BG Kritik:

Stolz und Vorurteil und Zombies


Seit 6 Jahren bei BG. Er hat Geschichte, Soziologie und Anthropologie studiert und ist ebenfalls als Autor tätig.

Pride and Predjudice and Zombies (USA 2015)
Regisseur: Burr Steers
Cast: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Matt Smith

Story:
Im England des frühen 19. Jahrhundert stehen fünf Schwestern kurz davor, an ausgesuchte Ehemänner vermittelt zu werden. Obwohl sie damit schon genug zu tun haben, bricht dann auch noch eine Zombieapokalypse aus...

Der Albtraum aller Englisch- und Literaturdozenten.

Die Buchvorlage stammt vom gleichen Autor...


Bekannte Literatur wie „Stolz und Vorurteil“ oder Biographien historischer Persönlichkeiten mit einer übernatürlichen Komponente zu versehen und als Actionfilm auf die Leinwand zu bringen, ist keine neue Idee. Regisseur und Autor Burr Steers hat dieses Rad nicht neu erfunden. „Abraham Lincoln: Vampirjäger“ (2012) von Timur Bekmambetov war der erste Film aus diesem neuartigen Genre Literaturklassiker-meets-Horror und konnte als solcher durchaus unterhalten. Weil es etliche Bücher derart gibt, auch von Austen selbst, darf man vermuten, dass sie jedes Werk mit einer skurrilen Monsterkomponente neu verfilmen werden. Vielleicht aber auch nicht, denn „Stolz und Vorurteil und Zombies“ ist alles andere als gelungen.

Zu Beginn des Films wird lange und illustriert dargestellt, wie dieses absurde Szenario sich überhaupt ergeben kann. Leider fiel ihnen da nichts ein, und besagte Zombies sind nicht wirklich clever in die bekannte Handlung integriert. Halbherzig hieß es "Da müssen Zombies rein", weil es die Titelidee vorgab. Ansonsten verläuft die restliche Handlung wie im Buch, mit Lügen, Intrigen und der wahren Liebe im alten England.

Da die Zombies von den Damen bekämpft werden, ist Action nötig. Diese wirkt aber meist ebenso deplatziert wie die Untoten. Sinnlos kommt asiatische Kampfkunst zum Einsatz, und der ein oder andere Zombiekopf explodiert gar, aber es will weder als Splatterkomödie, noch als Parodie oder als ernster Stoff wie The Walking Dead überzeugen. Sicherlich ist das Szenario an sich eventuell genug für einen unterhaltsamen Abend, doch der Film selbst liefert keine Stärken, die ihn rechtfertigen.

der auch schon Abraham Lincoln: Vampirjäger verbrach


Eine gute Zombiegeschichte ist daran zu erkennen, dass die Zombies nicht im Vordergrund stehen. Sie sind der Griff des Autors, eine Welt zu ermöglichen, in welcher die eigentliche Geschichte spielen soll. So wie man „The Walking Dead“ eigentlich als Parabel über das Wesen des Menschen verstehen kann und nicht nur als Zombiehorror. „Stolz und Vorurteil & Zombies“ bedient sich einer bereits bekannten und durchaus funktionierenden Geschichte, bloß mit Zombies. Die Geschichte gewinnt durch die Zombies oder Action nichts dazu, hat nichts neues auszusagen, enttäuscht und verlässt darüber hinaus mit einem peinlich unkreativem Ende.

Schauspielerisch gibt es eigentlich kaum nennenswerten Überraschungen. Sam Riley als Colonel Darcy und Lily James als Elizabeth Bennet machen den Figuren, denen sie nachempfunden sind, kaum Ehre und erhalten auch kaum die Chance dazu. Es ist zwar nett anzusehen, wie die Figuren in den absurdesten Momenten originale Textstellen zitieren, wenn zum Beispiel Mr. Darcy seine Zuneigung zu Ms. Bennet erkennt, gerade als diese einen Raum voller Zombies niedergemacht hat, aber dann ist es mehr ein fremdschämendes Lachen. Einzig Matt Smith (Dr Who, Terminator Genisys) kann etwas Humor einfließen lassen, indem er einen trotteligen Pfarrer mimt.

Fazit:

„Stolz und Vorurteil und Zombies“ mag in passender Runde kurzweiliger Spaß sein, aber er würdigt weder die Romanvorlage, noch funktioniert er als lustige Horrorkomödie. Leider ist es kein Vorurteil zu schätzen, dass die Macher auf ihr untotes Ergebnis eher weniger stolz sein können.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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