BG Kritik:

Spotlight


Hat grundsätzlich Recht, da sie Jura und Medienwissenschaften studiert.

Spotlight (US 2016)
Regisseur: Tom McCarthy
Cast: Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Brian d'Arcy

Story: Im Jahr 2001 deckt das Journalistenteam Spotlight des Boston Globes, bestehend aus Walter Robbinson (Michael Keaton), Mike Rezendes (Mark Ruffalo), Sasha Pfeiffer (Rachel McAdams) und Matt Carroll (Brian d’Arcy) Skandale innerhalb der katholischen Kirche auf.

Der Film, der den mittelmäßigen Mad Max Fury Road zu recht schlug.

Basierend auf wahren Begebenheiten


Spotlight ist ein intelligenter, wichtiger Film geworden, der sich nicht vor Klassikern wie Die Unbestechlichen mit Robert Redford und Dustin Hoffman zu verstecken braucht. So wie in jenem Film die Watergate-Affäre aufgedeckt wurde, entbrennt in Spotlight eine bewegende Recherche. Ich glaube, es ist wichtig zu sagen, dass die Bewegung auf emotionaler Ebene passiert. Die vier Redakteure des Teams blättern in Unterlagen, telefonieren, treffen Zeugen und besprechen ihre Ergebnisse und Pläne miteinander. Sie machen halt, was Journalisten die meiste Zeit über machen und was für Betrachter jetzt nicht so packend zu beobachten ist. Der Film vertraut aber darauf, dass das Wirken und die Ergebnisse des behandelten Themas für sich sprechen, und das tun sie, höchst effektiv.

Das Drehbuch, das zu Recht ausgezeichnet wurde, ist genial. Jeder der vier Ermittler hat eine individuell auffällige Persönlichkeit, die aber nicht so wichtig wird. Wichtiger ist die entsprechende Bindung zum Thema. Michael Keaton spielt den Chefredakteur gehobenen Alters, der auf Galas und Golfplätzen mit wichtigen Persönlichkeiten der Stadt plaudiert und ihnen als vermeintlich Verbündeter Informationen entlockt. Als in Boston aufgewachsener stellt er sich verhalten die Frage, wie das Schicksal entscheiden konnte, dass er nicht auch zu einem Opfer wurde. Mark Ruffalo spielt den agressiven Mike Rezendes, der am liebsten sofort veröffentlichen will um weitere Übergriffe an Kindern schnellstmöglichst stoppen zu können.

Seine Rolle drückt das Unverständnis und die Entrüstung gegen die schrecklichen Tatsachen aus, die das Team offen legt. Man will sich ihm sofort anschließen. Rachel McAdams aus The Notebook bringt eine sanftere Seite mit und drückt insbesondere das Bedauern aus. Sie hat eine Großmutter zuhause, die überaus religiös ist und von den Offenbarungen tief getroffen wird. Brian d’Arcys Rolle ist Vater von Kindern in dem Alter, in dem die Opfer sexuell belästigt worden. Wie er herausfindet, wohnt einer der Missetäter in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Wie lebt man damit?

Gewann Bester Film des Jahres und Bestes Drehbuch bei den Oscars 2016


Die Persönlichkeiten der Reporter selbst dienen keinem Selbstzweck, unterliegen stattdessen dem größeren Thema. Mir gefällt außerordentlich, dass sich der gesamte Film derart zurückstellt, auch was die Darstellung der Kirche betrifft. Der Film lässt Opfer sprechen, was sehr bewegt, doch er verzichtet darauf, das Leid, was automatisch für sich gewinnt, zu sehr auszuschlachten, ganz einfach weil es nicht notwendig ist. Der Film verzichtet auch auf einseitig böse Darstellungen. Obwohl die gezeigten Täterpriester widerlich und abscheulich sind, lässt er sie und ihre Verteidiger dennoch menschlich. Das sind keine Hollywood typischen Bösewichte und das macht es umso schrecklicher, authentischer. „Ich hoffe, das kann unter uns bleiben, bis wir alle auf derselben Wellenlänge sind“ heißt es an einer Stelle höflich von einem Verteidiger der Kirche, worauf Walter Robbinson entgegnet „Sind wir hier, um auf eine Wellenlänge zu kommen?“. Was Spolight so effektiv macht, ist seine subtile, authentische Darstellung von Übel, das in unserer Gesellschaft geduldet wird, und von mitreißendem menschlichen Trotz dagegen.





Wie ein guter Artikel ist er außerdem speckfrei. Jede einzelne Szene hat Bedeutung, lässt über was neues nachdenken oder führt die Story weiter. Dass McCarthy es schafft, den Film so lange spannend zu halten obwohl distanziert betrachtet „nicht viel passiert“ und sie oft nur in Büros sitzen und bis in die späte Nacht quatschen, ist eine Kunst für sich. In Mad Max Fury Road, der für viele als sicherer Best Picture Kandidat galt, ist die Inszenierung von Krawall, Gewaltverherrlichung und fulminanter Autozerstörung vielleicht technisch gut gemacht, vielleicht sogar für Actionkino perfekt gemacht. Spotlight aber hatte all das nicht nötig und schafft mit der spannenden Arbeit von „Langweiler“ Pressefritzen emotional so viel mehr. Tom McCarthy hatte sehr viel geringere Utensilien und langweilige Drehorte zur Verfügung, fesselt aber trotzdem. Zusammen mit der Authentizität des Gezeigten und der Bedeutung für unsere eigene Zukunft ergibt das meiner Meinung nach einen viel wichtigeren Film, der in die Geschichtsbücher eingetragen werden muss.

Fazit:

Die wichtige Recherche des Spotlight-Teams ist äußerst intelligent, bewegend und mitreißend für die große Leinwand inszeniert worden. Ein sensationelles Ensemble spielt mit einem Drehbuch, das mutig nahe an der Authentizität bleibt und trotz Alltagsgeschehen meisterlich fesselt. Ich empfehle Spotlight!

9 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut


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