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Kritik:
Systemfehler - Wenn Inge tanzt


von Michael Herbst

SYSTEMFEHLER - WENN INGE TANZT
(2013)
Regisseur: Wolfgang Groos
Cast: Tim Oliver Schultz, Paula Kalenberg

Story:
In ihrer Schule sind Max (Tim Oliver Schultz) und seine Band Systemfehler über alle Maße angesagt, doch als ein Talentcoach auf sie aufmerksam wird, bekommen sie die Chance entdeckt werden zu können. Blöd nur, dass ausgerechnet jetzt der Gitarrist ausfällt und die einzige Rettung die von ihnen verhänselte Gitarristin und "Ökotussi" Inge (Paula Kalenberg) ist...

Kritik:
Eine echte Musikkomödie gab es schon lange nicht mehr, geschweige denn aus Deutschland. Es gibt zwar die unzähligen Step Up, StreetDance und anderen Breakdance-Tanzkonsortenfilme, aber klassische Musikfilme über aufstrebende Musiker, die ihr Handwerk lieben und dabei auch noch Liebe entdecken, das setzt als gewagtes Thema bereits Staub an, 

Umso erfreulicher, dass "Systemfehler - Wenn Inge tanzt" heute ein für geringe Ansprüche gelungenes Comeback eines ausgestorbenen Genres ist. So wie Deutsch-RocknRoller Peter Kraus mit Mitte 70 unerwartet wieder als Charmeur über die Leinwand juckelt. überzeugt die junge Besetzung der Schulband. Vorne an trifft Tim Oliver Schultz als ungehobelter Pfau die richtigen Töne und erfüllt alle Aspekte eines Teenschwarms. Seine Bandmitglieder sind dann einfacher gestrickt, erreichen aber immerhin angenehmes Sitcomniveau. Während der Frontmann mit der, welch Wunder, doch nicht so schlechten Inge flirtet, kaspern die übrigen wild herum, insbesondere Tino Mewes als durchgeknallter Keyboarder.

Die Geheimwaffe ist Paula Kalenberg, Objekt der romantischen wie beruflichen Begierde, gibt sie den Jungs Zunder und verleiht dem charmanten Jugendfilmspaß, der sich nicht davor scheut, deutschsprachige Musik zu bringen, genügend Energie und Tempobrüche, um die Handlung stetig voranzutreiben. Diese ist entsprechend dünn, kitschtrunken und eher der Romanze als Komödie zuzuordnen, macht aber nie einen Hehl aus den fehlenden Ambitionen.

Wirklich auffällige Kritikpunkte lassen sich an einer Hand abzählen. Die Entscheidung der Macher, Max ständig cool rauchen zu lassen, soll Max wohl roher und punkiger erscheinen lassen, worüber Kenner jedoch nur schwer seufzen können. Hier wirkt es eben nicht authentisch, weil er und seine Band optisch zu sehr nach zusammen gecastetem Produkt mit immer katalogfertigen Klamotten ausschauen und die, zugegebener weise Ohrwurm verdächtigen Songs der Band trotz Rebellenton doch noch zu artig und zurecht gestutzt klingen.

Die von Madsen, Revolverheld und Kraftklub geprägte Musik dürfte den Nerv der Zeit treffen, und da die Schauspieler sich an den Instrumenten beinahe wohler fühlen als mit Schauspiel und Dialogen, sollten sie es ernsthaft in Erwägung ziehen, vielleicht besser als Band weiterzumachen.

Fazit:
Man muss das Genre mögen und das Zielpublikum berücksichtigen, aber der unbeschwerte Systemfehler ist ohne Zweifel ein kleines, charmantes Comeback der deutschsprachigen Musikromanze Slash Musikkomödie.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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