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Kritik:
Street Fighter:
The Legend of Chun-Li


von Christian Westhus

Street Fighter - The Legend of Chun-Li
(2009)
Regisseur: Andrzej Bartkowiak
Cast: Kristen Kreuk, Chris Klein, Neil McDonough

Story:
Eines Tages wird die kleine Asiatin Chun-Li unfreiwillig Zeuge, wie ihr Vater von einem mysteriösen Geschäftsmann namens Bison entführt wird. Jahre später macht sie sich dann als kanadisch aussehende 40kg-Kriegerin auf groß angelegte Büffel- und Rindviehjagd.

Kritik:
Es ist vielleicht der Witz des Jahres, was da passiert ist, beim zweiten Versuch, die legendäre “Street Fighter” Prügelspielreihe als Realfilm auf die Leinwand zu bringen. Angeführt von Drehbuchautor Justin Marks, der noch laut und selbstbewusst heraustönte, man kastriere das bekannte „Street Fighter“ um 90% aller beliebten Figuren, provozierte dieser Film seine gnadenlose Vernichtung an der Kinokasse quasi selbst.

Wie naiv musste man als Produzent eigentlich sein, um diesem Desaster nicht nur Geld zukommen zu lassen, sondern auch grünes Licht zu geben? Als die Fans im Vorfeld, nach Bekanntgabe der Besetzung, Sturm liefen, mehrten sich ambitionierte Beteuerungen, man plane eine große, mehrteilige Reihe, wolle jedem wichtigen Charakter genügend Freiraum lassen und kümmere sich sogar um die in der Spielreihe vorgegebene Hintergrundhandlung. Selbst wenn die Hälfte davon wohl sogar tatsächlich stimmt, macht es die Chose doch nur noch naiver. Man kann doch nicht auf eine mehrteilige Franchise spekulieren, wenn schon beim Drehbuch des ersten Teils so offensichtlich ist, dass man den Fans zwischen die Beine tritt und die Zielgruppe vergrault, so dass es nie zu einer Fortsetzung kommen wird.

Auf Ryu und Ken in einer SF-Verfilmung zu verzichten, nur um Chun-Lis Vorgeschichte zu erzählen, ist, als wolle man „Super Mario“ verfilmen und mache aus dem ersten Teil eine Adelsschmonzette um Prinzessin Toadstool. Ohne jedwedes Auftreten der Klempnerbrüder. Der ehrenhafte Versuch, sich ordnungsgemäß um die Charaktere zu kümmern, ist in dieser Form leider nur mit Dummheit gleichzusetzen, denn neben Chun-Li tauchen nur noch Bison, Balrog und Vega aus der „Street Fighter II Reihe“ auf, der wohl wichtigsten Reihe. Charlie Nash und Großmeister Gen sind da schon eher den langjährigen Fans bekannt.

Tut aber eigentlich auch rein gar nichts zur Sache, welche Figur anwesend ist, oder wie sie heißt, denn wirklichen Wiederkennungswert haben sie eh nicht. Boxer Balrog ist mit Michael Clarke Duncan noch am passendsten besetzt. Duncan ist ein sympathischer Hüne, spricht aber mit einer sehr angestrengt erscheinenden Stimme und hat eigentlich nichts zu tun, was ihn vom dümmlichen Handlanger Bisons unterscheidet oder als Boxer outet. Bison selbst wird sogar halbwegs charismatisch verkörpert, ist aber nicht mal im Ansatz der Bison aus den Spielen, sondern ein schmächtiger(!), blonder(!!) Immobilienhai(!!!) mit konfus-mythologischem Hintergrund, der sich als komplett tranig entpuppt. Während Charlie Nash (Chris Klein aus „American Pie“) einfach nur ein großmäuliger Polizist ist, der sich an seine Kollegin Moon Bloodgood ranmacht, gibt Rapper Taboo die Lachnummer des Films ab, als Vega. Das muss man praktisch selbst gesehen haben, um zu glauben wie sehr diese Figur verschenkt wird. Wirklich schwach kann man von diesen Darstellern aber nur Chris Klein nennen – der dafür so richtig – da er der einzige ist, der mehr als drei Sätze zu sagen hat. Neal McDonough, Bison, verbuchen wir mal unter ‚akzeptabel’ und schieben den Rest aufs Drehbuch.

Zentrum dieses Films sind Chun-Li und Gen. Kristin Kreuk wäre vielleicht gar nicht mal die schlechteste Wahl gewesen, auch wenn sie nicht sonderlich chinesisch aussieht, wäre ihre Rolle nicht so dämlich. Ein permanent säuselnd-bedeutungsschwangerer Voice-Over führt jedoch durch den Film und erzählt von der unruhigen Gedankenwelt Chun-Lis, erinnert in seiner schwülstigen Gefühlsduselei aber eher an so unterirdisches, deutsches Nachmittagskulturgut wie „Sturm der Liebe“. Vom gelangweilten Gen mit der Karnevalsperücke lernt sie Weisheit und eine Spezialattacke. Unten, vorwärts, Schlag. Leider nimmt sich die Chose so dermaßen ernst, dass diese Attacke, die so ungeklärt aus dem Nichts kommt und so selbstverständlich wirkt, einfach nicht ins Gesamtkonzept des Films passen will.

Das ist einfach nicht die Street-Fighter-Welt. Es ist eher ein Polizeithriller in Bangkok, inklusive Rachestory, die in etwa so viel Kampfkunst bietet, wie die letzte Folge „Cobra 11“. Ein einziges Mal, als Chun-Li vorlaute Buben auf der Straße aufmischt, kann man von einer halbwegs existenten Choreographie sprechen. Begeistert sind wir davon auch noch nicht, aber verglichen mit den wenigen anderen Scharmützeln, die in der Regel nach weniger als 90 Sekunden vorbei sind und keine große Action bieten, nehmen wir diese eine Szene doch dankend an. Stattdessen bekommen wir viel zu viel Ballerei, die aber wohl realistisch inszeniert sein soll, was hier jedoch eher „langweilig“ entspricht. Dazwischen melancholiert Chun-Li durch die Straßen und die raffitückische Bison-Verschwörung nimmt Gestalt an.

Die Überraschungen, die das komplett generische und mit schwachen Dialogen durchzogene Drehbuch bieten will, sind lang und breit angekündigt und für die ganz Dummen gibt es noch kurze Einzelbild-Flashbacks, die erklären, wo wir diese Person oder dieses Gesicht schon mal gesehen haben. Ist natürlich auch wahnsinnig schwierig, sich in einem kaum 90 Minuten dauernden Film Dinge zu merken, die mehrmals penetrant in Nahaufnahme zu sehen waren. Hallo Vorgarten. Viel überraschender sind die eklatanten Logikfehler, die so wahnwitzig wirken, dass die Schwarte kracht. Überraschungsfaktor 10, wenn man sich plötzlich fragen muss, wie Person X jetzt da raus oder (vor Person Y) dort hin gekommen ist.

Die van-Damme-Verfilmung war Trash pur, aber sie bekannte sich dazu und serviert ein hemmungsloses Gaga-Fest, das wenigstens unfreiwillig komisch wirkte. Dieser neue Versuch will ganz ernst und intelligent wirken, Character-based, und muss sich so eine ganz andere Kritik anhören. Trotz beleidigend kurzer Laufzeit wirkt der Film zäh und langweilig, die Figuren schablonenhaft, die Dialoge einfältig oder gewollt-cool, die Handlung generisch, logikfrei und mit ein paar unnötigen Mythologie-Inserts.

Vor Allem aber fehlt es an Action, an guter Action. Die Schlussszene deutet an, was man in den Fortsetzungen geplant hatte und plötzlich leuchten die Fan-Augen wieder und man malt sich aus, wie es wohl in einem guten Realfilm aussehen könnte. In dieser Machart wäre wohl auch die Anwesenheit von Ryu, Ken, Guile und Konsorten nur eine kleine Rettung gewesen. Vielleicht hätte man hier die Vorgeschichte von mehreren Leuten erzählen sollen, bis es in der Fortsetzung zum Turnier geht. So bleibt es nur eine große Enttäuschung, weswegen man fast froh sein kann, dass uns die Enttäuschung im zweiten Teil wohl erspart bleibt, bis sich in 10 Jahren vielleicht wieder jemand an „Street Fighter“ versucht. Bis dahin darf der geneigte Fan weiter daddeln, sich die „Victory“ Animeserie reinziehen oder sich nach Action-Filmen ohne Videospielvergangenheit umsehen. Dieses Desaster hier kann man sich sparen.

Und Chris Klein kann nicht mit Stäbchen essen. Diese Erkenntnis ist die lustigste Szene des Films und natürlich von den Machern ungewollt.

Fazit:
Eine Katastrophe. Schlicht und ergreifend verkorkste Adaption des Spiels. Ein grausiges Drehbuch verweigert sich den wichtigsten Figuren der Vorlage und liefert auch sonst nur uninspirierten, zu ernst gemeinten Nonsense mit schwachen Figuren, die von schwachen Darstellern gespielt werden. Dass die Action quasi nicht existent und wenn dann schwach ist, kommt dem Todesurteil für den Film gleich.

2 / 10

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