Kritik:
Source Code
von
Christian Mester
SOURCE CODE
(2011)
Regie: Duncan Jones
Cast: Jake Gyllenhaal, Vera Farmiga
Story:
Kampfpilot Colter Stevens wacht orientierungslos in einem Personenzug
auf. Vor ihm eine Fremde, die ihn mit anderem Namen anredet. Bis der
Zug plötzlich explodiert. Mit der neuartigen Source Code
Technologie ist es möglich, wenige Minuten in den letzten
Erlebnissen eines Toten zu sehen und darin zu agieren. Es ist nun an
Stevens, den Verantwortlichen für die Zugexplosion ausfindig zu
machen, da ein erneutes Attentat droht. Die Zeit drängt.
Kritik:
Denkt man mal
darüber nach, startet Source Code auf dem völlig
falschen Fuß. Der Held muss eine tickende Bombe finden,
entkommt ihrer drohenden Explosionsgefahr aber immer wieder, indem er
es einfach mehrfach neu probieren darf? Ein Einfall, der jegliche
Spannung effektiv zunichtemacht. Mal ganz abgesehen davon, dass der
Film bloß Variation des typischen Einer-gegen-die-Zeit
Musters ist, ergeben sich somit schon vor Filmbeginn Sorgen, denen nur
ein Argument gegenübersteht: Duncan Jones. Moon Duncan Jones.
Eine schlechte Nachricht sogleich vorweg: man merkt nicht, dass der
Film von einem Jones-Kaliber ist – sein rund sechsmal so
teurer Source Code ist ein austauschbarer 0815-Hollywood-Thriller
geworden, den wohl jeder tauglich Werksregisseur Hollywoods
ähnlich hinbekommen hätte. Die gute indes? Wie die
meisten einfallslosen Genre-Titel ist auch dieser durchaus
unterhaltsam.
Es macht einfach Spaß,
mit anzusehen, wie Jake Gyllenhaal im übernommenen
Menschen-Avatar im Waggon herumschnüffelt und sich das
Geschehen um ihn herum dabei immer neu entwickelt, doch aufgrund der
Tatsache, dass er eigentlich vergebens arbeitet, da alle Passagiere
vermeintlich unumkehrbar gestorben sind, ist der Ernst der Lage
nichtig. Es spielt keine Rolle, ob Colter Erfolg hat oder nicht, da er
sich (aus Anfangssicht) mehr oder weniger wiederholt bloß ein
Video ansieht. Daraus hätte man mehr machen können,
beispielsweise, indem Colters Geist nur eine gewisse Anzahl von
Wiederholungen erträgt, doch derartiges fehlt; auch wird es
kaum zum Thema gemacht, den nächsten drohenden Bombenanschlag
aufzuhalten. Die fehlende Brisanz scheint auch das Script zu kennen,
weswegen es der Figur noch eine alternative Aufgabe mit auf den Weg
gibt. Da er seinen vermeintlich offiziellen Auftraggebern nicht trauen
kann, versucht Colter irgendwann, aus dem mysteriösen Source
Code Programm zu fliehen, um nicht auf ewig dieselben acht Minuten im
explodierenden Zug erleben zu müssen. Das fruchtet
unterhaltstechnisch jedoch ebenso wenig, da behind the scenes fortan
nur noch Knöpfe gedrückt werden und sich ala Metal
Gear Solid ellenlang in Funkgesprächen unterhalten wird; einen
echten, hervorragenden Bösewicht oder eine echte
Gegenüberstellung misst man. Ebenfalls misslungen ist eine
Sache, die man sich vom ähnlichen „Und
täglich grüßt das Murmeltier“
hätte abschauen können – in der Erinnerung
sind Colter und Monaghans Figur bloß Freunde, doch
hätte Colter die Vision schon lange Zeit wiederholt,
hätte sich so eine glaubhafte Romanze seinerseits entwickeln
können. So wirkt es leicht befremdlich, dass er sich Hals
über Kopf in jemanden verliebt, die er im Grunde gar nicht
kennt, die bis dato eigentlich jemanden anderen vor sich hatte und
– die eigentlich gar nicht (mehr) existiert. Colter wirkt
auch zu kalt, zu besorgt die Bombe zu finden, redet zu wenig mit seinem
hübschen Gegenüber, um mehr als reine Sympathie
aufzubauen.
Colters Revolte erlebt keinen
ausgeklügelten Aha-Masterplan und auch die Offenlegung der
Hintergründe des Source Code Programms haben letzten Endes
keine wirkungsvollen Überraschungen inne; Source Code ist kein
neuer Matrix oder Inception, es ist Zurück in die
Vergangenheit / Quantum Leap – Der Film. Generischer
Sci-fi-Thrill, der nur zum Schluss kurz mit übergreifenden
Ideen spielt, sich dabei aber blamabel im Kitsch verjongliert und
mächtig aufs moralische Eis schlittert, lässt man
sich mal durch den Kopf gehen, was die Mechanismen des SC-Programms
bedeuten.
Dass der Film trotz seiner Macken nicht abzuschreiben, sondern gar
überdurchschnittlich ist, darf man der allgemein guten Arbeit
verdanken. Gyllenhaal als neugieriges Soldaten-Versuchskaninchen, Vera
Farmiga als kameradentreue Soldatin, Jeffrey Wright als
nebulöser Wissenschaftler und Michelle Monaghan als mehrfaches
Bombenopfer sind allesamt solide und weit besser, als es die
eindimensionalen Rollen vom Papier hergeben; man merkt, dass sie mit
ehrlichem Interesse am Stoff teilnehmen. Source Code ist als Film zudem
fachmännisch gut umgesetzt und wird nie langweilig, nie
schlecht inszeniert. Ein flotter, glücklicherweise nie
unübersichtlicher und hastiger Schnitt und ein gut
korrespondierender Score treiben das Tempo voran, auch wenn man es
letzten Endes sicherlich schade finden darf, dass es keine echte
Actionszene gibt. Was das betrifft, wird man die nächsten
Jones‘ abwarten müssen.
.
Fazit:
Source Code hat diverse
Mängel in seinem Quellcode, funktioniert aber trotz allem. Ein
solider Sci-Fi-Streifen für nicht allzu hoch gesteckte
Erwartungen, ganz im Stile von Deja Vu, Gegen die Zeit und Out of Time.
5,5
/
10
10
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5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
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