BG Kritik:

Speed Racer


von Christian Mester

Speed Racer (USA, Deutschland, Australien 2008)
Regisseur: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Cast: Emile Hirsch, Christina Ricci, John Goodman, Susan Sarandon, Matthew Fox, Roger Allam

Story:
In einer verrückten Fantasywelt ist der junge Speed Racer (Emile Hirsch) ein aufstrebender Rennfahrer, der kurz davor steht wie einst sein verschollener Bruder Rex mal ein echter Champion zu werden. Als er auf seinem Weg nach oben aber eines Tages in die Machenschaften eines dubiosen Geschäftsmannes gerät, helfen ihm seine Familie, seine Freundin Trixie (Christina Ricci) und der geheimnisvolle Racer X (Matthew Fox) aus der Patsche...

Der Held des Films heißt mit echtem Namen Speed Racer; es gibt Ninjas, Schimpansen, Bienenstockkatapulte und Rennwagen, die 800 km/h fahren, Kettensägen eingebaut haben und 90 Grad Steilklippen hochfahren können - dass das als Film katastrophal daneben gehen kann, liegt wohl auf der Hand.

Der Film wurde zu großen Teilen in Deutschland gedreht und produziert.


Tut es aber zum Glück nicht, denn was die Wachowskis hier mal wieder auf die Leinwand zaubern, ist wieder mal äußerst originell und tatsächlich nicht nur für die Kleinen sehenswert.

Was schon beim ersten Trailer auffiel, ist im Film einfach erschlagend - die Optik. Kaum ein Film in den letzten Jahren war derart bunt und von so kräftigen Farben durchzogen wie dieser kleine große Film über Rennfahrer. Wann und wo Speed Racer spielen soll, wird im Detail nie erwähnt, aber das braucht es auch nicht da es eine vollkommen innovative Fantasystory ist, die innerhalb von Erklärungen und Realismus absolut nicht funktionieren würde.

Die Welt von Speed Racer sieht aus wie eine Mischung aus Spy Kids 3, Star Wars Episode 1 und neomodernem Teenstyle aus Japan, und ist wahrlich ein berauschendes Fest für Augen und Ohren. Zwar ist es anfangs sehr gewöhnungsbedürftig (und nicht alle Bluescreen-Aufnahmen sind immer hundertprozentig gelungen), aber nach etwa zehn Minuten hat man sich gut daran gewöhnt und ist mittendrin.

Absolutes Highlight sind ganz ohne Frage die vielen Rennsequenzen, die über den ganzen Film verstreut sind und dank jeder menge Abwechslung und phänomenaler Inszenierung einfach atemberaubend gut geworden sind. Wer das Podrace aus Star Wars Episode 1 mochte, wird hier vollkommen auf seine Kosten kommen, denn die Wachowskis machen es hervorragend nach und dabei eventuell noch etwas besser. Da wird gerast, dass 2 Fast 2 Furious langsam aussieht, da wird geschossen, gedrängt, gesprungen und manövriert, dass man - wenn man das Szenario denn akzeptiert - gerade als Autofan voll begeistert sein wird.

Wenn dann auch noch lauter Gimmicks auf den Trackmania-ähnlichen Strecken zum Einsatz kommen, wie Sprungfedern, Schlangenwerfer, Grappling Hooks, Bienenstockkatapulte, Reifenschlitzer und riesige Kettensägen, dann schmunzelt jeder, der Carmageddon, Knight Rider und Mario Karte mochte.

Im Kern des Films steckt zwar abseits der Strecke nur eine recht typische und sehr vorhersehbare Rennfahrerstory, aber die wird dank Gefühl für gute Dialoge halbwegs akzeptabel (sprich, erträglich) umgesetzt.

Hauptdarsteller Emile Hirsch kriegt nicht wirklich viel zu tun, abgesehen von wildem Hin- und Hergepresche am Lenkrad, weiß aber mit einer angenehmen und passenden Performance zu gefallen. Susan Sarandon und John Goodman geben den eindimensionalen Eltern ein gutes Stück Herz mit auf den Weg und auch der asiatische Newcomer Rain (hat die Hauptrolle im nächsten Film der Wachowskis, Ninja Assassin) ist eine sinnovlle Ergänzung. Über Christina Ricci braucht man nicht viel sagen, da ihre Rolle auch von einer Schaufensterpuppe gespielt sein worden könnte, aber dann gibt es noch Lost's Matthew Fox, der trotz lächerlichem Kostüms cool erscheint und jedes Mal für gute Laune sorgt - der Mann gehört definitiv mehr auf die Leinwand.

Auch von Lost ist Komponist Michael Giacchino, der für Speed Racer zwar keine wirklich guten Themes wie bei Lost oder Cloverfield geschrieben hat, mit schnellem Elektro-Score aber köstlich die vielen Rennszenen unterstützt.

Japanische und amerikanische Sprecher der Animeserie haben hier Gastauftritte.


Wo Licht ist, gibt es auch Schatten, und davor ist selbst Speed Racer nicht gefeiht. Eins der Probleme in Speed Racer sind unter anderem die engsten Nebenrollen, denn die werden von einem kleinen Jungen und einem Schimpansen gespielt, wobei der Affe von beiden wesentlich talentierter erscheint. Der Junge ist eine völlige Fehlbesetzung und nervt mit extrem überspielter Theatralik, das man ihn am liebsten direkt von der Leinwand jagen will. Dass er am laufenden Band vertreten ist, macht es nicht besser.

Auch nicht so wirklich gelungen ist der Bösewicht, gespielt von Roger Allam, der langweiliges Handbuchböse spielt und eher in einem zweitklassigen Sonntagsmorgen-Kinderfilm gehören würde.

Das größte Schlagloch für Speed Racer ist letzten Endes aber dann doch seine Laufzeit, denn mit 135 Minuten ist der Actionfilm viel, viel, viel zu lang geworden. Die vielen Raceszenen sind zwar spitze und nicht zu kürzen, aber es gibt zu viele ernste und dramatische Reden und Unterhaltungen, von denen die Hälfte überflüssig ist und alles nur unnötig lahm macht; Fakt ist, ohne die Rennen wäre der Film definitiv anstrengend und wenig motivierend geworden.

Wer sollte sich das ansehen? Nun, auch wenn die Trailer ganz schön suspekt wirken, sollte man beim kleinsten Funke von Interesse jedoch den Blick wagen - es lohnt. Wer auf Realismus oder Logik besteht, sollte einen gewaltigen Bogen machen, denn Speed Racer ist ein Film, der Realität und vor allem Gravitation nicht so ernst nimmt. Wer aber Fan von Animes wie Dragonball ist, der muss einfach rein, denn allein in der Bildumsetzung gibt es so viele Anleihen an berühmte Mangakunst, dass selbst ein Blinder es nicht übersehen könnte.

Eignet sich auch durchaus für Familien, denn der Film ist nicht nur actionreich und familienfreundlich, er bietet auch noch so einige lustige Momente.

Fazit:

Was man sich bereits von der Vorschau erhoffte, wird wahr - Speed Racer ist ein innovativer, explosiv rasanter Comic-Spaß-Renn-Action-Familienfilm - jedoch sehr, sehr speziell und mit Sicherheit nicht für jeden geeignet. Wer es wagt, wird aber belohnt.

8 / 10
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