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Kritik:
Star Trek 11


von Christian Westhus

Star Trek
(2009)
Regisseur: JJ Abrams
Cast: Chris Pine, Zachary Quinto, Eric Bana

Story:
Als ein mächtig wütender Romulaner mit einer planetenvernichtenden Superwaffe droht, alle möglichen Föderationsplaneten zu vernichten, liegt es an der noch jungen Crew um Kirk und Spock, ihn aufzuhalten...

Kritik:
Ein Aufschrei ging durch die Trekkie-Gemeinde. Ein neuer Star Trek Film sollte kommen und nicht etwa ein weiterer mit Picard und Co., oder das erste Kinoabenteuer der doch recht beliebten Crew der „Enterprise“ Serie. Stattdessen sollten die alten Haudegen um Kirk, Spock und Pille gar nicht alt wieder auf der Leinwand zu sehen sein.

Kindheit, Sternenflottenakademie und ganz frisch rauf auf die Enterprise. Ein Prequel, eine Hommage, ein Reboot – irgendetwas davon sollte es sein und da sich die Neustarts heutzutage selten wirklich entscheiden können, ob sie nicht doch lieber eine Fortsetzung darstellen, kommt auch J.J. Abrams „Star Trek“ als Mittelweg daher. Ergo: Ein bisschen Zeitreise Hokus Pokus eingestreut und fertig ist der Seitenableger der eigentlichen Filmreihe. Quasi als Spin-Off mit den selben Figuren. Das klingt nun gar nicht nach Fan-Liebe. Als ein angebliches Storydetail durchsickerte, das besagte, die komplette Handlung würde sich am Ende selbst revidieren (eine Fehlinfo!), kam erst recht der Gedanke auf, man hätte es hier nur mit einem schnellen Cash-In Streifen zu tun. Als dann Regisseur und Produzent Abrams auch noch den Kardinalsfehler machte und meinte preisgeben zu müssen, Star Trek nie wirklich gemocht zu haben, begruben viele Trekkies ihre Hoffnungen gänzlich und klammerten sich nur noch am nostalgischen Gefühl, die alten Kerls plus Dame wiederzusehen.

Ist der Film mit dem so selbstbewussten wie irritierenden Titel „Star Trek“ nun also tatsächlich nur einer unter vielen Sommerblockbustern? Ja und nein. Man muss es schon so direkt sagen: Die Star Trek Welt wurde gewaltig gegen den Strich gebügelt. Das fällt wohl sogar nicht-Trekkies auf, die nur mal ein paar Folgen und die Kinofilme gesehen haben. Von genauen Details in Mythologie, Design, Charakteren und Handlung braucht man gar nicht anfangen, der ganze Film fühlt sich anders an und zwar komplett. Würden nicht fremde Gesichter mit den bekannten Namen in den bekannten farbigen Overalls rumlaufen – man könnte auch in einem reinen Science-Fiction-Actionfilm geraten sein.
Schon mit der Handlungsprämisse macht es sich der Film so einfach wie deutlich, denn mit der Zeitreise entsteht eine parallele, alternative Vergangenheit und damit haben Drehbuch und Film jede erdenkliche Freiheit, auf vorhergegangene Filme und die Serien zu pfeifen.

Was mit dieser alternativen, neuen-alten Crew aber angestellt wurde, ist noch lange nicht schlecht, bietet fast alles, was ein guter Unterhaltungsfilm bieten sollte. Action, Witz, gute Figuren und vor allem eins: Tempo! Abrams drückt mordsmäßig auf die Tube. Schon am Anfang knallt er uns pompös einen Romulaner-Angriff an einer Sonne um die Ohren, lässt James T. Kirks Geburt geradezu in Pathos ertrinken und springt ein paar Jahre vor, wo uns die Beasty Boys durch Iowa jagen. Abrams will Coolness und Drive, um jeden Preis. So wirklich subtil sind die Szenen mit dem jungen Kirk und auch dem jungen Spock aber nicht. Fast möchte man sogar von Unlogik sprechen – und das in Anwesenheit eines Vulkaniers – wenn Spock quasi auf Kommando doch Emotionen zeigt, die er ja vorher angeblich so toll beherrschen konnte.

Aber Abrams serviert weiter und das durchaus gekonnt. Ab und an eiert die Kamera etwas eigenartig über die Gesichter und viele Actionszenen leiden unter akutem Stakkatoschnittvirus, der ja seit einigen Jahren das amerikanische Unterhaltungskino befallen hat. Macht aber trotzdem Laune, trotz oder gerade wegen des Tempos und einem Drehbuch, dass wirklich auf Action aus ist. Barprügeleien, Sulu und Kirk im Team, Phaserduelle, große Weltraumgefechte – es wird aus allen Rohren geballert. Dieser Spruch fällt in ähnlicher Formulierung sogar mehrmals im Film. Weg mit der humanistischen ST-Philosophie, weniger kultiger Charme, dafür hin zum Action-Blockbuster. Auch das ist ungewohnt, dieses rasante Hantieren mit dem einst so belächelten Phaser. Selbst die Enterprise selbst scheint ordentlich an Feuerkraft zugelegt zu haben. Das ist kein moderner Anstrich für ST, sondern die kalkulierte Anpassung an ein neues, junges, nach Action und Spektakel gierendes Publikum. Muss man akzeptieren und genüsslich ins Popcorn greifen.

Und dann dieses Design! Ebenfalls unentschlossen zwischen Retro und Hypermodern pendelnd; die Enterprise Innen im schicken weiß, oder der bizarre romulanische Tannenbaum. Ein unlogisches Gebilde aus wirren Streben, Ecken und Kanten, sowie erschreckend viel ungenutztem Platz im Innern. Und Alles ist so bunt. Die Kostüme, die Laser, die Planeten, die Schiffe, die blinkenden Armaturen, die ständigen Solarisationseffekte; einfach Alles blinkt und strahlt und leuchtet in den irrsten Farben, die moderne und teuer bezahlte Computerkunst bieten kann. Ein böser Mensch könnte da schnell meinen, „Star Trek“ sei nicht mehr als eine rasante Jahrmarktsattraktion mit Leuchtreklame, denn tatsächlich ist hinter dem actionreichen Gefunkel nicht viel Substanz. Muss aber auch nicht. Dumm wir Brot geht nämlich auch anders.

Den Transformers-Autoren Orci/Kurtzman möchte man nämlich tatsächlich auf die Schulter klopfen, denn abgesehen davon, dass die Story nicht sonderlich intelligent und etwas hastig wirkt, sowie dass Kirk (Junge, wird der schnell befördert!) und Spock reichlich grob und simplifiziert gezeichnet wurden, gibt es hier viel Positives. Besonders den Humor bekommen sie gut hin, der manchmal etwas gewollt erscheint, aber eigentlich höchst amüsant und schön ironisch ist. Gerade in manch flapsigem Kommentar steckt oft mehr von den Charakteren, als in der eigentlichen Handlung. Das liegt auch an den Darstellern, die durch die Bank weg nahezu perfekt gecastet sind. Am ehesten irritiert Zachary Quinto als halb fühlender, halb stoischer Spock, doch es funktioniert. Highlights könnten Anton Yelchin und ganz besonders Karl Urban sein, denen man deutlich mehr Szenen wünscht, ähnlich wie Simon Pegg. Hier herrscht eine gute Balance zwischen Fingerzeig zu den Vorbildern, ein paar Insidergags und eigener Interpretation. Dazu dröhnt und scheppert es ordentlich aus den Lautsprechern. Nicht nur das Sounddesign, sondern auch Michael Giacchinos Score, der mal wieder charmant und donnernd an klassische Filmmusik erinnert. Wild zusammengesucht aus dem Horror-, Abenteuer-, Sci-Fi-Abteil. Das bleibt im Ohr und passt gut zum Film.

Also Alles paletti an der Spaß-Front? Denn als Unterhaltungsfilm bekommt man hier einen reichlich spaßigen, kurzweiligen und astrein gemachten Science-Fiction-Kracher, den man so lange nicht mehr im Kino sah. Die neue Star Wars Trilogie macht z.B. nicht so viel Spaß. Apropos: Schön auch, dass hier die altmodisch kantigen Raumschiff-Designs von früher häufig beibehalten wurden und man nicht einfach Stromlinienförmigkeit der Kontinuität vorzog, nur weil man es technisch kann. Nicht wahr, Herr Lucas? Wem fetzige Weltraumaction also genügt, der hat eh schon zu viel gelesen, ansonsten stoßen Kleinigkeiten eventuell auf weniger Gegenliebe. So übertreibt es der Ausflug auf einen Eisplaneten, man möchte ihn fast Hoth nennen, mit Action und Getier und die gesamte Story entpuppt sich schnell als klares Konstrukt, mit Zufälligkeiten und Unwahrscheinlichkeiten, die auffallen. Sätze wie „Du bist der Sohn deines Vaters.“, was immer sie im Trek-Universum noch bedeuten mögen, sind einfach ein wenig unfreiwillig komisch und die Einbindung von Leonard Nimoy ist am Ende eindeutig über das hinaus, was notwendig gewesen wäre. Auch wenn’s nostalgisch wirkt, die späte Fan-Zuwendung wirkt doch ein wenig erzwungen.

Fazit:
Es fällt schwer, dem Film das bloße Kalkül vorzuwerfen, welches er wohl tatsächlich verkörpert. Dafür macht er einfach zu sehr Spaß, bietet technisch absolut perfekte Unterhaltung, Action ohne Ende, netten Witz, gute Figuren und Potential für mehr. Eine Jubelgarantie für Trekkies gibt es nicht, aber akzeptiert man die Idee der Alternativhandlung, sollte da schon was machbar sein.

7 / 10

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