|
KRITIK:
SPLICE
von
Sascha Weber
SPLICE (2010)
Regie: Vincenzo Natali
Cast: Adrien Brody, Sarah Polley
Story:
Elsa (Sarah Polley) und Clive (Adrien Brody)
sind zwei Wissenschaftler eines kleinen Labors, die sich
darauf spezialisiert haben, neuartige Kreaturen zu
entwickeln. Als sie eines Tages menschliche Gene
hinzu fügen und eine nie da gewesene Schöpfung
schaffen, gehen sei einen Schritt zu weit...
|

|
Sarah Polley ist Genrefans vor allem wegen
ihrer Rolle in
DAWN OF THE DEAD 2004 bekannt |
|
Kritik:
Vincenzo Natali müsste den meisten Leuten auf Grund
des bekannten, cleveren Independent-Films "Cube" in
Erinnerung geblieben sein, doch auch sein "Cypher"
dürfte vielen Cineasten ein Begriff sein. Mit "Splice"
steht nun das neueste Natali-Werk in den
Startlöchern und bietet im Kern die klassische
Frankenstein-Geschichte, in einem zeitgemäßen Gewand
und einigen Feinheiten, die man in der Form wohl
noch nie gesehen hat.
Bereits der Auftakt des Films, die Präsentation der
Opening Credits, ist sehr stilvoll inszeniert und
beschert eine intensive Atmosphäre. Auch wenn die
Credits nicht storyrelevant sind, soll an dieser
Stelle besser nicht weiter darauf eingegangen
werden, damit noch nicht alle Überraschungen der
Kritik zum Opfer fallen. Es sei soviel gesagt, dass
sie den Zuschauer auf eine ungewöhnliche Geburt einstimmen,
die man schlussendlich aus der Perspektive eines
gentechnisch entwickelten Geschöpfes erlebt. Genau
wie der unförmige Fleischklopf Fred, der das Licht
der Welt mit verwirrender Plötzlichkeit erblickt,
wird der Zuschauer in eine kalte und erschreckende
Welt geworfen. Natali arbeitet bei "Splice" gekonnt
mit kalten Farben um die Stimmung des Films zu
transportieren, was ihm auch hervorragend gelingt
und sehr gut mit der winterlichen Jahreszeit
einhergeht, zu welcher der Film spielt.
|

|
Nach KING KONG und Dren stößt Adrien Brody
2010 auch noch auf andere Kreaturen: er spielt die
Hauptrolle in PREDATOR 3 |
|
Das Wissenschaftler Pärchen Clive (Adrien Brody)
und Elsa (Sarah Polley) arbeitet in einem kleinen
Forschungslabor, mit dem amüsanten Kürzel N.E.R.D..
Gekonnt würfeln sie DNS-Stränge verschiedener Tiere
zusammen und erschaffen hierdurch künstliches Leben,
die beiden unförmigen Lebewesen, die dabei
herauskommen, fristen unter den Namen Fred und
Ginger ihr Leben. Doch dieser bahnbrechende Erfolg
reicht dem ehrgeizigen Paar noch lange nicht, würden
sie doch gerne bei ihrem nächsten Experiment auch
menschliche Gene mit ins Spiel bringen. Leider ist
dies nicht im Sinn des finanzierenden
Pharmakonzerns, welcher lediglich seltene Wirkstoffe
aus Fred und Ginger ernten möchte um somit den
Profit anzukurbeln.
Kurzerhand entscheidet sich das Pärchen
eigenmächtig und unter dem Deckmantel der
Verschwiegenheit ein Experiment zu starten, nur um
zu sehen, ob sie auch wirklich dazu in der Lage
sind, menschliche DNS in den Pool zu mischen. Doch
das Projekt macht sich, fast im wörtlichen Sinne,
selbständig und was nur als kurzes Intermezzo
geplant war, nimmt immer mehr (menschliche) Formen
an und wird schließlich auf den Namen Dren getauft.
Elsa, die ihrer Karriere den Vorzug gbt und sich
nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, Kinder zu
kriegen und somit ihre berufliche Laufbahn
aufzugeben, nutzt dass Ergebnis des Splicing als
Kindersatz und handelt damit gegen Clives Wunsch.
Clive wiederum sieht seine Leben und NERDs Zukunft
den Bach runtergehen und setzt alles daran, diesem
Treiben ein Ende zu bereiten. Doch "Splice" wäre nicht
"Splice", wenn die anfänglichen Beweggründe und
Ambitionen nicht den ein oder anderen Wandel
durchlaufen würden. Was als "simples" Experiment
beginnt, wandelt sich zu einer Leidenschaft, zu
einer Besessenheit und zu einer Liebe.
Natürlich könnte man bei "Splice" noch viel tiefer
in moralische und ethische Verzwickungen eintauchen.
Man könnte die metaphysische Ebene auswerten und
zwischen den Zeilen lesen und exzessiv
interpretieren, was hier geboten wird. Zweifelsohne
ist "Splice" ein cleveres Stück Zelluloid, welches
viel Diskussionspotential bietet. Darüber hinaus ist
es aber auch ein unheimlich spannender "Monster"-Film,
der mit der Einführug Drens das dritte Element der
Dreiecksbeziehung an Ort und Stelle bringt. Es ist
wirklich beachtlich, welch gute Arbeit man hier
abgeliefert hat. Rein optisch ist Dren genauso
gelungen wie Delphine Chanéacs Performance, die
souverän die bizarre Kreatur verkörpert. Die
Übergänge zwischen Mensch und Tier sind fließend und
spiegeln sich perfekt im Design der Figur wider.
Dren sieht nur allzu häufig menschlich aus und
ähnlich wie bei Camerons Na'vi gewöhnt man sich
schnell an den teils befremdlichen Look Drens. Umso
überraschender und intensiver wirken die Momente, in
denen die animalische Seite Drens zu Tage gefördert
werden. Zeigt sie in einem Moment menschliche Züge,
dringt im nächsten das Tier in ihr durch und als
Zuschauer weiß man nie, wie sie als nächstes
reagieren wird. Diese Unsicherheit macht den Reiz
des Filmes aus und intensiviert das Erlebnis
beträchtlich. An manchen Stellen vermutet man eine
dräuende Gefahr, um dann nur das kindliche Gemüte
Drens präsentiert zu bekommen. Während an anderer
Stelle, die tierische Brutalität Drens urplötzlich
aus ihr heraus dringt und auf Grund ihrer "Urgewalt"
schockiert.
Trotz alledem wird "Splice" sicherlich nicht jedem
Gefallen und vermutlich die Lager spalten. Das Tempo
des Films ist zuweilen sehr gemächlich und wer in
Erwartung eines klassischen Monsterfilms "Splice"
ansieht, dürfte hier nicht unbedingt auf seine
Kosten kommen. Dafür steht die empfindliche
Dreiecksbeziehung zwischen den drei Protagonisten zu
sehr im Mittelpunkt und diese nimmt teilweise
skurrile Ausmaße an. Natalis Handwerk lässt keine
Wünsche offen, ebensowenig wie das Setdesign und die
Creature Effects. Langsam wird auf das Finale
zugesteuert und die Erwartungen werden geschürt. So
ganz möchte sich das Finale jedoch nicht in das
Gesamtbild des Films einfügen, denn während der
restliche Film in einem ruhigen, verhaltenen Stil
präsentiert wird, wird es am Ende ein wenig
hektisch. Schlecht ist das Finale selbstverständlich
nicht, jedoch wirkt der Film hierdurch ein wenig
unrund.
Fazit:
"Splice" ist ein intelligenter SciFi-Thriller, der
zum Denken anregt und auch als Aufruf und Warnung zu
verstehen ist. Er bietet sehr viel mehr als der
klassische Monsterfilm und macht dies zu jedem
Zeitpunkt mehr als deutlich. Die einzigartige
Dreiecksbeziehung, die sich im Film entfaltet, ist
fesselnd, überzeugend und zugleich verstörend. Durch
die realistische und in der Realität verankerte
Basis, erhält der Film noch deutlich mehr Brisanz
und Authentizität, als es ein Frankenstein jemals
vermag.
Man kann nur davor warnen, zu viele Informationen
über den Film einzuholen und dafür plädieren, das
Gesamtwerk möglichst unbelastet auf sich wirken zu
lassen. Der eigenständige Stil des Films und die
ruhige Gangart, dürfte nicht überall auf
Wohlgesinnen treffen, wer jedoch nicht hinter jeder
Ecke blutige Szenen und ausufernde Action erwartet,
dürfte Gefallen an "Splice" finden.
7 / 10
|