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Kritik:
Star Trek: The Videogame


von Christian Mester

STAR TREK: THE VIDEOGAME
(2013)
Studio: Digital Extremes

Story:
Bei der Untersuchung einer überfallenen Vulkan-Basis finden Kirk und Spock Spuren eines neuartigen Geräts, mit dem sich, würde es vollendet, an entfernteste Winkel des Universums springen ließe. Plötzlich tauchen die echsenartigen Gorn auf und schnalzen sich das Ding, unter anderem, um die Erde angreifen zu können. Also ab in die Atmosphärenanzüge, Phaser auf volle Möhre gestellt und wacker hinterher...

Kritik:
Der Spieltitel ist verwirrend, oder? Star Trek: The Videogame? Spielt man hier die Handlung des letzten Films nach, der da ja schlicht "Star Trek" hieß? Nein, und es ist auch nicht das Spiel zum in Kürze startenden nächsten Teil "Star Trek Into Darkness" (womit der Film schon konzeptionell eine Menge Potential verschenkte. Benedict Cumberbatch spielen? Das sind Absatzzahlen). Nein, vielmehr lässt es das deklarierende "The" wohl als Definition sehen. Das hier ist nicht irgendein Star Trek Spiel. Es ist DAS Star Trek Spiel. Tja, wenn das denn mal so wäre, aber was Digital Extremes, die u.a. an der alten Unreal / Unreal Tournament Reihe gewerkelt haben hier und vor allem in diesem Jahr als DAS Star Trek Spiel vorlegen, könnte auf die Schnelle nichtmal von Scotty gerettet werden. So schlimm ist es zwar nicht, aber einen Warpkern wieder zusammenzuleimen erscheint einfacher. Dabei macht das Spiel erst einmal durchaus einiges richtig.

Wer Star Trek nicht erst seit Pine und Quinto kennt, freut sich über die Tatsache, dass es sich eher wie Star Trek - The Original Series: The Videogame spielt. Da wären die Hauptgegner, die Gorn, die Shatner damals schon mal als Männer in billigsten Gummikostümen verprügelte (wobei sie leider nicht so, sondern wie der Lizard aus The Amazing Spider-Man aussehen). Die Level, die in ihrer Kargheit und ihrem Design oft an die trashigen Sets der alten Kultserie erinnern, ein stets episch pompender Score und viele kleine Verweise, wie etwa das Einbringen von Tribbles, den Star Trek Vorreitern der Critters, oder zahllose Dialogfetzen, die herzhaft die Originalserie referenzieren. Das Abenteuer an sich fühlt sich mehr im Shatner als im Pine Universum angesiedelt, und wer Fan des trekkischen Tricorders ist wird sich vor Frohsinn im Kreise beamen, weil man ihn hier bis zum Eintritt in den Nexus einsetzen darf, um bis auf Uhuras Unterwäsche wirklich alles zu scannen oder hacken, und natürlich macht es in allen Film-/Serienspielen Spaß, an bekannten Orten und mit beliebten Figuren interagieren zu können, was hier durchaus häufig vorkommt. Leider im Hinblick zu TOS Serie vermisst: eine Anbandelei zwischen Kirk und einer Alienfrau. Es gilt zwar eine Vulkanierin zu retten, mit der bleibt es jedoch platonisch kollegial.

Im Vergleich zu vielen anderen Lizenzverwurstungen wie Aliens Colonial Marines (Game Kritik) neulich fällt hier ausnahmsweise einmal die Spiellänge positiv auf. Sofern man nicht nur ballernd durchsprintet, dürfte so ziemlich jeder 10-12 Stunden unterwegs sein, wenn man das Spiel gänzlich als Schleichtitel ala Dishonored angeht (und das Spiel versucht einen ständig dazu zu verführen), sogar 15 rum. Das ist stattlich, und sogar mit halbwegs Abwechslung verbunden, da man nicht nur durch Gänge läuft und ballert - das Spiel ist größtenteils ein Deckungsshooter ala Gears of War - sondern auch mal in einen Schiffskampf verwickelt wird, man auf der Außenhülle einer Station Sonneneruptionen ausweicht, im freien All durch Trümmer jagt, durch Höhlen taucht oder auch mal mit einem Gleitschirm durch einen Canyon segelt. Vulkanische und menschliche Forschungsstationen, Planetenoberflächen, außerirdische Schiffe und Festungen und natürlich die Enterprise sorgen auch leveltechnisch für Vielseitigkeit, die man in diesem Bereich eigentlich nicht gewohnt ist.

Alles Elemente, deren Mühen sich durchaus loben lassen und mit denen sich das Spiel von anderen Gleichartigen absetzen ließe... wären da nicht die vielen puhs. Das fängt schon in den ersten Minuten an, in denen man nicht fassen will wie die Grafik ausfällt. Und nein, damit ist kein JJscher Übereinsatz von Lens Flares gemeint. Auf höchster Detailstufe sieht das Spiel aus, als wäre es gerade einmal auf niedrigster. Die Texturen sind matt und simpel, die Animationen steif, Licht- und Wassereffekte sucht man vergebens und schon wirkt das Ganze, als sei es wie der alte Spock durch die Zeit gereist. Aus dem Jahre 2005e rum in die Gegenwart, denn es sieht nur knapp besser aus als der Star Trek Shooter Elite Force 2, der 2003 erschien. Und da hört es nicht auf, denn nicht nur, dass die Grafik schwach ist, ist sie auch noch reichlich buggy. Figuren stehen gerne mal ineinander, in der Wand, zu klickende Buttons sind einfach nicht zu sehen oder man kann durch fehlende Wände in ein untexturiertes Nichts schauen. Da lässt sich heute nicht einmal argumentieren, dass man den Trash-Charme der TOS Serie einfangen wollte, da die fein säuberlich restaurierte Digitalfassung Full HD Besitzer verwöhnt.

Vergleichbar "faszinierend" ist die künstliche Intelligenz, die im Spiel eine große Rolle einnimmt, da man immer zu zweit unterwegs ist. Ursprünglich als Koop-Modus gedacht (der überhaupt nicht funktioniert), wird es ungemein lustig, den Partner vom Computer übernehmen zu lassen. K.I. Spock lädt am laufenden Band zum Lachen ein. Mal dreht er sich so schnell es geht im Kreis, läuft minutenlang gegen Wände oder schießt wirr in der Gegend herum, mal kommt er strikt einfach nicht wenn man ihn ruft (viele Aufgaben lassen sich nur zu zweit bestreiten) und wenn ihm danach ist, stirbt er auch mal ohne erkennbare äußere Einflüsse. Vermutlich an Altersschwäche oder erhöhtem Cholesterinspiegel. Immersions-Feature? Die Tücken des Alltags?

Da es ein Spiel ist, nein sogar DAS Spiel, ist natürlich das Gameplay an sich alles andere als unwichtig. Wer höchst geringe Ansprüche hat, dem wird es sicherlich als solide zusagen, aber wer Gears of War oder Max Payne kennt, wird die hier vorfindbare Action lahm finden (zumal Spock ständig daraufhin weist, menschliche und vulkanische Gegner doch bitte nur zu betäuben), das Plattforming in Hinblick auf das neue Tomb Raider oder das letzte Uncharted archaisch, nur wer ansatzweise etwas von Mass Effect gehört hat... der erlebt sogar relativ ähnliche Action. Nur dass Trek im direkten Duell dafür weder eine große Handlung bietet, die Dialoge knapp und platt bleiben (sich teils zu oft wiederholen), es keinerlei Charakterentwicklung gibt und das mickrige und eingeschränkte Upgrade-Menü genug sein müsste, dass Sulu sein Shirt auszieht und wild lachend mit einem Schwert herumfuchtelt. Dass man alle zehn Minuten eins von drei Mini-Hackspielen bestreiten muss, nervt abschließend auf Dauer

Darüber hinaus? Englisch-Unkundige werden sich bestimmt schwer damit tun, dass es keine deutsche Sprachausgabe gibt, weder von deutschen Synchronsprechern der neuen Besatzung, noch von Ersatzstimmen. Dafür gibt es also Untertitel zu den Originalstimmen (immerhin die Originalschauspieler, wobei Chris Pine durchweg relativ müde klingt, nur Anton Yelchin hervorsticht und Zoe Saldana anscheinend nur zehn Minuten Zeit hatte).


Fazit:
Wer Mass Effect: Star Trek oder Gears of Vulcan erwartet, darf sich direkt durch die Luftschleuse hinaus begeben und loslassen, denn von einem Triple A Titel, oder dem Titel DAS Star Trek Spiel unter allen zu sein, ist es einige Warpsprünge entfernt. Wem es nichts ausmacht, dass es grafisch antik, dazu verbuggt, relativ spannungs-, emotions- und witzlos ist, dazu komplett im Oton gelassen wurde und wer eh schon von zahllosen Filmversoftungen verbrannt ist und einem Klingon Honor Guard hinterher seufzt, darf zugreifen.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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