BG Kritik:

Spider-Man


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Spider-Man (US 2002)
Regisseur: Sam Raimi
Cast: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, Willem Dafoe, James Franco

Story: Tja, das Übliche. Von einer mutierten Spinne gebissen, plötzlich Superkräfte, plötzlich Chancen bei der Angebeteten, plötzlich ein Goblin, plötzlich im Schwitzkasten vom Macho Man, plötzlich bye bye Onkel Ben. Auftakt Nickelbacks Song zum Film.

Es wird hart gespidert.

Onkel Bens Auto ist Ashs Oldsmobile aus den Tanz der Teufel Filmen


Gibt es irgendeinen Grund, wieso man ausgerechnet Tanz der Teufel 1-3 Regisseur Sam Raimi einen Spider-Man drehen lassen sollte? Ja, denn auch wenn es teils goretriefender Schockhorror gewesen sein mag, so bestechen die drei wandlungsorientierten Filme um S-Mart Kettensägenschwinger Ash durch großartig akrobatische Kameraarbeit, budgetsprengende Effekte und ein Faible für wunderbaren Humor. Das gewürfelte Wagnis geht auf, ebenso wie die seltsame Wahl für die freundliche Nachbarschaftsspinne Peter Parker, Tobey Maguire, der zuvor eher wenig beachtet kleinere gute Rollen in Filmen wie Gottes Werk und Teufels Beitrag, Wonder Boys und Der Eissturm gehabt hatte. Maguire mag weder jung (er spielt hier mit fast 30 einen High School Schüler), noch besonders klug oder sportlich aussehen, aber er hat, was für diese Origingeschichte ungemein effektiv ist: eine unterhaltsam-törichte Unschuld, außerdem neigt man dazu, ihn schnell töricht zu unterschätzen.

Heutzutage mögen Ursprungsgeschichten durch ihre ewig ähnliche Formel schnell langweilen, doch so wie Batman Begins Batman interessant neu beleuchten konnte, kreiert Raimi eine mitreißende Entstehungsgeschichte. Von Anfang an ist es, wie es auch Peter selbst ergehen sollte, lustig, aufregend und ein wenig unheimlich, wie er seine Mutationskräfte kennen- und einzusetzen lernt. Raimi vermag es, diese Faszination und den Spaß an den eigenen Superkräften ansteckend rüber zu bringen. Dass wir uns überhaupt für seinen Werdegang interessieren ist einer Grundchemie zu verdanken, denn obwohl Maguire ein unerwarteter Peter sein mag, passt er perfekt zu Kirsten Dunsts Mary Jane und James Francos kumpelhaften, aber klassenbedingt distanzierten Harry Osborn. Willem Dafoe ist ebenso perfekt besetzt als schmieriger Multimillionär und Harrys Vater, und sein goblinhaftes Gesicht lässt nahezu darüber hinwegsehen, dass sein tatsächliches Green Goblin Outfit mit einer eher hässlich klobigen Maske versehen ist, die kein Pitchmeeting hätte überleben dürfen. Selbst die Power Rangers Fernsehserie hatte mitunter bessere Gegnerdesigns in petto.

Ein Teasertrailer ließ Spider-Man am World Trade Center arbeiten, doch nach einem gewissen 11. September ließ man das auf einmal weg


Der obligatorische Tod Onkel Bens hingegen sitzt wie eine Kürbisbombe vom Gleiter, und gerade wenn das verdaut ist, schnürt die Auseinandersetzung Peters mit dem Goblin eine wunderbare Bedrohung zusammen, die nicht nur einen lebhaften Showdown verspricht, sondern gleichzeitig bereits Saat für den tragisch notwendigen Konflikt mit Normans Sohn Harry streut. Spider-Mans Schwingereien durch New York mögen nie sonderlich echt aussehen, sind aber wie Ashs Dämonentreffen actionreich und lebhaft inszeniert. Jede Landung hat Wucht, jeder Seilschwung Geschwindigkeit. Gut möglich, dass das Finale ein klein wenig musterhaft erscheint und es seltsam ist, dass der Goblin mehr oder weniger an seinen koboldigen Weichteilen stirbt, aber zum Finale hin hat man bereits so dermaßen viel richtig gemacht, dass man darüber hinwegschwingen kann.

Dass Spider-Man gegen Macho Man Randy Savage antritt, ist ebenso witzig wie JK Simmons als cartooniger Zeitungsboss J Jonah Jameson oder der Cameo Bruce Campbells, und Rosemary Harris und Cliff Robertson verleihen Peters Adoptiveltern ebenso viel Herzensgüte wie Danny Elfmans Score mit Leichtigkeit zu den besten und einprägsamsten der Superheldenfilmgeschichte gezählt werden darf (was nicht sonderlich überraschen sollte, schrieb er ja auch die Filmmusik zu den Burton Batmans).

Für das erste Kapitel seiner Spider-Man Trilogie mischt Raimis roter Derwisch die Karten absolut hervorragend. Peter, seine Freunde, seine Kräfte und Möglichkeiten werden erstklassig etabliert, der erste Gegner bietet ihm bereits mächtig Paroli und die gelegten Storyelemente machen unheimlich neugierig darauf, wie es wohl mit ihm weitergehen mag.

Fazit:

Spider-Man küsst kopfüber, und das ikonisch. Der erste neue Spider-Man dieses Jahrtausends macht einfach alles richtig und präsentiert liebenswerte Figuren, die ein spaßiges und fesselndes erstes Abenteuer erleben. Dazu meisterhaft inszeniert und musiziert, fällt es schwer, die grässliche Plastikgoblinfratze zu sehr anzukreiden.

9 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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