BG Kritik:

Southpaw


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Southpaw (US 2015)
Regisseur: Antoine Fuqua
Cast: Jake Gyllenhaal, Forest Withaker, Rachel McAdams

Story: Billy Hope (Gyllenhaal) ist ein begnadeter Boxer und Champion, doch eines unglücklichen Tages verliert er alles in seinem Leben: seine Karriere, sein Vermögen, seine Frau und das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Zu Boden geschlagen, rappelt er sich nur langsam wieder auf, bis er im Fitness-Studio des alten Willis (Withaker) neuen Mut gewinnt…

Angeschlagen.

Southpaw bezeichnet Boxer, die mit links schlagen


Jake Gyllenhaal gehört ohne Frage zu den interessantesten aktiven Schauspielern. Mit Donnie Darko, Brokeback Mountain, Jarhead, Zodiac, Prisoners, Enemy und Nightcrawler hat er in einigen der besten Filme der letzten Jahre mitgespielt, und er verzichtet regelmäßig auf Angebote für mögliche Blockbusterprojekte. Sein neuester Film ist ein Boxerstreifen, der wie zuvor Raging Bull, The Fighter, Zwei vom alten Schlag, Hurricane, Das Comeback, Undisputed und Warrior den legendären Fußspuren Rocky’s folgt.

Das Untergenre des Boxfilms ist ein beliebtes, und fraglos auch eines, dass mittlerweile von einer gewissen Formel geprägt ist. Southpaw, den Fuqua vor 10 Jahren übrigens schon mit Eminem in der Hauptrolle drehen wollte, schlägt keine neuen Wege ein. Hat man einige Boxfilme gesehen, kennt man den Handlungsverlauf bereits im Voraus. Leider wird dabei auch merklich, dass Southpaw öfters mal daneben schlägt.

Eminem sollte die Hauptrolle spielen, ist nur noch mit Musik vertreten


Gyllenhaal hat sich eine beeindruckende Figur antrainiert, kann aber nicht viel aus der eindimensionalen Psyche Hopes machen. Hope ist ein introvertierter Rebell, einer, der ungern mit anderen Menschen spricht, sich aber auch von keinem was sagen lässt. Er ist Rocky ohne dessen Leichtigkeit und Liebenswürdigkeit, ein Ivan Drago ohne überzeichnete Karikaturenelemente. Er setzt vertrauend darauf, dass Fuqua Hopes innerem Kampf Bedeutung beimisst und so aus dem nur vage sympathischen, schwer zu bemitleidenden Boxer was Interessantes wird, doch der Regisseur belässt alles bei Oberflächlichkeiten. Es gibt eine Figur im Film, die speziell für Hopes Herz steht und jeden ihrer Momente aufwertet, doch sie verlässt den Film viel zu früh, und das ist eine Wunde, die nicht mehr geflickt wird. Eigentlich muss sich der Film inhaltlich genau darauf zukämpfen, dass Hope das verlorene Herz bei sich selbst findet, aber das schafft er entgegen aller Ereignisse nicht emotional.

Forest Withaker als griesgrämiger Coach ist sympathisch, weil es eben Withaker ist, doch der Veteran kann aus der Trainerrolle ebenfalls nichts Eigenes, nichts Inspirierendes, nichts Denkwürdiges schöpfen. Eklatante Schwächen zeigen sich in der gegnerischen Ringecke. Der unbekannte Miguel Gomez spielt den zu schlagenden Endgegner Hopes, und bleibt dabei sogar blasser als Tommy Gunn, der fraglos schwächste aller Rocky Gegner. Rapper 50 Cent spielt Hopes ehemaligen Manager, der in teuren Anzügen aufläuft und Billy scheinchenwedelnd auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen versucht. Dementsprechend subtil sind ihre Auseinandersetzungen, und dass der Mann mit Namen Hope ausgerechnet seine Hoffnung zurückgewinnen muss, bleib zu aufgesetzt. Immerhin gibt es keine "Hope" skandierenden Fanchöre.

Fuqua weiß selten, was für eine Geschichte er erzählen will. Die des ehemaligen Straßenkinds, das die Villa verlor und sich erneut auf der Straße behaupten muss? Die des verletzten Vaters, der seine Tochter wieder in seine Arme schließen will? Die des Alpha Raufbolds, der das Auge des Tigers aus den eigenen verloren hat und nun wiederfindet? Wie alle Boxerfilme ist auch Southpaw mit Montagen gefüllt, doch das Gefühl mitreißender Motivation hält sich doch eher in Grenzen. Fuquas Filmografie (Replacement Killers, Training Day, King Arthur, Tränen der Sonne, Shooter, Brooklyn’s Finest, Olympus Has Fallen, Equalizer) ist mit schwachen bis guten Filmen gefüllt, und auch Southpaw ist zu kompetent inszeniert um unter seine schwächsten zu fallen, doch mehr als Mittelfeld ist nicht drin. Die Südpfote muss das Handtuch zwar nicht werfen lassen, hält sich aber nur mit Mühe in den Seilen.

Fazit:

Bei Mickey wäre das nicht durchgegangen. Dieser Möchtegern-Champ hält sich schon nach wenigen Runden nur noch mit Mühe in den Seilen und wird mehrfach ausgezählt. Zu schlechtes Casting, zu platte emotionale Szenen und das Fehlen mitreißender Momente versetzen der Lust, doch gern mitzufiebern, fiese Leberhaken. Rocky 7 wird den in den Boden stampfen.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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