BG Kritik:

Survivor


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Survivor (UK 2015)
Regisseur: James McTeigue
Cast: Milla Jovovich, Pierce Brosnan

Story: Als die Sicherheitsexpertin Kate (Jovovich) einem verdächtigen Wissenschaftler kein Visa ausstellen will, und sie damit unwissend Terroristen mit Verbindungen in ihr eigenes Büro in die Quere kommt, wird sie alsbald von einem beauftragten Attentäter (Brosnan) gejagt…

I'm a survivor, I'm gonna make it...

2016 kehrt Jovovich für Resident Evil 6 zurück


James McTeigue. Hat man schon mal gehört, doch da muss man erst einmal kurz überlegen, was der eigentlich schon alles gemacht hat. Nicht viel, so viel ist sicher, aber seine Konzeptvielfalt spricht für sich: den zynischen Dystopie-Revoluzzerstreifen V für Vendetta, den trashigen, CGI-blutgetränkten Ninja-Actioner Ninja Assassin, so wie den Thriller The Raven, in dem John Cusack als Romanautor Edgar Allan Poe sadistische Verbrechen aufklärte. Wirklich gut ist davon nur der erstgenannte, und das sicherlich primär wegen der Handschrift seiner damaligen Mentoren, den Wachowski-Geschwistern, die ihm ihre Matrix-Bullet-Time Technik für eine Kampfszene zur Verfügung stellten.

Jetzt darf man raten, ob die Misserfolge der beiden anderen Filme weitere Genreprojekte erschwert haben, oder ob er wirklich mal Lust auf was Neues hatte, denn seine neueste Veröffentlichung passt nicht zu seinem bisherigen Oeuvre. Survivor ist zwar ein qualitativ solider, aber inhaltlich gänzlich konservativer Thriller. Irgendwo zwischen der Serie 24, dem Eric Bana Thriller Unter Beobachtung und dem ähnlichen Chris Cooper Film Enttarnt: Verrat auf höchster Ebene anzusiedeln, nur mit weniger Budget, bleibt es bei dem aufregenden Tag einer Sicherheitsexpertin, die bei dem Versuch, einen geplanten Terroranschlag zu verhindern, vor Terroristen und korrupten Kollegen fliehen muss. Obwohl Resident Evils Milla Jovovich die Hauptrolle spielt und das Blu-ray Cover reichlich Action verspricht, sollte man sich jedoch nicht zu viel Kladusch erwarten. Jovovichs Kate ist ausnahmsweise eine reine Schreibtischtäterin und keine Kämpferin, also läuft sie in der Regel immer weg, und da McTeigue bloß 20 Millionen Dollar Budget zur Verfügung hatte, kann der Film natürlich nicht wie ein fünfmal so teurer Bourne Film aussehen. Das heißt, dass Kate in keine Shootouts, keine haarsträubenden Autoverfolgungsjagden oder dergleichen verwickelt wird. Nichts, was sonderlich spektakulär wäre.

Hofft noch auf November Man 2: Brosnan


Berücksichtigt man das, kann man mit dem Ergebnis durchaus gut leben. Jovovich, ohnehin immer sympathisch, überspielt gekonnt, dass ihr das Script kaum Charakter zur Verfügung stellt. Ihre Kate kann mehrere Sprachen sprechen, ist erfahren und geht Kollegen mit ihrer Nachdrücklichkeit gern auf den Keks, doch viel mehr ist da nicht. Dennoch spielt sie die unschuldig Gejagte mit genug Charisma, dass man auf ihrer Seite bleibt. Ihr behilflich ist eine Auswahl bekannter Gesichter, die allesamt nicht viel zu tun kriegen, den Film aber jeweils kurz durch ihre Präsenz aufwerten: Angela Bassett, Robert Forster und Dylan McDermott sagen alle kurz hallo. Relevanter ist da Pierce Brosnan, der Kates wichtigsten Antagonisten spielt. Einen grantigen alten Elite-Killer mit Codenamen Uhrmacher, der Kate unerbittlich jagt. Genau wie in The November Man erscheint Brosnan wieder sehr schnittig und abgebrüht, auch wenn er es sichtlich nicht zu mögen scheint, dass der deutsche Benno Fürmann in einer Nebenrolle den Anführer der Terroristen spielt.

Wie gesagt ist Survivor ein generischer Thriller von solider Baumarke, der Kate durch U-Bahntunnel, durch Stadtparks, durch Büros, Hochhäuser und Straßenpassagen hetzen lässt. Was den Film jedoch noch auszeichnet, ist ständiges Pech des Attentäters. Unzählige Male steht Brosnan kurz davor, die unerwünschte Schnüfflerin souverän aus dem Spiel zu kicken, doch immer kommt was dazwischen. Im Laufe des Films wird es fast lustig, auch wenn es alles ernst inszeniert bleibt, wie Kates Leben immer wieder durch Zufälle gerettet wird. Erst zum Schluss erlaubt McTeigue Jovovich einen verschmitzten Oneliner, der ehrlich schmunzeln lässt.

Dass Survivor wenig Kohle zur Verfügung hatte und dadurch immer wieder limitiert ist, fällt auf, doch im Vergleich zu anderen Blu-ray-Veröffentlichungen der Marke Seagal und Co. findet man dennoch eine angenehm höherwertige Produktion vor. Survivor startet zwar zu Recht nicht im Kino, verglichen aber mit anderen Jovovich Blu-ray Titeln wie Stone oder A Perfect Getaway zeigt sich eine immerhin konsistente Mittelmäßigkeit, die man entweder gut oder schlecht heißen kann, jenachdem, was man sich erwartet.

Fazit:

Jetzt kein Blu-ray-VÖ Geheimtipp wie The Guest, Outlander oder Unthinkable, und bloß ein routiniert inszenierter 0815-Thriller kleineren Budgets, mit Milla Jovovich und Pierce Brosnan aber wie erwartet sympathisch besetzt. Kann man sich ansehen.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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