BG Kritik:

Star Wars: Das Erwachen der Macht


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Star Wars: The Force Awakens (US 2015)
Regisseur: JJ Abrams
Cast: Harrison Ford, Daisy Ridley, John Boyega

Story: Viele Jahre sind vergangen, seit die Rebellen den Imperator stürzen konnten. Das Imperium war damit jedoch längst nicht besiegt. Unter der Führung des mysteriösen Siths Kylo Ren erstarkte es zu neuer Größe, und steht nun kurz davor, die Rebellen ein für alle Mal auszulöschen. Das Schicksal führt daraufhin eine junge Schrottsammlerin, einen desertierenden Stormtrooper, einen mutigen X-Wing Piloten und ein paar altbekannte Gesicher zueinander, um dem Bösen einmal mehr Einhalt zu gebieten.

Get tipsy - keine Spoiler.

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Ein neuer Star Wars also, der an die alten Filme anschließt. Nicht an die Prequel-Trilogie, stattdessen an die noch älteren von 1977. Im Grunde haben wir hier ein neues Indiana Jones / Kristallschädel Szenario, da Harrison Ford erneut in alte Ikonenkleidung schlüpft und sich mit jungen Leuten, alter Flamme und jeder Menge neuartigem CGI umgibt, um ein weiteres Kapitel seiner Filmgeschichte zu feiern. Ging letztes Mal nicht unbedingt schief, verlief aber doch eher holprig, wie ein Flug in einem Kühlschrank. Mr Abrams greift hier zwar auch zum Kühlschrank, lässt ihn aber deutlicher behutsamer aufkommen. Das Erwachen der Macht wird sich vermutlich nicht allzu schnell Filmklassiker schimpfen können, ist aber tatsächlich alles, was man sich wünschen konnte. Ein würdiger neuer Teil, ein großartiger Blockbuster und ein Film, der den weltweiten Enthusiasmus an der Marke wie nie zuvor neu entfachen dürfte.

Im Gegensatz zur Prequel-Trilogie hatte man hier wieder den Luxus, das Trio der alten Legenden zurückzuholen: Mark Hamill, Carrie Fisher und Harrison Ford. Sie sind zwar nicht alle gleichermaßen präsent, einer von ihnen fällt sogar eher schwächer aus, wenn auch nicht so beschämend peinlich wie Karen Allen in Indiana Jones 4, aber der dritte im Bunde ist ein überraschend wichtiger Bestandteil der Story und erfreulicherweise selbst mit großer Begeisterung bei der Sache. Es ist ein schönes Wiedersehen mit alten Bekannten, was sich zudem nicht bloß auf die Menschen bezieht. Chewbacca ist mittlerweile etwas ergraut, die Droiden sind außer Dienst und der Millennium Falke hält nur noch notdürftig zusammen, aber der gesamte Film atmet die Luft des ursprünglichen Epos. Vergötterte Reliquien, Sternenzerstörerwracks und der Wunsch diverserer Figuren, an die Heldentaten und Machtergreifungen längst vergangener Tage heranzureichen lassen nicht offen, dass man das Universum gern fortführen will.

Das ist respektvoll und löblich, gleichzeitig jedoch bereits der größte Makel des Films. JJ Abrams korrigiert zwar die ärgsten Fehler George Lucas‘, indem er alles Kindische streicht und alle Dialoge natürlich und lebhaft erscheinen lässt, doch er klammert sich mutlos an den unantastbaren Originalen. So sehr, dass die gesamte Story wie ein Remake eines der alten Teile wirkt, mit nahezu identischer Handlung. Fast jede Szene beinhaltet zudem einen Verweis, ein Zitat oder eine Erinnerung an vergangene Erlebnisse. Selbst der Bösewicht des Films ist ein klares Imitat Darth Vaders; das will er zwar inhaltlich auch sein, doch es ändert nichts daran, dass er es auch generell als Figur ist. Bis auf einige Alientypen und eine handvoll Charaktere hat JJ Abrams somit nicht viel Neues zu erzählen. Es werden zwar neue Planeten besucht, diese sehen jedoch genau so aus wie die alten; wie der Wüstenplanet Tatooine oder der bewaldete Mond Endor. Das soll jedoch kein zu schwer gewichteter Kritikpunkt sein, denn Abrams und die neue Star Wars Imperatorin Kathleen Kennedy, eine Top-Producerin Hollywoods, die u.a. Jurassic Park, Indiana Jones und Zurück in die Zukunft betreut hat und nun Star Wars für Disney leitet, spielen die Klaviatur des Bestehenden gar meisterlich.

Kein Yoda, keine Ewoks, keine Gungan


Die bislang unbekannte Daisy Ridley, der im großartigen Attack the Block aufgefallene John Boyega, der ewige Charmeur Oscar Isaac (demnächst Apocalypse im neuen X-Men) und der neue ballförmige Roboter BB-8 sind bemerkenswerte Entdeckungen und Figuren für diese bekannte Welt, und sie dürften instantan Vorbilder für Kids werden. Fan werden kann man sofort, und sich darauf freuen, die überlebenden in weiteren Filmen zu erleben.

Für die Rolle des dunklen Ritters Kylo Ren tritt Adam Driver an, der bereits in einigen Filmen positiv auffiel, hier aber ein eher schweres Los hat. Er ist ein schwacher, zerrissener Charakter, der sich als Fan nach seinem Vorbild schmückt und ebenso naiv wie unerfahren ist. So wie er jedoch als Big Bad präsentiert wird, könnte man schnell meinen, er solle badass wirken, und als versage er daran. Das gehört jedoch explizit zum Teil seines Handlungsbogen, und so richtig entfalten werden das erst die nächsten Episoden – ganz gleichgültig, ob sein Charakter diesen Film überleben mag oder nicht. Seine Bedeutung wird noch erforscht werden, und er wird noch größere Wirkung finden als alleinstehend in diesem. Schade ist, dass ausgerechnet sein Meister, der hier nur in Hologrammform auftritt, die nahezu einzige unfertig wirkende CGI-Gestalt ist. Er wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus Gollum, dem Obervampir aus Dracula Untold und Grendel aus dem animierten Beowulf.

Abrams hat es tatsächlich geschafft, den Film sehr humorvoll und leichtfüßig, gleichzeitig aber auch einen Tacken erwachsener zu gestalten. Trotz allem bleibt es, was es schon immer war: eine gewaltige Space Opera mit furiosen Kämpfen, massiver Zerstörung, unlogischen Lösungen, jeder Menge Zufälle, aber endlosem Charisma. Die Action ist zwar nie legendär, aber konstant auf hohem Niveau; die vielen Luft- und Raumkämpfe nutzen das 3D sogar endlich mal geschickt. Der über 80jährige John Williams haut wieder mal in die Tasten und liefert einen weiteren tollen Soundtrack ab, doch eines fällt auf. Es fehlt die eine herausstechende neue Komposition, wie Duel of the Fates, Across the Stars oder Anakin’s Betrayal. Da waren seine Prequelwerke doch noch etwas stärker gefärbt, hatten noch mehr Persönlichkeit.

Ein wenig schade ist es schon, dass der Film die Mythologie des Universums nicht weiter ausbaut. So gibt es keine neuen Jedimächte zu sehen, gibt es keine neuen mystischen Entdeckungen oder Figuren. Das soll natürlich nicht heißen, dass man die Midichlorianer noch näher aufdröseln sollte, denn Wissenschaft hat in der Fantasywelt Star Wars' nun wirklich nicht viel zu suchen. Dennoch wäre es spannend, würden weitere Episoden stärkere eigene Akzente setzen können.

Keine Frage: mit dem Erwachen der Macht liefert JJ Abrams seinen bisher besten Film ab, was aber auch nicht schwierig ist, da Mission Impossible 3, Super 8 und die beiden letzten Star Treks alle nur gut waren, nicht sehr gut. Astral gut ist er zwar noch immer nicht, aber das muss man ja auch nicht immer erwarten, außerdem kommen da ja auch noch fünf weitere Filme. Wichtiger ist, dass der neue Star Wars für alle Stärken des Franchises steht und mit Leichtigkeit zum weltweiten Phänomen werden sollte. Er wird neues Interesse an den älteren Filmen erwecken und die Fanbase gewaltig vergrößern.

Fazit:

Star Wars, wie es sich die meisten wünschen: die alten Filme und Charaktere respektierend, mit interessanten neuen Figuren aber auch zahlreichen Erinnerungen, familienfreundlich ohne je kindisch zu sein, erfreulich unkompliziert, actionreich und erstklassig gemacht. Besser wäre eine vollkommen originelle Geschichte mit stärkerer kreativer Handschrift gewesen, aber im Rahmen eng gesetzter Konzernvorgaben ist Das Erwachen der Macht ein beachtliches Sequel geworden.

8 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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