BG Kritik:

Spuren


von Christian Westhus

Tracks (Australien 2014)
Regisseur: John Curran
Cast: Mia Wasikowska, Adam Driver

Story:
Die wahre Geschichte von Robyn Davidson, die sich in den 1970er Jahren aufmacht, nur begleitet von ihrem Hund und drei Kamelen das australische Outback zu durchqueren. Ein beschwerlicher, 2.700 Kilometer langer Weg heraus aus der Zivilisation.

Der Traum vom Ausstieg. Ob zu Land, zu Wasser oder zumindest kurzzeitig in der Luft – der Gedanke an ein Abenteuer fernab der Zivilisation hat schon viele Menschen an die entlegensten Orte des Planeten geführt. Man will seine physischen und psychischen Grenzen ausloten, einfach mal abschalten und aussteigen, der Menschheit zumindest eine Zeit lang mit einem motivierten „Bis demnächst“ den Rücken zukehren. Geschichten über Menschen, die sich freiwillig in diese Extreme stürzen, tauchen immer wieder auf. In Filmform am liebsten basierend auf wahren Begebenheiten. So auch hier.

Robyn Davidsons Buch "Tracks" wurde ein Bestseller


Im Vergleich zum politisch und sozialkritisch aufgeladenen Ausstieg von Christopher McCandless aus „Into the Wild“, ist Robyn Davidsons Wunsch nach Natur und Abenteuer eine überwiegend subjektive und persönliche Angelegenheit. „Warum nicht?“, antwortet sie auf die Frage, warum sie sich diese Strapazen zumuten will. Davidson ist nicht gerne unter Menschen, sucht bewusst die Isolation von der Zivilisation, um nicht zuletzt auch etwas über sich herauszufinden. Doch selbst im tiefsten Outback sind die Spuren der Zivilisation spürbar. Es spricht Bände, wenn Robyn am heiligen Berg Uluru (Ayers Rock) ankommt und abgewiesen wird, da Kamele im Touristencamp nicht erlaubt sind. Aborigines, die im stärkeren Einklang mit der Natur leben, haben heilige Orte errichtet, die nicht jeder betreten darf. Doch auch die moderne Zivilisation hat ihre Spuren im Sand der Wüste hinterlassen, was Robyn und ihre tierischen Begleiter bald feststellen müssen.

Der Reiz des Films zieht sich aus seiner Hauptfigur. Dass das für Menschen so lebensfeindliche und überwiegend unbewohnte Outback eine ganz eigene, faszinierende Schönheit besitzt, ist den meisten Leuten bewusst. So präsentiert der Film ansprechend fotografierte Landschaften, ohne sich zu selbstgefällig und ausladend an schroffen Felsen und rotem Sand zu laben. Robyn Davidson als Figur und Mia Wasikowskas engagierte Darbietung machen aus dem Film zumindest ein wenig mehr, als es der „Auf A folgt B folgt C“ Plot sonst hergegeben hätte. Davidsons Zivilisationsscheu fasziniert, ebenso wie ihr manchmal in Starrköpfigkeit abdriftendes Selbstbewusstsein. Was genau diese junge Frau in der Wüste sucht, was sie glaubte zu finden und wie sie mit temporärer Mutlosigkeit umgeht, belebt den Film und sorgt für interessante Beobachtungen.

Vor einigen Jahren war mal Julia Roberts in der Hauptrolle geplant


Auf Dauer ist Robyn Davidson als Figur aber nicht spannend genug, um aus einem guten einen sehr guten Film zu machen. Den Survivaltrip durch die Wüste umgibt eine gewisse Distanz und fehlende Konsequenz. An Davidsons Seite beobachten wir, wie sich diese junge Frau mit der so unwirtlichen Umgebung arrangiert, beobachten die Lebensweisen mancher Aborigines und sehen, wie aus Aussteigerin Robyn Davidson eine Art Star wird, den weniger von Idealen getriebene Schaulustige unbedingt mal treffen wollen. Die schwierige Beziehung Robyns zum etwas nervigen, weil redseligen und zunächst etwas unaufmerksamen Fotografen (Adam Driver) kann Robyn so gerade noch bewältigen, aber die extreme 1.700 Meilen Reise macht die „Kamel Lady“ bis weit über die Ozeangrenzen Australiens bekannt. Touristen und Reporter reisen ihr nach oder erwarten sie an logistisch unvermeidbaren Übergangsorten, um Fotos, Interviews oder zumindest Blicke zu erhaschen. Reizvolle Ansätze, die sich schnell wiederholen. Umso spannender die fast wortlose Vertrautheit mit einem Aborigine-Begleiter.

Um die doch recht geradlinige Reise ein wenig mit „Plot“ und „Drama“ zu füllen, inszeniert Regisseur John Curran wenig elegant platzierte Flashbacks, die Davidsons Motivation irgendwann auf eine einzige bestimmte Erfahrung zurückstufen und ihren eigenen kritischen Blick auf diese Reise untergraben, da sie eine vermeintlich simple Antwort auf das Warum liefern. Die zu Beginn so faszinierend komplizierte und uneindeutige Frau wird mit jedem Flashback deutlicher zu einer mehr oder minder klaren Filmfigur. Nicolas Roegs „Walkabout – Der Traum vom Leben“ wird wohl auf ewig die Referenz unter den Outback-Filmen bleiben. Wenn Mia Wasikowska in einem Wasserbassin badet, erinnert das sicherlich nicht zufällig an Jenny Agutters berühmt-berüchtigtes Bad in einem See aus dem Meisterwerk von 1971. „Spuren“ ist nicht nur im direkten Vergleich zu nett, zu konturlos und zu vorsichtig, um mehr zu sein, als ein schön fotografierter, aber leicht dramatisierter Reisebilderbogen und ein schwammiges Porträt einer faszinierenden jungen Frau.

Fazit:

Visuell ansprechende Reise durch die extreme Wildnis. „Spuren“ hat eine interessante Hauptfigur, der wir auf dieser Reise folgen können, doch dem Film fehlt es im Detail ein wenig an Mut, Kreativität und Emotionen.

6,5 / 10
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