BG Kritik:

Suicide Squad


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

Suicide Squad (US 2016)
Regisseur: David Ayer
Cast: Will Smith, Margot Robbie, Viola Davis, Jai Courtney, Jay Hernandez und Jared Leto

Story: Die DC-Kino-Welt ist nach dem Ende von Batman v Superman: Dawn of Justice nicht mehr dieselbe, und um der nächsten übernatürlichen Bedrohung die Stirn bieten zu können, gründet die undurchsichtige Agentin Amanda Waller (Viola Davis) eine Task Force-X, bestehend aus den gefährlichsten inhaftierten (Super)Schurken. Darunter Jokers Freundin Harley Quinn (Margot Robbie), Scharfschütze Deadshot (Will Smith), Pyromane El Diabolo (Jay Hernandez), Kannibale Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), sowie die mit einem Seelen verschlingenden Schwert bewaffnete Katana (Karen Fukuhara). Sie sollen die Welt retten, auch wenn sie gar nicht wollen.

Der Joker Film?

Suicide Squad spielt nach Batman v Superman


Das mit Zack Snyders Man of Steel gestartete und erst kürzlich mit dessen Batman v Superman: Dawn of Justice deutlich ausgebaute DC-Filmuniversum wird mit Suicide Squad weiter ausgebaut. Nachdem er zuletzt Schwarzeneggers Sabotage, sowie den Brad Pitt WWII-Panzer-Actioner Fury inszenierte, setzt Regisseur David Ayer nun seine Marke im Kino-Universum von Comic-Gigant DC. Erst der zweite Mann am Ruder des noch jungen aber bereits mächtig kritisierten Universums, wollte Ayer hier offenkundig etwas anderes liefern. Böser sollte es sein und weniger konventionell. So sollte es Bösewichte gegen noch bösere Bösewichte geben, dazu Batman zum allerersten Mal aus der Sicht jener Schurken... sowie einen neuen Joker, für ein neues Kinouniversum. Aber entweder hatte Ayer diesbezüglich Stimmen mit unterschiedlicher Meinung in seinem Kopf, oder aber da wurde von außen und im Schnitt mächtig Einfluss ausgeübt, denn hier passen viele Teile einfach kaum zusammen und vieles was im Vorhinein groß versprochen wurde, ist entweder gar nicht drin, oder nimmt nur einen minimalen Part im Gesamtwerk ein. Um es direkt vorweg zu nehmen, ist Suicide Squad nicht der erhoffte und notwendige Knaller geworden, den das DC Extended Universe gebraucht hätte.

Unter der militärischen Führung von Rick Flagg (Joel Kinnaman) rekrutiert Amanda Waller ihr Team von Bösewichten und schickt diese in die Schlacht, gegen eine neue Bedrohung von globalem Ausmaß. Allerdings erst, nachdem die Bösewichte mittels Sprengkapsel im Nacken gefügig gemacht wurden. Denn was einst für Snake Plissken gut genug war, sollte auch für Harley Quinn und Captain Boomerang (Jai Courtney) ausreichend sein. Davis' Interpretation der bekannten DC-Strippenzieherin Waller geht klar, und ist so eine Art überspitzte Version ihrer Figur aus How to Get Away with Murder mit finsterer Gesinnung und in noch undurchsichtiger, charismatisch und recht clever wirkend gespielt. Kinnamans Rick Flagg macht hier prinzipiell nichts anderes als Viola Davis. Er rekrutiert und brüllt Befehle, nur weniger charismatisch oder interessant. Sein Rick Flagg ist auf dem Papier ein harter Hund mit liebendem Herz, der aber auf der Leinwand nicht die notwendige Präsenz eines Anführers zu liefern vermag. Immer drei Schritte hinter ihm Scott Eastwood als einer seiner Männer, dessen durchaus vorhandenes natürliches Charisma allerdings hier nicht scheinen darf. Sich offenkundig und auch logischerweise mehr für die Bösewichte mit den schrägen Outfits interessierend, geht es auch zunächst nur um sie. Ayer startet hierbei sehr ordentlich, und kann so auch ein zumindest gutes erstes Drittel für sich verbuchen. Nachdem er seine Figuren allerdings vorgestellt hat, scheinen ihm nahezu sämtliche Ideen ausgegangen zu sein. Dafür spricht auch, dass allein die Vorstellung und Rekrutierung der Bösewichte gut ein Drittel der Laufzeit des Filmes einnimmt. Aber nach den gefühlten mindestens 45 Minuten mit der Einführung der Figuren – wobei immer wieder zurück geblendet wird, wo es gerade zu passen scheint - wird es mit stetig fortschreitender Laufzeit immer langweiliger und uninteressanter.

Ayer arbeitet hier etwas schriller und comicartiger als Snyder, indem er zu (nahezu) jedem Team-Mitglied in Neon eingeblendete Grafiken und Statistiken der Strafregister im Sportstatistik-Style aufpoppen lässt, um dann zum nächsten der unfreiwilligen Helden und wieder zurück zu springen. Ohne hier in Spoiler-Tiefen vordringen zu wollen, aber welches Team-Mitglied es direkt erwischt, könnte nicht offensichtlicher inszeniert sein. Kleiner Tipp: Es ist das einzige unfreiwillige Mitglied des Squads, dem keine der erwähnten Rückblenden mit in Neon gefasstem Strafregister vergönnt wurde. Man hätte ihr auch gleich ein rotes Shirt anziehen können. Wobei das womöglich hätte cooler sein können. Denn Coolness scheint eh das Maß der Dinge für Ayer gewesen zu sein. Überhaupt ist gefühlt alles und überall in Suicide Squad auf cool getrimmt, macht auf dicksten Gangster von Gangsterville mit Bling-Bling und Hip und Hop, natürlich in tätowiert (möglichst noch im Gesicht), dazu einen Diamant-Ohrring und weiteres ach so cooles Accessoire. Nicht. Denn zu viel ist einfach zu viel und an jeder Ecke, vor allem wenn es nicht wirkt, und dem ist leider vielerorts so. So dann doch oft möchtegern cool, nicht hip und in vielen Fällen lediglich aufgesetzt wirkend. Dazu läuft eine Playlist, die in selbiges Raster fällt und mit Musik von Eminem bis Queen Bilder oft eher überlagert, anstatt zu untermalen. Spaß bringt die Musik allerdings in den Film.

Machten vor allem die späteren Trailer den Eindruck eines mit humorvollen Beitrags, ist das Ergebnis gar nicht mal so witzig. Dass nahezu - nein, eher tatsächlich alle - Gags des finalen Filmes bereits in den Trailern präsentiert wurden, hilft dabei auch nicht wirklich. Und geradezu völlig nutzlos wirkend, nimmt man vor dem Finale noch mal direkt das Tempo zur Gänze raus und schaltet in den Leerlauf, um Zeit für Charaktertiefe und einen Drink einzuschieben. Vom Pacing her eine Katastrophe, zieht diese Szene den trotz schnellem Schnitt ohnehin nicht besonders flott wirkenden Film nur unnötig nach unten, um dann noch ein nicht besonders spannendes CGI-Finale, mit den recycelten Blitzen aus dem BvS-Finale nachzulegen. Die Spannung bleibt so auf der Strecke, nur um dann endgültig am Boden liegend zurück gelassen zu werden. Wenns schon keine spannende Story, dann wären sicherlich gute Antagonisten für das Squad hilfreich gewesen, aber auch davon keine Spur. Denn auf der ganz bösen Seite steht dann lediglich ein langweiliges, übernatürliches Geschwister-Gespann, was nichts anderes plant, als die totale Vernichtung der Menschheit und Erde. Ein ganz innovativer Plan also. Und dann noch so gekonnt verpackt. Hätte gutes Spiel oder Charisma da sicherlich noch was zu retten vermocht, gibt es beides nicht. Stattdessen aber eine unfreiwillig komische Tanz- und Hüftschwung-Einlage zu den erwähnten recycelten Blitzen, und fürchterlich schwaches und ausdrucksloses Spiel. Traurig.

Ayer versammelt in Suicide Squad ein Team von Superbösewichten und weiß offenkundig nicht, was er mit ihnen anzufangen soll, oder wie man Team-Bindungen oder Dynamik erzeugt. Team-Gefühl vermag sich kaum einstellen, und wenn zum Finale einer aus dem Team von familiären Bindungen in eben jenem Team spricht, kann er eigentlich unmöglich vom selben Team sprechen. Nein, das angeblich innerhalb von lediglich sechs Wochen entstandene Drehbuch ist wahrlich keine Meisterleistung - und der Mann hat immerhin Training Day getippt. Stattdessen lässt er hier aber lieber Helikopter in Serie herunter krachen, und als wäre es gar nichts, klettern die abgestürzten Haupt- und Nebenfiguren zumeist direkt wieder raus. Ein lahmer Running-Gag in Serie. Die Story von Suicide Squad ist dabei kaum mehr als ein Witz, denn eigentlich ballert, beißt, brennt, hackt und schlägt sich das Team nach der Vorstellung nur noch durch buchstäblich gesichtslose Videospiel-Gegner und bis zum Zwischengegner und zum Endboss durch. Unterbrochen von Einschüben aus der Vergangenheit und Szenen des Jokers, der eigentlich nur seine Harley wieder haben will und dafür gelegentlich mit einem Knall auftritt.

Für die Kinofassung wurde jede Menge Material gestrichen und entschärft


Jokers Kollegen, also die extrem bösen Bösewichte, als die sie einem hier mehrfach verkauft werden (sollen), sind dabei allerdings größtenteils viel zu handzahm skizziert. Gewissensbisse, Reue und natürlich die angezogene PG-13 Freigabe als Handbremse. Es wird zwar weggeballert was geht, aber eben fast nur gesichtslose Schleimmonster. Die präsentierten Bösewichte im Team wirken kaum bis nie wirklich ganz böse, ja, größtenteils nicht mal böse genug für Anti-Helden. Einen Lobo in der Art kann DC behalten. Allen voran Will Smith, dessen Auftragskiller mit Leon-Kodex ein viel zu liebes Herzchen mit sich herum schleppt und im Verglich mit der Vorlage unfassbar aufgeweicht wurde. Smith spielt ohne Frage gut und trägt einen hohen Anteil des Filmes, hat sichtlich Spielfreude und noch immer seine volle Star-Power. Aber mit dem Deadshot aus den Comics hat das kaum mehr als die Jobbeschreibung und das Kostüm gemein. Anders Batmans Erzfeind Joker (welcher hier von Oscar-Gewinner Jared Leto dargestellt wird) und dessen irrer Freundin Harley. Letos Joker und Robbies Harley Quinn wirken trotz der Tattoos, Goldketten, Ringe und silbernen Zähne wie aus den Comics herausgerissen und wunderbar anarchisch, undurchsichtig und verrückt zugleich. Da geht zwar noch was, aber es ist ein guter Grundstein, auf dem man sichtlich aufbauen möchte. So lässt der neue Joker bereits einiges an inne wohnenden Möglichkeiten erahnen, steckt voller Potenzial und hat auch bereits nette Szenen. Nett, mehr aber (noch) nicht. Ein Vergleich mit Heath Ledger (oder auch mit Jack Nicholson) kann nach dieser Performance allerdings noch kaum fair erfolgen, da Letos Screentime dafür einfach zu gering ausfällt. Gutes erahnen lässt sich allerdings bereits, da Letos Joker schon in seinen wenigen Minuten einiges an typischen Joker Momenten bekommt und auch eine herrlich düstere Lache hat.

Jokers Liebchen gibt es gar inklusive des großartigen Original-Kostüms aus der Animated-Series - dem Ort ihrer Geburt. Mehrheitlich gibt es Harley aber im bereits aus den Trailern bekannten Debbie Harry-Style auf die Augen. Ohne Frage mehr als nett anzusehen, kann man verstehen, was den Joker hier antreibt, diese Frau zurück zu bekommen. Margot Robbie ist es auch, die den Film sehenswert macht. Und nicht nur weil sie sehr hübsch ist, sondern vor allem weil sie ihre Rolle wunderbar auszufüllen vermag und herrlich bescheuert spielt. Getreu der Vorlage und gelungen, und dabei natürlich und nicht aufgesetzt wirkend. Am Rande gibt es dann noch ein Wiedersehen mit Batman und Bruce Wayne-Darsteller Ben Affleck, welcher in seinen vielleicht zwei Minuten im Film - im Gegensatz zu seinem Debüt vor einigen Monaten - allerdings nicht besonders positiv auftrumpfen kann, und nur als nützliches Verbindungsstück zwischen den Schurken und Filmen des Filmuniversums dient. Affleck fällt aber auch nicht negativ auf. Seinen Batman aus dem Blickwinkel der Bösewichte sollte es laut Regisseur Ayer geben, davon sind ca. fünf Sekunden in zwei Szenen drin. Eine davon aber grandios und perfekt nach Comicvorbild eingefangen. Die wenigen Szenen mit Batfleck (oder seinem Stunt-Double) dienen mehrheitlich der historischen Unterfütterung von Joker, Harley und Deadshot, und lassen das Universum seit Jahren gewachsen erscheinen. Nur eben bevor man als Zuschauer in dieses Universum eintrat.

Wie bereits angemerkt, passt dabei vieles nicht zusammen, so z.B. die zwangsrekrutierten Anti-Helden und die zu bewältigende Bedrohung. Hier erscheint die Bedrohung in keinem angemessenen Verhältnis zu stehen, mit dem, was man entgegen stellt. Zusammengestellt aus den verzichtbaren und inhaftierten Bösewichten sind sie laut Filmhandlung da, um einer Bedrohung von der Größenordnung eines Supermans entgegen treten zu können. Dafür erscheint dieses Team allerdings völlig falsch. Superman oder ähnliche DC-Kaliber würden jeden dieser (nicht genug bösen) Bösewichte mit einem Fingerschnippen oder flüchtigen Hitzeblick erledigen. Das genau ist auch ein merkliches und großes Problem, denn die Bedrohung ist einfach viel zu groß gewählt, als dass eine bekloppte Blondine mit Baseballschläger, ein Scharfschütze, ein Feuerteufel und der Rest der Bande mit Boomerang und Katana, auch nur den Hauch einer Chance haben dürften. Ein echtes Selbstmordkommando sollte man meinen, aber leider fühlt es sich kaum eine Sekunde sinnvoll an. Denn wo zuvor noch reihenweise Hubschrauber und gesichtslose Trupps von Soldaten wie die Fliegen gefallen sind, tun sich die zwei Superwesen plötzlich unfassbar schwer, wenn der Trupp in den bunten Outfits im Finale einen Kreis um sie bildet. Eine kleine Atomrakete wie die aus Dawn of Justice hätte aus Sicht der Regierung sicher besser und schneller funktioniert. Kollateralschäden hin oder her. In Marvels Avengers ja auch als probat angesehen. Und um noch kurz bei Marvel zu verbleiben, da hat man ja auch normale Leute mit Schusswaffen im Avengers-Team. Aber eben auch einen Halb-Gott und einen Hulk. Hier kann eigentlich nur El Diabolo bedeutend mehr als normal, und der macht nur Feuer aus seinen Händen. Feuuuer. Und das bei der illustren Riege an Superschurken, über die insbesondere DC verfügt und im Gegensatz zu Marvel auch zu 100 Prozent frei verfügen kann. Mindestens einen Mr. Freeze (so als coole Ayer-Ergänzung zum Feuer) oder Wesen mit übermenschlicher Stärke, Waffen oder Ausdauer hätte es bei dem Plot bedurft. Und nicht einen Typen der Boomerangs wirft und Energie-Drinks schlürft.

Nichts gegen Jai Courtneys Figur, der hat ein paar Lacher und einen herrlich überzogenen australischen Akzent. Seine beste Rolle seit Spartacus. Ein anderes Szenario (wie der in Gerüchten gestandene Überfall bzw. Einbruch bei Lexcorp) mit einer anderen Art der Bedrohung, einem guten Drehbuch und Gefühl für Tempo, und das hätte DCs Guardians werden können. R-Rated wie bei Deadpool hätte sicher auch nicht geschadet, auch wenn das hier in etwas über zwei Stunden Präsentierte sicherlich am obersten Rand von PG-13 liegen dürfte, und so ok scheint. So ist Suicide Squad nicht die erhoffte Antwort auf Marvel Studios Guardians of the Galaxy oder den Deadpool von Fox, dafür fehlten hier gar zwei entschiedene Grundzutaten, welche da Herz und Seele heißen. Suicide Squad fehlt oft leider beides, wobei letztere vielleicht auch bloß in Karen Fukuharas mystischem Schwert gefangen wurde, und zum Filmstart nicht wieder raus wollte.

Fazit:

Das Squad lebt von seinen schrägen und bunten Hauptfiguren und ihren Darstellern - allen voran Margot Robbie und Charisma-Bolzen Will Smith. Krankt aber an einem schlechten Drehbuch, holpriger Handlung und zähem Szenenfluss, sowie den viel zu offensichtlichen Bemühungen, möglichst hip und cool zu wirken. Nicht besser als (die Kinofassung) von Batman v Superman: Dawn of Justice, nur verrückter und mit mehr Neon und Bling-Bling. Die Hoffnungen liegen nun bei Wonder Woman, welche im kommenden Sommer startet, gefolgt von der Justice League, auf die es hier bereits Hinweise und eine Szene im Abspann gibt.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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