im Kino, insbesondere im amerikanischen Kino. Klassiker, wie Billy Wilders „Lost Weekend“, erschütternde Dramen, wie „Leaving Las Vegas“, oder jüngst „Flight“ mit Denzel Washington schildern insbesondere die männliche Seite der Alkoholsucht. Frauen trinken seltener, doch zum Beispiel Elizabeth Taylor („Wer hat Angst vor Virginia Woolf“) oder Sandra Bullock („28 Tage“) haben auch diesen Faktor vorweggenommen. Es gibt nicht viel, was „Smashed“ wirklich neu oder außergewöhnlich erscheinen lässt. Das zuweilen arg formelhafte Script klappert erwartungsgemäß die am nächsten liegenden Stationen ab, lässt nur die Frage offen, ob wir es mit einem positiven, oder einem negativen Ende zu tun haben. Doch ein nach wie vor zeitgemäßes und wichtiges Thema wie „Alkoholismus“ braucht gar keine Innovationen oder neuen Ideen. Es sind noch immer dieselben Ideen, die noch immer Relevanz haben. 

Dass sich mit Mary Elizabeth Winstead hier eine hübsche, junge Frau mit Alkoholproblemen herumplagt ist dennoch (aus filmischer Sicht) erfrischend genug. Häufig sieht man jedenfalls nicht, wie eine solche Person nach einer alkoholisierten Nacht mit weiterführenden Drogen irgendwo auf einer zerschlissenen Couch in einem Hinterhof aufwacht und ihre Irritation danach bei einem Mittagsbier mit ihrem Mann bespricht. Statt uns simpel und eindeutig den vermeintlichen Höllenschlund des Alkoholismus zu präsentieren, lernen wir Kate als scheinbar lebensfrohe junge Frau kennen, die beim Karaokeabend in der Bar eigentlich nur Spaß hat und die ihre Grundschüler mit viel Einsatz und Lehrfreude unterrichtet, auch wenn sie dabei angetrunken ist. Kontrollverluste häufen sich und natürlich ist die betäubende Wirkung des Alkohols nicht einfach nur Ausdruck von Lebensfreude, sondern ist auch mit einer Art Flucht und Selbstbetrug verbunden. Doch es braucht eine Weile, bis Kate dies einsieht.

Für Winstead, die am ehesten durch eine kleine Rolle in Quentin Tarantinos „Death Proof“ und als Ramona Flowers in Edgar Wrights Comic-Videospiel-Nerd-Extravaganza „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ bekannt ist, ist es die erste bzw. bisher markanteste wirkliche Schauspielrolle. Zielsicher und überzeugend meistert sie in nahezu jedem Moment die Gefahren, die sich jedem Schauspieler stellen, der betrunken spielen soll. Winstead macht nicht nur die Sucht ihrer Figur spürbar, sondern auch die innere Unruhe und Unsicherheit vor und während des Entschlusses zum Wandel. Mit sympathischen Nebenrollenauftritten für Nick Offerman und Oscargewinnerin Octavia Spencer („The Help“) vermeidet der Film auch in den Gruppensitzungen der Selbsthilfe weiterhin geschickt, zu belehrend oder zu einseitig finster zu sein. Im Gegensatz dazu Kates Ehemann Charlie, den Aaron Paul als einfach gestrickten, perspektivlosen Rumhänger spielt, der mit dem einfachen Leben zufrieden war. Paul, der in der Erfolgsserie „Breaking Bad“ eine vergleichbare Rolle spielt, steht ganz in Diensten von Winstead, ist aber dennoch ein ganz zentraler Faktor der Geschichte. Sucht ist schlecht und der Schritt zum Wandel schwierig, doch dieser Wandel bezieht sich nicht nur auf das eigene Konsumverhalten. Für Kate wird es als Abstinenzlerin zunehmend schwieriger, den gedankenlos weitertrinkenden Charlie um sich zu haben. Die Ehe droht zu zerbrechen. Und damit die Geschichte ihr dramatisches Potential ein wenig erweitert, droht auch eine Lüge, die Kate aus Selbstschutz benutzte, bald zu platzen. 

Durchweg gut gespielt, ist „Smashed“ eine überraschend leichte und auch humorvolle, aber dennoch ehrliche und zutreffende Schilderung von Alkoholsucht und dem Wunsch nach Befreiung. Die lebendigen Figuren lassen uns der relativ überraschungsfreien Geschichte folgen. Inszeniert im weit verbreiteten Stil aktueller US-Independent Filme, mit natürlichen Bildern und einer beweglichen Kamera, die ein wenig wacklig und unfokussiert hin und her eiert, nicht immer das Wesentliche im Blick hat. Die Umsetzung – auch beim Schnitt – offenbart kleinere Mängel, doch unterstreicht auch, was für ein Film „Smashed“ eigentlich ist. Ein kleiner, unabhängig produzierter Film zu einem Thema, das (leider) stets aktuell ist und immer mal wieder neu durchgespielt werden darf. Aufgabe erfüllt.

Fazit:
Überzeugend gespieltes Drama über Alkoholsucht und die Konsequenzen, die mit dem Wandel kommen. Lebendige Figuren und ein angenehm unverkrampfter Ton, der nie zu bedrückend, nie zu oberflächlich wird, machen die relativ überraschungsfreie Geschichte sehenswert.

7 / 10

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